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Harris‘ Sieg könnte den Yen stärken, während Trumps Sieg ihn abwerten könnte. Lesen Sie, warum

Harris‘ Sieg könnte den Yen stärken, während Trumps Sieg ihn abwerten könnte. Lesen Sie, warum
Vatsala Gaur
05. Nov. 2024, 07:41 AM
  • Harris‘ Sieg könnte den Yen stützen; Trumps Sieg könnte japanische Aktien stärken.
  • Japans Wirtschaft könnte einen schweren Schlag erleiden, wenn die US-Regierung unter Trump zusätzliche Zölle auf japanische Waren erhebt.
  • Ein verzögertes oder umstrittenes Wahlergebnis könnte die Volatilität im Yen-Dollar-Handel weiter steigern.

Mit Blick auf die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen beobachten die japanischen Märkte aufmerksam die möglichen Auswirkungen auf den Yen und die Tokioter Börse.

Einem Bloomberg-Bericht zufolge gehen Analysten davon aus, dass ein Sieg von Kamala Harris den Yen stärken könnte, während ein Sieg von Donald Trump zwar japanische Aktien stützen, aber zu einer weiteren Abwertung des Yen führen könnte.

Aufgrund des Risikos eines umstrittenen Wahlergebnisses bereiten sich die japanischen Märkte jedoch auf turbulente Zeiten vor. In allen wichtigen Anlageklassen dürfte es zu erhöhter Volatilität kommen.

Harris-Sieg stützt Yen und mindert Druck auf Importe

Sollte Kamala Harris gewinnen, wird von ihr erwartet, dass sie die Kontinuität in der US-Wirtschaftspolitik beibehält, indem sie den Schwerpunkt auf eine schrittweise Senkung der Inflation und die Förderung eines stabilen wirtschaftlichen Umfelds legt.

Ein solches Szenario könnte die US-Notenbank zu einer Zinssenkung veranlassen. Dies könnte die Renditelücke zwischen Japan und den USA verringern und in der Folge den Yen stützen.

Analysten gehen davon aus, dass der Yen unter Harris‘ Führung an Wert gewinnen könnte. Yujiro Goto, Leiter der Devisenstrategie bei Nomura Securities Co., erklärte in dem Bloomberg-Bericht: „Der Markt wird mit niedrigeren Renditen und einem schwächeren Dollar reagieren, und das Dollar-Yen-Paar wird wahrscheinlich die 150-Marke testen.“

Diese Aufwertung würde Japans Importkosten senken und möglicherweise den Inflationsdruck auf wichtige Güter verringern.

Am Dienstag zeigte sich der Yen etwas widerstandsfähiger und konnte einen Teil seiner früheren Verluste wettmachen, als der Dollar-Yen-Wechselkurs um 0,2 Prozent auf 152,47 stieg.

Zu dieser Verschiebung kam es, als die Anleger ihre Erwartungen hinsichtlich eines Siegs der Republikaner anpassten.

Japanische Aktien erlebten unterdessen eine vorsichtige Erholung, wobei der breite Topix-Index nach einem vorherigen Rückgang um 0,8 Prozent stieg. Allerdings wartet der Markt weiterhin gespannt auf den Ausgang der Wahl.

Trumps Wahlsieg könnte Aktienkurse kurzfristig ankurbeln, den Yen-Verfall jedoch verstärken

Sollte Donald Trump hingegen die Wahl gewinnen, könnten seine Steuersenkungs- und Deregulierungspolitik die US-Wirtschaft ankurbeln, die Nachfrage nach Dollar steigern und sich positiv auf japanische Exporteure auswirken, die auf einen robusten amerikanischen Markt angewiesen sind.

In diesem Szenario könnte der Dollar-Yen-Kurs weiter steigen. Goto meint, dass „bei einem roten Trend das Dollar-Yen-Paar einen Anstieg über 155 testen könnte.“

Eine derartige Bewegung könnte den Yen gefährlich nahe an seinen im Juli erreichten 38-Jahres-Tiefstand bringen und die Sorgen über Japans Importkosten verstärken.

Für japanische Aktien könnte Trumps Rückkehr zu ersten Kursgewinnen führen, insbesondere bei exportorientierten Unternehmen.

Masahiko Loo, leitender Stratege bei State Street Global Advisors, weist darauf hin, dass „die erste Reaktion ein stärkerer Dollar und höhere Aktienkurse sein werden.“

Loo warnt jedoch, dass etwaige Vorteile nur von kurzer Dauer sein könnten, insbesondere wenn Trump seine Haltung zur Einführung von Zöllen auf ausländische Waren wieder aufleben lässt. Ein solcher Schritt würde vermutlich japanischen Herstellern schaden, die von der amerikanischen Nachfrage abhängig sind.

Zolldrohung bedroht Japans Exporte und Wirtschaft insgesamt

Eines der größten Risiken eines Wahlsieges Trumps wäre die mögliche Einführung neuer Zölle für seine wichtigsten Handelspartner.

Sollte die US-Regierung zusätzliche Zölle auf japanische Waren erheben, könnte dies Japans Wirtschaft schaden.

Trump hat vorgeschlagen, auf alle Importe Zölle von zehn bis zwanzig Prozent zu erheben, was Japans exportstarke Branchen, darunter die Automobil-, Maschinenbau- und Elektronikindustrie, erheblich treffen würde.

Ein solcher Schritt wäre eine Erinnerung an das Jahr 2018, als die Handelsspannungen zwischen den USA und China aufgrund von Trumps Zöllen auf chinesische Waren eskalierten.

Chisa Kobayashi, Japan-Aktienstratege bei UBS SuMi TRUST Wealth Management, warnt: „Als Trump 2018 Zölle auf China verhängte, gerieten alle japanischen Aktien unter Druck, unabhängig von ihrem Engagement in China.“

Sollten andere Länder im Gegenzug Zölle erheben, könnte dies auf Japans Exportmarkt nachhaltige Einbußen zur Folge haben und das Wirtschaftswachstum insgesamt verlangsamen.

Märkte bereiten sich auf mögliche Wahlverschiebungen und Preisschwankungen vor

Eine letzte Komplexitätsebene entsteht durch das Risiko einer Verzögerung oder Anfechtung des Wahlergebnisses in den USA.

Da Harris und Trump in den Umfragen eng beieinanderliegen, könnte die Unsicherheit zu kurzfristigen Marktstörungen führen.

Analysten erwarten eine Phase hoher Volatilität, da japanische Investoren und Händler auf die Entwicklungen bei den Wahlen reagieren.

Besonders volatil könnte das japanische Währungspaar Dollar/Yen sein, das während der asiatischen Handelszeiten stark gehandelt wird.

Jüngsten Handelsdaten zufolge ist die implizite Volatilität des Dollars gegenüber dem Yen auf Wochenbasis stark angestiegen und hat angesichts verstärkter Spekulationen über Zinsänderungen der Bank von Japan ein Niveau erreicht, das zuletzt im August verzeichnet wurde.

In einem solchen Szenario könnten die japanischen Behörden bei einem raschen Anstieg des Dollar-Yen-Kurses eine verbale Intervention in Erwägung ziehen – eine Maßnahme zur Beruhigung der Märkte.

Unterdessen könnte es bei den japanischen Aktien auch zu Schwankungen kommen, die von den jüngsten Veränderungen in der japanischen Innenpolitik beeinflusst werden. Dort hat der Verlust der Mehrheit der Regierungskoalition im Unterhaus für weitere Volatilität gesorgt.