Britische Inflation steigt im Oktober auf 2,3% und übertrifft Ziel der Bank of England

Britische Inflation steigt im Oktober auf 2,3% und übertrifft Ziel der Bank of England
Diya Poddar
20. Nov. 2024, 14:19 PM
  • Die Kerninflation stieg aufgrund höherer Energie- und Dienstleistungskosten auf 3,3 Prozent.
  • Die Bank of England könnte den Zinssatz bei ihrer Dezembersitzung bei 5,25 Prozent belassen.
  • Das Pfund reagierte verhalten auf die Daten und notierte gegenüber dem US-Dollar 0,1 Prozent höher bei 1,2692 Dollar.

Nach Angaben des Office for National Statistics (ONS) stieg die Inflationsrate in Großbritannien im Oktober auf 2,3 Prozent, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 1,7 Prozent im September darstellt.

Diese Zahl übertraf die von Volkswirten prognostizierte Inflation von 2,2%, womit die Inflation wieder über das Ziel der Bank of England von 2% stieg.

Der unerwartete Anstieg erschwert die Erwartungen einer weiteren Zinssenkung im Dezember, nachdem die Bank vor kurzem beschlossen hatte, den Zinssatz um 25 Basispunkte zu senken.

Dieser Anstieg der Inflation spiegelt den zunehmenden Druck innerhalb der britischen Wirtschaft wider, der durch steigende Energiepreise und anhaltende Störungen im globalen Handel beeinflusst wird.

Es unterstreicht zudem die Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Fiskal- und Geldpolitik herzustellen, während die Labour-Regierung ihre Wirtschaftsstrategie für die Zeit nach den Wahlen ausarbeitet.

Energiepreise treiben die Inflation in Großbritannien

Der Inflationsschub im Oktober war teilweise auf eine Erhöhung der vom Regulierer festgelegten Obergrenze für Energiepreise zurückzuführen, die zu Beginn des Monats in Kraft trat.

Diese Deckelung, die die Verbraucher vor extremen Preiserhöhungen schützen soll, hat zu höheren Energiekosten zu Beginn des Winters geführt.

Angesichts der Saisonalität des Energieverbrauchs prognostizieren Analysten für die kommenden Monate weiteren Preisdruck.

Die Kerninflation, die volatile Komponenten wie Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, stieg im Oktober ebenfalls von 3,2% im September auf 3,3%.

Dieser Aufwärtstrend deutet auf einen breiteren Preisdruck in der gesamten Wirtschaft hin, insbesondere im Dienstleistungssektor.

Die Inflation bei den Dienstleistungspreisen stieg leicht auf 5,0 %, den niedrigsten Wert seit über zwei Jahren, stellt jedoch noch immer einen wichtigen Faktor für die allgemeine Inflationsentwicklung dar.

Inflation in Großbritannien: Auswirkungen auf die Geldpolitik

Die Inflationsdaten werden bei der bevorstehenden Zinsentscheidung der Bank of England am 19. Dezember eine entscheidende Rolle spielen, insbesondere wenn die Märkte ihre Erwartungen anpassen. Ein weiterer Inflationsbericht, der nächsten Monat erwartet wird, wird wahrscheinlich die Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger beeinflussen.

Derzeit schätzen die Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung in diesem Jahr lediglich auf 14 Prozent, was auf eine wachsende Unsicherheit über den Kurs der Notenbank schließen lässt.

Das Pfund reagierte verhalten auf die Daten und notierte um 0,1 Prozent höher gegenüber dem US-Dollar bei 1,2692 USD und um 0,4 Prozent im Plus gegenüber dem Euro bei 1,20 € (Stand 8:03 Uhr Londoner Zeit).

Unterdessen stiegen die Renditen britischer 10-jähriger Staatsanleihen auf 4,491 %, was die steigenden Kreditkosten angesichts des Inflationsdrucks widerspiegelt.

Haushaltsstrategie der Regierung auf dem Prüfstand

Die Inflationsprobleme gehen mit politischem Gegenwind für die Labour-Regierung einher, die seit ihrem Sieg bei den Wahlen im Juli wegen ihrer Wirtschaftsführung in der Kritik steht.

Finanzministerin Rachel Reeves stellte am 30. Oktober ihren Herbsthaushalt vor. Er sieht Steuererhöhungen in Höhe von 40 Milliarden Pfund vor, um das Haushaltsdefizit abzubauen und gleichzeitig die Schuldenregeln zu lockern, um weitere öffentliche Ausgaben zu ermöglichen.

Kommentatoren, darunter das Office for Budget Responsibility (OBR), warnen, dass diese Maßnahmen die Inflation vorübergehend ankurbeln könnten, auch wenn sie eigentlich auf eine Stabilisierung des Wachstums abzielen.

Globale Faktoren wie drohende US-Handelszölle unter der Regierung von Präsident Donald Trump könnten die Inflationsrisiken bis 2025 verstärken.

Abwägung zwischen Inflationsrisiken und Wachstumsaussichten

Unter Wirtschaftsexperten besteht weiterhin Uneinigkeit darüber, ob es sich bei dem Inflationsanstieg im Oktober um eine kurzfristige Schwankung oder einen anhaltenderen Trend handelt.

Hindernisse wie Handelsstörungen, eine angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt sowie schwankende Lebensmittel- und Energiepreise könnten den Inflationsdruck bis weit in das Jahr 2025 hinein aufrechterhalten.

Angesichts dieser Unsicherheiten dürfte die Bank of England bei ihren geldpolitischen Entscheidungen auf Vorsicht setzen.

Die Kombination aus inländischen Haushaltsproblemen und globaler Wirtschaftsdynamik führt dazu, dass sich Großbritannien auf einem prekären Weg befindet.

Zwar unterstreicht die steigende Inflation die robuste Nachfrage in einigen Sektoren, doch erschwert sie zugleich die Bemühungen, den Lebenshaltungskostendruck sowohl für Haushalte als auch für Unternehmen zu verringern.