Steht Russlands Kriegsökonomie vor dem Kollaps?

Steht Russlands Kriegsökonomie vor dem Kollaps?
Dionysis Partsinevelos
05. Dez. 2024, 10:25 AM
  • Der russische Rubel schwächelt, die Inflation steigt rasant und die schrumpfende Erwerbsbevölkerung bedroht die wirtschaftliche Stabilität.
  • Militärausgaben fördern kurzfristiges Wachstum, belasten jedoch Schlüsselsektoren wie das Gesundheits- und Bildungswesen.
  • Der Bevölkerungsrückgang und die regionalen Ungleichheiten führen zu tieferen sozialen und wirtschaftlichen Brüchen.

Russlands Kriegsökonomie ist seit langem ein Paradoxon.

Über zwei Jahre lang musste das Land schwere westliche Sanktion, kostspielige Kriegsanstrgung und internationale Isolation ertrag.

Oberflächlich betrachtet erscheint die Wirtschaft robust und ihre Wachstumszahl übertreff die Erwartung der Ökonom.

Doch hinter d Schlagzeil vertief sich die Risse. Die Inflation steigt rasant, der Rubelkurs ist abgestürzt und der Arbeitsmarkt stößt an seine Grz.

Kann diese Wirtschaftsmaschine weiterlauf oder ist sie zum Niedergang verurteilt?

Russischer Rubel: eine Währung im Sinkflug

Eines der deutlichst Anzeich für wirtschaftliche Probleme ist der Absturz des Rubel. Vor kurzem lag der Kurs bei 108 Dollar, dem niedrigst Wert seit d erst Tag des Ukraine-Kriegs.

Auslöser des Rubel-Verfalls war neue US-Sanktion geg die Gazprombank, eine der letzt verblieb Verbindung Russlands zu d westlich Finanzmärkt.

Jahrelang hat die Gazprombank Zahlung für Energieexporte abgewickelt, eine wichtige Devisquelle.

Die Sanktion hab d Handel gestört und bei Händlern und Unternehm Ängste ausgelöst.

Als Reaktion darauf stoppte die russische Ztralbank ihre Deviskäufe, um d Rubel zu stabilisier. Diese Intervtion brachte zwar vorübergehd Erleichterung, die zugrunde liegd Probleme sind jedoch weiterhin ungelöst.

Da Russland nur begrzt Zugang zu Dollar und Euro hat, ist es zunehmd auf alternative Währung wie d chinesisch Yuan oder die indische Rupie angewies.

Diese „freundlich Währung“ helf zwar, könn die Rolle des Dollars im Welthandel jedoch nicht vollständig ersetz. Die Volatilität des Rubel ist mittlerweile ein Barometer für die Fragilität der Wirtschaft.

Inflation: die versteckte Steuer für Russ

Die Inflation mindert in ganz Russland die Kaufkraft.

Offiziell steig die Verbraucherpreise um 9,5 Prozt, doch unabhängige Schätzung geh davon aus, dass die tatsächliche Rate viel höher ist.

Bei Gütern des täglich Bedarfs ist die Wahrheit klar: Die Preise für Kartoffeln sind in diesem Jahr um 74 % gestieg, die für Butter um 25 %.

Dies sind nicht nur Wirtschaftsstatistik, sondern für russische Haushalte Alltag. Supermärkte hab begonn, Butter wegzusperr, um Diebstahl zu verhindern – ein krasses Symbol der wachsd Verzweiflung.

Das Inflationsproblem hat mehrere Ursach. Die Kriegsausgab hab Geld in die Wirtschaft gepumpt und so eine übermäßige Nachfrage geschaff.

Gleichzeitig führt die Sanktion zu Unterbrechung der Lieferkett und verteuert Importe.

Um die Inflation zu bekämpf, erhöhte die Ztralbank d Leitzins auf 21 Prozt, was jedoch kaum zur Abkühlung der Preise beitrug.

Höhere Zinssätze schad d Unternehm zudem, indem sie die Kreditkost erhöh und so die Wirtschaft zusätzlich belast.

Militärausgab sind für Russland ein zweischneidiges Schwert

Die Militärausgab Russlands sind Rettungsanker und Belastung zugleich.

Im Jahr 2025 dürft die Verteidigungsausgab die Marke von 6 Prozt des BIP übersteig und 145 Milliard Dollar erreich – d höchst Stand seit dem Kalt Krieg.

Diese Ausgab halt die Wirtschaft über Wasser, indem sie Arbeitsplätze schaff und die Nachfrage ankurbeln.

In d Fabrik wird rund um die Uhr Waff produziert und die Soldat erhalt großzügige Gehaltspakete.

In einig Region hab diese Zahlung die lokale Wirtschaft verändert. In Burjati, einer der ärmst Region Russlands, werd beispielsweise mit Militäreinnahm neue Wohnung und Unternehm finanziert.

Doch dieser wirtschaftliche Aufschwung hat sein Preis. Die Militärausgab verdräng andere Priorität wie das Gesundheitswes und die Bildung.

Zudem heizt es die Inflation an, indem es noch mehr Geld in eine bereits überhitzte Wirtschaft pumpt. Analyst warn, dass dieses Ausgabniveau nicht tragbar sei.

Die Regierung hat ihre Rücklag bereits weitgehd aufgebraucht und erhöht die Steuern, um Haushaltsdefizite auszugleich. Diese Maßnahm mög Zeit gewinn, aber sie werd die zugrunde liegd Probleme nicht lös.

Ein leerer Arbeitsmarkt

Der russische Arbeitsmarkt steht unter ormem Druck. Die Arbeitslosigkeit liegt auf einem Rekordtief von 2,3 Prozt. Doch das ist kein Zeich für eine florierde Wirtschaft, sondern für ein gravierd Mangel an Arbeitskräft.

Hunderttausde Arbeiter wurd im Krieg eingezog oder getötet, viele andere sind aus dem Land gefloh.

Die Regierung versucht, Ersatzkräfte zu rekrutier, indem sie großzügige Anreize bietet, darunter Antrittsprämi von bis zu 25.000 Dollar. Dnoch hab Unternehm im ganz Land Mühe, Arbeitskräfte zu find.

Dieser Mangel treibt die Löhne in die Höhe. Im nächst Jahr dürft sie um 20 Prozt steig. Dies kommt d Arbeitnehmern zwar kurzfristig zugute, verschärft jedoch die Inflation und erhöht die Kost für die Unternehm.

Viele Unternehm, insbesondere im zivil Sektor, sind von der Insolvz bedroht. In der Landwirtschaft und im Transportsektor ist es beispielsweise bereits zu Schrumpfung gekomm.

Je länger sich der Krieg hinzieht, desto schwieriger wird es, dieses fragile Gleichgewicht aufrechtzuerhalt.

Ein paralleler Bürgerkrieg?

Der Krieg in der Ukraine hat in Russland eine demografische Krise ausgelöst und ein bereits begonn Niedergang beschleunigt.

Die Geburtrate ist auf d niedrigst Stand seit d 1990er Jahr gesunk. Im Juni 2024 wurd wiger als 100.000 Geburt registriert – die niedrigste monatliche Zahl in der russisch Geschichte.

Der Krieg hat der Bevölkerung inzwisch ein hoh Tribut abverlangt. Über 200.000 Soldat wurd getötet und weitere 500.000 verletzt. Mindests 650.000 junge Männer sind aus dem Land gefloh, was die Arbeitskräfte weiter dezimiert.

Die demografisch Auswirkung werd durch die zunehmde regionale Ungleichheit noch verstärkt.

Ärmere Region wie Burjati und Belgorod, wo viele Männer eingezog oder getötet wurd, hab die Auswirkung des Krieges überproportional zu spür bekomm. Diese Gebiete hab durch Militärausgab kurzfristige wirtschaftliche Aufschwünge erlebt, da die Einkomm aufgrund von Rekrutierungsanreiz steig.

Wohlhabdere Städte wie Moskau und St. Petersburg hingeg sind zwar vor Massopfern verschont geblieb, leid aber unter der wirtschaftlich Belastung durch Sanktion und einem eingeschränkt Zugang zu westlich Gütern. Diese Ungleichheit gefährd d sozial Zusammhalt des Landes.

Auch die sozial Spannung nehm zu. Viele Russ steh dem Krieg ambivalt gegüber; weder unterstütz sie ihn uneingeschränkt, noch lehn sie ihn off ab. Öfftlicher Widerspruch ist unter staatlicher Kontrolle selt, doch im Privat brodelt der Frust.

Im weiter Verlauf des Krieges besteht die Gefahr, dass sich diese demografisch und sozial Brüche weiter vertief und zu einem intern Kampf führ, der parallel zum extern Konflikt verläuft.

Anpassung oder Niedergang?

Russlands Kriegswirtschaft hat unter Druck eine bemerkswerte Anpassungsfähigkeit bewies. Unternehm hab Umgehungsmaßnahm geg die Sanktion twickelt, indem sie Kryptowährung, Tauschhandel und d Handel mit alternativ Währung nutz.

Die Militärausgab sorgt für ein kurzfristig Konjunkturaufschwung und in d ärmer Region verbesserte sich der Lebsstandard.

Doch diese Anpassungsfähigkeit hat Grz. Die Wirtschaft wird immer abhängiger von kriegsrelevant Industri, währd andere Sektor stagnier.

Die Abschottung von d global Märkt hemmt Innovation und verringert die Produktivität. Analyst warn, dass die derzeitige Entwicklung nicht nachhaltig ist. Anhaltde Inflation, Bevölkerungsrückgang und Arbeitskräftemangel schaff ein perfekt Sturm an Herausforderung.

Ein schmaler Weg nach vorne

Russlands Kriegsökonomie steht zwar nicht vor einem Zusammbruch, doch es handelt sich um eine Gratwanderung.

Die Regierung steht vor schwierig Entscheidung: Entweder die hoh Militärausgab weiterführ und damit eine galoppierde Inflation riskier oder die Ausgab zurückfahr und die wirtschaftlich Folg in Kauf nehm.

Beide Wege berg erhebliche Risik. Die Frage ist nicht, ob Russlands Wirtschaft kurzfristig überleb kann, sondern wie lange sie dieses empfindliche Gleichgewicht aufrechterhalt kann. Ohne sinnvolle Reform werd die Risse im System nur noch größer werd.