Lloyd's warnt: Geopolitischer Konflikt könnte Weltwirtschaft in fünf Jahren 14,5 Billionen Dollar kosten

Lloyd's warnt: Geopolitischer Konflikt könnte Weltwirtschaft in fünf Jahren 14,5 Billionen Dollar kosten
Vatsala Gaur
09. Okt. 2024, 12:50 PM
  • Über 80 % der weltweiten Güter werden auf dem Seeweg transportiert, was die Handelsrouten anfällig für Störungen macht.
  • Europa könnte aufgrund der Abhängigkeit von der Lieferkette, insbesondere im Halbleiterbereich, 3,4 Billionen US-Dollar verlieren.
  • Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die Fragilität der globalen Handelsrouten deutlich gemacht.

Laut einem hypothetischen Szenario von Lloyd’s of London könnten der Weltwirtschaft aufgrund eines möglichen geopolitischen Konflikts, der die Lieferketten unterbricht, innerhalb von fünf Jahren Verluste in Höhe von 14,5 Billionen Dollar entstehen.

Der Versicherungs- und Rückversicherungsmarkt hat die schwerwiegenden wirtschaftlichen Risiken hervorgehoben, die derartige Konflikte insbesondere für Branchen bergen, die auf internationale Handelsrouten angewiesen sind.

Große Störungen auf Handelsrouten gehören zu den größten globalen Risiken

Lloyd's Szenario geht davon aus, dass die Schließung wichtiger Handelsrouten aufgrund eines geopolitischen Konflikts eines der größten Risiken für die globale wirtschaftliche Stabilität darstellt.

Derzeit werden über 80 % der weltweiten Im- und Exporte – rund 11 Milliarden Tonnen Güter – über den Seeweg transportiert.

Das hypothetische Konfliktszenario zeigt, dass die Blockade wichtiger Schifffahrtswege die globalen Lieferketten durcheinanderbringen und weitreichenden wirtschaftlichen Schaden verursachen könnte.

Schwere Schäden an der Infrastruktur in Konfliktregionen, die Durchsetzung von Sanktionen und die Gefährdung von Schifffahrtslinien würden eine kostspielige Neuausrichtung der globalen Handelsnetzwerke erforderlich machen.

Dies hätte weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen weltweit, insbesondere auf jene, die stark von internationalen Lieferketten abhängig sind.

Europa könnte im Falle eines Konflikts 3,4 Billionen Dollar verlieren

Die wirtschaftlichen Verluste würden je nach Region unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie stark sie vom internationalen Handel abhängig sind und in den Konflikt verwickelt sind.

Europa beispielsweise könnte aufgrund seiner starken Abhängigkeit von Industriegütern wie Halbleitern innerhalb von fünf Jahren bis zu 3,4 Billionen Dollar verlieren.

Das Szenario unterstreicht die Anfälligkeit von Branchen, die an globale Lieferketten eingebunden sind und wo Verzögerungen oder Verluste zu erheblichen finanziellen Rückschlägen führen könnten.

Zwar haben die Konflikte im 21. Jahrhundert noch nicht das Ausmaß katastrophaler Störungen des globalen Handels erreicht, doch warnt Lloyd’s, dass anhaltende Stabilität nicht garantiert sei.

Klimawandel, politischer Extremismus, Cyberangriffe und neue Bürgerkriege erhöhen den Druck auf die globalen Ressourcen und Handelsnetzwerke.

Lehren aus dem Russland-Ukraine-Konflikt

Der Bericht von Lloyd’s zieht Parallelen zu den Störungen, die durch die Invasion Russlands in der Ukraine verursacht wurden und die die Fragilität der globalen Handelsrouten deutlich machten.

Der Krieg beeinträchtigte die Produktion wichtiger Rohstoffe wie Weizen und Sonnenblumenöl erheblich. Auf Russland und die Ukraine entfielen zuvor 30 bzw. 55 Prozent der weltweiten Exporte.

Dies führte zu großflächigen Störungen der Nahrungsmittelversorgung, insbesondere in Ländern, die stark von diesen Rohstoffen abhängig sind, wie etwa im Nahen Osten und in Afrika.

Darüber hinaus führten die als Reaktion auf die Invasion gegen Russland verhängten Sanktionen zu erheblichen Veränderungen der weltweiten Energieversorgung. Viele Länder mussten Notfallmaßnahmen ergreifen, um die daraus resultierende Energiekrise zu bewältigen.

Der Konflikt hat deutlich gemacht, dass der internationale Handel und die Lieferketten durch geopolitische Spannungen leicht beeinträchtigt werden können. Dies hat die Bedeutung der Stärkung der Widerstandsfähigkeit globaler Handelsnetzwerke hervorgehoben.