Bericht zeigt: China investiert über 100 Milliarden Dollar in Cleantech im Ausland, um Zölle zu umgehen

Bericht zeigt: China investiert über 100 Milliarden Dollar in Cleantech im Ausland, um Zölle zu umgehen
Deepali Singh
02. Okt. 2024, 09:05 AM
  • Chinesische Unternehmen haben seit 2023 über 100 Milliarden US-Dollar in Cleantech-Projekte im Ausland investiert.
  • China dominiert den weltweiten Export von Cleantech-Produkten und liefert unter anderem 78,1 Prozent der Solarmodule und 32,5 Prozent der Elektrofahrzeuge.
  • Die USA und Kanada haben 100%ige Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge erhoben, während die EU ähnliche Maßnahmen erwägt

Einer Studie der australischen Gruppe Climate Energy Finance (CEF) zufolge haben chinesische Unternehmen seit Anfang 2023 mehr als 100 Milliarden US-Dollar in ausländische Projekte für saubere Energietechnologien investiert.

Der Anstieg der Investitionen ist auf die Notwendigkeit zurückzuführen, die von den USA und anderen Ländern erhobenen Zölle auf in China hergestellte Produkte zu bewältigen.

Als weltgrößter Produzent und Exporteur wichtiger grüner Technologien wie Solarmodulen, Lithiumbatterien und Elektrofahrzeugen ist China mit seinen Fertigungskapazitäten der weltweit größte Hersteller mit großem Abstand.

Der CEF-Bericht hebt hervor, dass China 32,5 % der weltweiten Exporte von Elektrofahrzeugen, 24,1 % der Produktion von Lithiumbatterien und 78,1 % der Herstellung von Solarmodulen dominiert.

Handelsspannungen mit großen Volkswirtschaften eskalieren

Trotz seiner Führungsrolle im Bereich der sauberen Technologien weckt Chinas wachsender Einfluss bei seinen Handelspartnern Besorgnis. So wird dem Land vorgeworfen, seine Überschussproduktion auszunutzen, um die internationalen Märkte zu überschwemmen und die Konkurrenz zu unterbieten.

Als Reaktion darauf haben die Vereinigten Staaten und Kanada 100-prozentige Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge erhoben, während die Zölle auf Solarmodule und Lithiumbatterien auf 50 bzw. 25 Prozent festgelegt sind.

Auch die Europäische Union bereitet sich darauf vor, in den kommenden Tagen über ähnliche Handelsmaßnahmen abzustimmen.

CEF-Analyst Xuyang Dong erklärte, dass chinesische Privatunternehmen ihre Auslandsinvestitionen steigern, um diese zunehmenden Handelsbarrieren abzubauen.

Dong sagte gegenüber Reuters:

So investiert etwa der Elektrofahrzeug-Riese BYD eine Milliarde Dollar in ein neues Werk in der Türkei, um geplante EU-Zölle in Höhe von fast 40 Prozent zu umgehen, während der Batteriehersteller CATL Fabriken in Deutschland, Ungarn und anderen Ländern errichtet.

Chinas Dominanz im Cleantech-Bereich weckt Befürchtungen vor einem Überangebot

Chinas Dominanz in der Cleantech-Industrie bringt auch Herausforderungen mit sich.

Eine separate Studie des britischen Grantham Institute prognostiziert, dass bis 2030 zwei Drittel der chinesischen Produktionskapazität im Bereich Cleantech den heimischen Bedarf übersteigen werden. Das Land sei dann gezwungen, zusätzliche Exportmärkte zu erschließen.

Allein die Solarstromproduktion soll 860 Gigawatt erreichen.

Dieser Kapazitätsüberschuss macht China zwar zu einem ernstzunehmenden Akteur im globalen Cleantech-Sektor, er verschärft aber auch die Handelskonflikte, insbesondere in Regionen, in denen es für einheimische Hersteller schwierig ist, mit den Billigexporten Chinas zu konkurrieren.

China kritisiert Zölle aus Klimabedenken

China reagierte auf die steigenden Zölle mit Gegenwehr und argumentierte, dass die Beschränkungen seiner Exporte die weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels bremsen würden.

Der hochrangige chinesische Klimabeauftragte Liu Zhenmin warnte im März, eine Abkopplung von Chinas Fertigungskapazitäten könne die weltweiten Kosten der Umstellung auf saubere Energie um 20 Prozent erhöhen.

Während die Welt versucht, den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen, stehen Chinas Investitionen in saubere Technologien und seine Rolle in der globalen Lieferkette weiterhin im Mittelpunkt der Gespräche.

Die anhaltenden Handelsspannungen stellen jedoch eine erhebliche Herausforderung für die Stabilität und das künftige Wachstum des internationalen Cleantech-Marktes dar.