Konjunkturrückgang in der Eurozone im September schürt Rezessionsängste

Konjunkturrückgang in der Eurozone im September schürt Rezessionsängste
Diya Poddar
23. Sept. 2024, 17:05 PM
  • Der Dienstleistungs-PMI fällt auf 50,5, den niedrigsten Stand seit Anfang 2023.
  • Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sinkt auf 44,8 und signalisiert damit eine anhaltende Schwäche.
  • Ökonomen gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins möglicherweise im Oktober noch einmal senken wird.

Die Geschäftstätigkeit in der Eurozone ging im September unerwartet zurück, was auf zunehmende Probleme sowohl im Dienstleistungssektor als auch im verarbeitenden Gewerbe hindeutet.

Der von S&P Global erstellte Einkaufsmanagerindex (PMI) der Region stürzte von 51,0 im August auf 48,9 ab und markierte damit den ersten Rückgang seit Februar.

Dieser Rückgang ist auf die schwache Nachfrage und die wirtschaftlichen Herausforderungen in wichtigen Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich zurückzuführen. Er gibt Anlass zu erheblichen Sorgen hinsichtlich der künftigen Wachstumsaussichten und verstärkt die Spekulationen über eine mögliche Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Rückgang des PMI unter die kritische Marke von 50 verdeutlicht die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage in der gesamten Eurozone.

Der Dienstleistungs-PMI fiel deutlich von 52,9 im August auf 50,5 im September, während der Fertigungsindex von 45,8 auf 44,8 zurückging.

Deutschlands Probleme

Besonders betroffen ist Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Region. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 0,1 Prozent und im dritten Quartal droht ein weiterer Rückgang.

Ökonomen warnen, dass eine technische Rezession, definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum, immer wahrscheinlicher werde.

Die Probleme Deutschlands spiegeln einen breiteren Trend wider: Auch Frankreich rutscht in eine Rezession, nachdem es zu einem vorübergehenden Wachstumsschub aufgrund der Olympischen Spiele zu Beginn des Jahres gekommen war.

Die allgemeine Schwäche in der Eurozone zeichnet in Verbindung mit dem nachlassenden Inflationsdruck das Bild einer fragilen Wirtschaftslandschaft für die kommenden Monate.

Im Dienstleistungssektor, der sich zuvor als relativ robust erwiesen hatte, deutet der PMI für September auf eine deutliche Verlangsamung hin und fiel auf 50,5 und liegt damit unter allen Prognosen.

Die Unternehmen verzeichnen einen starken Rückgang bei den Auftragseingängen; der Index für Neuaufträge fiel auf 47,2 – die stärkste Schrumpfungsrate seit acht Monaten.

Zwar lässt der Preisdruck nach, doch Analysten meinen, dass die EZB möglicherweise drastischere Zinssenkungen durchführen muss, um die Nachfrage anzukurbeln.

Einige gehen davon aus, dass zur Abmilderung des Konjunkturabschwungs bereits im Oktober weitere Senkungen der Einlagenzinsen eingeführt werden könnten.

Die Fertigungsindustrie steht weiterhin vor Herausforderungen

Unterdessen steht das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone weiterhin vor großen Herausforderungen, wie der Rückgang des PMI auf 44,8 zeigt, den niedrigsten Stand seit Anfang 2023.

Dies ist der 26. Monat in Folge mit Werten unter 50, was auf eine anhaltende Kontraktion hindeutet.

Der Produktionsindex für September fiel auf 44,5, wobei der Optimismus der Unternehmen deutlich nachließ, da der Index für die künftige Produktion auf ein Elfmonatstief von 52,0 sank.

Diese anhaltende Schwäche gibt Anlass zur Sorge über eine mögliche mangelnde Stabilisierung der Nachfrage und die anhaltenden Auswirkungen allgemeiner makroökonomischer Unsicherheiten auf die europäischen Fabriken.

Aktuelle Daten deuten zudem auf einen leichten Rückgang der Inflation in der Eurozone hin, was für Unternehmen ein kritischer Grund zur Sorge ist.

Der Dienstleistungspreisindex fiel auf 52,0, den niedrigsten Stand seit April 2021.

Zwar hält der Inflationsdruck an, doch diese Entwicklung gibt den politischen Entscheidungsträgern Anlass zur Hoffnung. Viele Ökonomen vermuten, dass die EZB im Oktober eine Zinssenkung in Erwägung ziehen könnte.

Insgesamt bleibt die Stimmung in der Eurozone weiterhin düster, da die PMI-Daten vom September die Befürchtung schüren, dass die jüngsten Maßnahmen der EZB möglicherweise nicht ausreichen, um einen längeren Abschwung abzuwenden.

Während die Notenbanken weltweit ihre Geldpolitik anpassen, befindet sich Europa an einem Wendepunkt. Um das Wachstum zu stabilisieren und das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherzustellen, sind wahrscheinlich weitere Anreize erforderlich.