Nestlé: Umsatzeinbußen durch Boykotts mit Israel-Bezug

Nestlé: Umsatzeinbußen durch Boykotts mit Israel-Bezug
Vatsala Gaur
17. Okt. 2024, 13:34 PM
  • Boykottschäden an Nestlé-Umsätzen aufgrund von Verbindungen zum israelischen Konzern Osem führen zu Umsatzeinbußen.
  • Zur Überraschung der Analysten verlangsamte sich das reale interne Wachstum im dritten Quartal.
  • CEO skizziert Pläne zur Umstrukturierung der Führung.

Der Schweizer Konzern Nestlé, der für Marken wie Nescafé und KitKat bekannt ist, hat in diesem Jahr einen Umsatzrückgang gemeldet, der vor allem auf Boykotte im Zusammenhang mit seiner Verbindung zu Israel zurückzuführen ist.

Das Unternehmen ist aufgrund seiner Eigentümerschaft am israelischen Lebensmittelgiganten Osem, den es 2016 übernahm, zum Ziel der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung (BDS) geworden.

Boykotte beeinträchtigen das Umsatzwachstum

In einem Handelsupdate vom Donnerstag gab Nestlé bekannt, dass die durch geopolitische Spannungen bedingte Zurückhaltung der Verbraucher gegenüber globalen Marken das interne Realwachstum (RIG) des Unternehmens verlangsamt habe – ein wichtiger Indikator für das Umsatzwachstum ohne Berücksichtigung von Preiserhöhungen.

Das RIG von Nestlé sank von 2,2 % im zweiten Quartal 2024 auf 1,3 % im dritten Quartal.

Dieser Rückgang überraschte die Analysten, da viele mit einer Beschleunigung des Wachstums gerechnet hatten.

Die Deutsche Bank wies darauf hin, dass der Konjunkturabschwung die Auswirkungen der Verbraucherboykotte widerspiegele, insbesondere da Nestlé wegen seiner Verbindungen zu Israel unter Druck der BDS-Bewegung stehe.

Osem, einer der größten Lebensmittelkonzerne Israels, hat Nestlé zum Hauptziel von Aktivisten gemacht, die gegen die Geschäftsbeziehungen des Konzerns in der Region protestieren.

CEO skizziert Führungsänderungen

Laurent Freixe, der neue Vorstandsvorsitzende von Nestlé, kündigte außerdem Pläne für eine umfassende Umstrukturierung der Führung an, um die Effizienz zu steigern und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen.

Laurent Freixe übernahm die Rolle des CEO nach der achtjährigen Amtszeit von Mark Schneider, in der die Nestlé-Aktie hinter dem breiteren europäischen Markt zurückblieb und nur um 20 Prozent zulegte, während der Stoxx 600 Index um über 40 Prozent zulegte.

Durch die Umstrukturierung soll die Geschäftsführung verschlankt werden, was dem Unternehmen laut Freixe ermöglichen wird, schneller auf Herausforderungen und Chancen des Marktes zu reagieren.

Nestlé war schon früher mit Verbraucherboykotten konfrontiert, insbesondere in den 1970er Jahren aufgrund der umstrittenen Vermarktung von Säuglingsmilchpulver in Entwicklungsländern.

Diese jüngste Herausforderung ergibt sich aus einer Zeit, in der das Unternehmen angesichts geopolitischer Spannungen um die Aufrechterhaltung seines Wachstums kämpft.

Nestlé senkt Prognose nach verfehltem dritten Quartal

Nestlé meldete für die ersten neun Monate des Jahres 2024 einen Umsatzrückgang von 2,5 % im Vergleich zum Vorjahr auf 67,1 Milliarden Schweizer Franken (77,6 Milliarden US-Dollar).

Besonders deutlich war der Rückgang des internen Realwachstums in Nordamerika, dem größten Markt des Unternehmens, wo die gemeldeten Umsätze um 2,6 Prozent sanken.

Nestlé erwartet nun einen leichten Rückgang seiner operativen Gewinnmargen für das Gesamtjahr auf 17 %, gegenüber 17,3 % im Jahr 2023.

Obwohl die Aktien des Unternehmens im Jahr 2024 12 % ihres Wertes verloren haben, verzeichneten sie am Donnerstag nach der Handelsaktualisierung einen Anstieg von 2 %.

Analysten bei Jefferies wiesen darauf hin, dass das jüngste Update „sogar deutlich unter den revidierten Erwartungen“ liege, und warnten, dass die enttäuschende Leistung wahrscheinlich zu weiteren Konsens-Gewinnkürzungen von 3 bis 4 Prozent für das gesamte Geschäftsjahr führen werde.