IWF senkt Wachstumsprognose für China auf 4,8% und warnt: Rückgang im Immobiliensektor könnte globale Wirtschaftsstabilität gefährden

IWF senkt Wachstumsprognose für China auf 4,8% und warnt: Rückgang im Immobiliensektor könnte globale Wirtschaftsstabilität gefährden
Diya Poddar
23. Okt. 2024, 08:15 AM
  • Der IWF zieht Vergleiche zu früheren Immobilienkrisen in Japan und den USA.
  • Die jüngsten politischen Maßnahmen Chinas haben die Wachstumsaussichten noch nicht verändert.
  • Chinas Wachstum im dritten Quartal betrug 4,6 % und lag damit leicht über den Markterwartungen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für China nach oben korrigiert und seine Prognose für 2024 auf 4,8% gesenkt. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als in der Schätzung vom Juli.

Diese Anpassung erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Herausforderungen auf dem chinesischen Immobilienmarkt, wobei der IWF vor einer möglichen weiteren Verschlechterung warnt.

Der Bericht der Agentur betonte, dass der Rückgang im Immobiliensektor die globale wirtschaftliche Stabilität beeinträchtigen könne, und verwies auf die Risiken eines Rückgangs des Verbrauchervertrauens und einer geringeren Binnennachfrage, sollte die Situation anhalten.

Auch die Prognose für 2025 geht von einem Rückgang aus: Das Wachstum dürfte 4,5 Prozent betragen.

Einbruch auf dem chinesischen Immobilienmarkt

Der IWF betonte die Herausforderungen, die der chinesische Immobilienmarkt mit sich bringt, und stellte fest, dass anhaltende Preiskorrekturen und verringerte Investitionen eine erhebliche Bedrohung für die globale Wirtschaftslandschaft darstellen könnten.

Historische Parallelen wie die Immobilienkrise in Japan in den 1990er Jahren und der Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes im Jahr 2008 unterstreichen die Risiken eines ungebremsten Abschwungs im chinesischen Immobiliensektor.

Laut IWF könnte eine Verschärfung der Krise zu einem Rückgang des privaten Konsums und einer geringeren allgemeinen Wirtschaftstätigkeit führen.

Jüngste Wachstumsprognosen des IWF für China

In seinem jüngsten Bericht korrigierte der IWF seine Wachstumsprognose für China in diesem Jahr von 5,0 % in seiner vorherigen Schätzung auf 4,8 % nach unten.

Auch für 2025 wurde die Wachstumsprognose auf 4,5% gesenkt.

Die in Washington ansässige Institution betonte, dass die jüngsten Maßnahmen der chinesischen Behörden zwar eine gewisse Unterstützung darstellen könnten, die grundlegenden Probleme des Immobilienmarktes damit jedoch noch nicht vollständig gelöst seien.

China hat mehrere Initiativen eingeführt, um dem nachlassenden Wirtschaftswachstum und der Flaute im Immobiliensektor entgegenzuwirken.

Im September senkte die Chinesische Volksbank den Mindestreservesatz mit dem Ziel, der Wirtschaft Liquidität zuzuführen.

Kurz darauf kündigte die chinesische Führung Pläne an, den Rückgang am Immobilienmarkt zu stoppen und die Erholung anzukurbeln.

Auch Großstädte wie Guangzhou und Shanghai haben Maßnahmen zur Förderung des Eigenheimkaufs ergriffen.

Chinas Finanzminister Lan Fo'an deutete an, dass das Land seinen Schuldenstand erhöhen könnte, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

Er deutete politische Anpassungen an, die zu einer Erhöhung des Staatsdefizits führen könnten, was eine aggressivere Unterstützung ermöglichen würde.

Das Wohnungsbauministerium hat seine „Whitelist“ von Immobilienprojekten erweitert, um die Kreditvergabe der Banken für noch nicht abgeschlossene Bauvorhaben zu beschleunigen.

Diese Maßnahmen zielen zwar auf eine Stabilisierung des Immobilienmarktes ab, bergen aber auch das Risiko einer Belastung der öffentlichen Finanzen.

„In die richtige Richtung gehen“

Der IWF hat einige dieser Maßnahmen in seine jüngsten Prognosen aufgenommen, bleibt jedoch hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen vorsichtig.

Pierre-Olivier Gourinchas, Chefökonom des IWF, stellte fest, dass Chinas Bemühungen zur Förderung des Wachstums zwar „in die richtige Richtung gehen“, die Wachstumskurve jedoch nicht wesentlich verändert hätten.

Die jüngsten Maßnahmen, deren vollständige Bewertung noch aussteht, könnten Aufwärtsrisiken für die chinesische Wirtschaftsleistung mit sich bringen.

Allerdings zeigten die Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal ein Wachstum von 4,6 Prozent und lagen damit leicht über den Markterwartungen, was auf gemischte Aussichten schließen lässt.

Der IWF-Bericht warnt zudem, dass zusätzliche staatliche Eingriffe die Haushaltslage Chinas noch weiter belasten könnten.

Bemühungen, die Exporte durch gezielte Subventionen anzukurbeln, könnten die Beziehungen zu wichtigen Handelspartnern belasten und möglicherweise zu einer Eskalation der Handelsspannungen führen.

Der Bericht unterstreicht, dass China ein empfindliches Gleichgewicht zwischen der Stabilisierung seiner Wirtschaft und der Aufrechterhaltung internationaler Handelsbeziehungen finden muss.