Aktienkurs von Remy Cointreau fällt nach Nachrichten über chinesische Zölle, aber tiefere Probleme bleiben bestehen

Aktienkurs von Remy Cointreau fällt nach Nachrichten über chinesische Zölle, aber tiefere Probleme bleiben bestehen
Vatsala Gaur
08. Okt. 2024, 20:30 PM
  • Der Aktienkurs des Unternehmens ist im vergangenen Jahr um 45 % gefallen.
  • Analysten sehen langfristiges Potenzial, kurzfristig gibt es für den französischen Spirituosenhersteller jedoch weiterhin Gegenwind.
  • Eine Erholung ist sicher, der Zeitpunkt der Erholung muss jedoch noch bestimmt werden, was die Aktie kurzfristig belastet.

Die Aktie von Remy Cointreau erlitt einen starken Schlag und fiel am Dienstag um fast 8,5 %, nachdem China neue Antidumpingzölle auf europäische Brandy-Importe angekündigt hatte.

Dies ist jedoch nur eines der Probleme, mit denen der französische Alkoholhersteller zu kämpfen hat.

Größere Probleme, darunter eine schwache Nachfrage in wichtigen Märkten und ein starker Wettbewerb, haben die Performance des Unternehmens stark belastet und der Aktie im vergangenen Jahr zu schaffen gemacht.

Nachdem die Europäische Union beschlossen hatte, Zölle auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge zu erheben, verhängte China vorläufige Zölle in Höhe von 30,6 bis 39 Prozent auf europäische Brandys.

Dieser Schritt löste einen Rückgang der Aktien mehrerer europäischer Spirituosenhersteller aus, darunter Remy Cointreau, Pernod Ricard, LVMH und Diageo.

Während die meisten Unternehmen Rückgänge zwischen 1 und 4 Prozent hinnehmen mussten, erlitt Remy Cointreau den stärksten Rückgang, was die Anfälligkeit des Unternehmens gegenüber externen Zwängen verdeutlicht.

Der Aktienkurs von Remy Cointreau befindet sich seit einiger Zeit im Sinkflug.

Im Laufe des vergangenen Jahres ist der Aktienkurs um fast 45 % gefallen, wobei allein in den letzten sechs Monaten ein Rückgang von 35 % zu verzeichnen war.

Im Gegensatz dazu musste der Konkurrent Pernod Ricard weniger dramatische Verluste hinnehmen: Im vergangenen Jahr sank die Aktie um 19 Prozent und in den letzten sechs Monaten um 12 Prozent.

Sowohl UBS als auch Citi haben am Dienstag ihre Prognosen für das Unternehmen revidiert.

Citi senkte sein Kursziel von 120 auf 115 Euro und behielt die Kaufempfehlung bei, während UBS sein Ziel von 93 auf 71 Euro reduzierte und eine neutrale Haltung beibehielt.

Unterdessen bekräftigte Oddo BHF seine Einstufung „Outperform“, reduzierte das Kursziel jedoch von 95 auf 90 Euro.

Remy Cointreau-Aktie: Was sind die Gründe für ihre Schwierigkeiten?

Mehrere Faktoren tragen zu den pessimistischen Aussichten für Remy Cointreau bei.

In den USA kämpft das Unternehmen noch immer mit Bestandsanpassungen und eine deutliche Erholung der Ausverkaufstrends ist nicht in Sicht.

Die Region Asien-Pazifik (APAC), insbesondere China, hatte mit Gegenwind zu kämpfen, während in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) ein verschärfter Wettbewerb aufkam, was zu einer schwächeren Leistung führte.

Zu den größten Sorgen der Anleger zählen die schleppenden Verkäufe von Cognac sowie Likören und Spirituosen in den USA, die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in China und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit möglichen Konjunkturmaßnahmen der Regierung, deren Wirkung möglicherweise erst nach einiger Zeit eintritt.

Darüber hinaus könnten die in Frankreich geplanten Gesetzesänderungen zu einer Erhöhung der Körperschaftssteuer führen, was die Herausforderungen für die Unternehmen noch verschärfen würde.

Diese Schwierigkeiten spiegeln sich in der finanziellen Entwicklung des Unternehmens wider.

Ab dem vierten Quartal 2024 meldete Remy Cointreau einen Umsatzrückgang von 22,89 % in den letzten zwölf Monaten und einen Quartalsrückgang von 18,2 % im vierten Quartal.

Auch das Mittherbstfest in China, eine wichtige Verkaufsperiode, blieb hinter den Erwartungen zurück, was die Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt noch verschärfte.

Kann sich die Remy Cointreau-Aktie erholen?

Trotz des Gegenwinds bleibt Citi hinsichtlich der langfristigen Aussichten von Remy Cointreau optimistisch und bezeichnet die Aktie in seinem Coverage-Universum als die Aktie mit dem „größten absoluten Aufwärtspotenzial“ in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Die Bruttogewinnmargen des Unternehmens in Höhe von 71,19 % deuten darauf hin, dass es bei seinen Premiumspirituosen noch immer über eine starke Preismacht verfügt.

Auch Oddo BHF sieht Potenzial für eine Erholung des Spirituosenmarktes und weist darauf hin, dass Remy Cointreau und Diageo aufgrund ihrer Präsenz in den USA und China gut positioniert seien.

Allerdings wurde gewarnt, dass der Zeitpunkt einer solchen Erholung weiterhin ungewiss sei und die kurzfristige Entwicklung voraussichtlich unter Druck bleiben werde.

Derzeit muss Remy Cointreau große Herausforderungen meistern, darunter schwache Umsätze, externe Konkurrenz und makroökonomische Unsicherheiten. Eine spürbare Erholung dürfte sich erst zeigen, wenn sich die Marktbedingungen verbessern.