Warum will der aktivistische Investor Ancora Holdings, dass US Steel die Fusion mit Nippon aufgibt?

Warum will der aktivistische Investor Ancora Holdings, dass US Steel die Fusion mit Nippon aufgibt?
Sayantan Sarkar
27. Jan. 2025, 09:01 AM
  • Der Investor Ancora Holdings hat eine Beteiligung an US Steel erworben und drängt den Stahlhersteller, die Fusion mit Nippon aufzugeben.
  • Ancora hat neun Kandidaten für den 12-köpfigen Vorstand des Unternehmens nominiert.
  • Präsident Donald Trump hat sich gegen die Übernahme von US Steel durch Nippon Steel ausgesprochen und dabei auf Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit verwiesen.

Der aktivistische Investor Ancora Holdings hat laut einem Bericht des Wall Street Journal eine Beteiligung an US Steel erworben und fordert den Stahlhersteller auf, seine Fusionsvereinbarung mit dem japanischen Stahlkonzern Nippon Steel aufzugeben.

Ancora beabsichtigt, die Aktionäre dazu zu bewegen, den CEO von US Steel, David Burritt, abzusetzen, heißt es in dem Bericht. Der Anteil des aktivistischen Investors an US Steel ist noch nicht bekannt.

Laut WSJ hat Ancora neun Kandidaten für den Vorstand der 12-köpfigen Gesellschaft nominiert, darunter den ehemaligen Stelco-Chef Alan Kestenbaum. Ancora soll nicht daran interessiert sein, den amerikanischen Stahlhersteller an eine andere Partei zu verkaufen.

Bloomberg News berichtete, dass der Hedgefonds möchte, dass Kestenbaum Burritt als CEO ersetzt.

Nippon und US Steel schließen Deal ab

Anfang dieses Monats hatte der ehemalige US-Präsident Joe Biden aus Gründen der nationalen Sicherheit die Übernahme von US Steel durch Nippon Steel im Wert von 14,9 Milliarden US-Dollar blockiert. Der Befehl sah außerdem vor, dass Nippon das Angebot bis Juni zurückziehen muss.

Die Unternehmen haben die Biden-Regierung verklagt, weil sie die Übernahme verhindert hat.

Auch der US-Präsident Donald Trump lehnte die mögliche Übernahme von US Steel durch Nippon Steel ab.

Im Dezember äußerte Donald Trump auf einer Social-Media-Plattform seinen starken Widerstand gegen den konkreten Deal und erklärte entschlossen: „Ich werde verhindern, dass dieser Deal zustande kommt.“

Diese Erklärung unterstreicht Trumps Absicht, seinen Einfluss und seine Autorität einzusetzen, um den Abschluss des Deals zu verhindern.

Andere Firmen, die an US Steel interessiert sind

Anfang Januar berichtete Reuters, dass Cleveland-Cliffs, ein Konkurrent in der Stahlindustrie, mit einem anderen Stahlhersteller, Nucor, zusammenarbeite, um ein mögliches Angebot in bar zur Übernahme von US Steel zu prüfen.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass US Steel möglicherweise ein Übernahmeobjekt ist und Cleveland-Cliffs und Nucor möglicherweise zu den wichtigsten Akteuren in einem möglichen Bieterwettbewerb werden könnten.

Cliffs Natural Resources Inc. hatte zuvor Interesse an der Übernahme der US Steel Corporation bekundet, doch der vorgeschlagene Deal stieß auf Widerstand seitens des Unternehmens.

Kartellbedenken

Der amerikanische Stahlhersteller verwies auf Bedenken hinsichtlich möglicher Kartellprobleme, die durch die Fusion entstehen könnten, sowie auf die Auswirkungen auf die US-amerikanische Automobilindustrie aufgrund der Konsolidierung der Stahlversorgung.

Eine Fusion der beiden Unternehmen könnte zu einem Szenario führen, bei dem bis zu 95 % der US-Eisenerzproduktion von einem einzigen Unternehmen kontrolliert würden.

Dieses Konsolidierungsniveau wirft erhebliche kartellrechtliche Bedenken auf, da es dem fusionierten Unternehmen eine erhebliche Marktmacht und die Möglichkeit verleihen könnte, Preise und Angebot zu beeinflussen.

Darüber hinaus äußerten US-Autohersteller, die stark auf die heimische Stahlversorgung angewiesen sind, Bedenken hinsichtlich der möglichen Verringerung der Konkurrenz und der Kostensteigerungen, die durch die Fusion entstehen könnten.

Ancora Holdings, das für seine Strategien als aktivistischer Investor bekannt ist, hat zuvor bereits mehrere andere Unternehmen ins Visier genommen und Änderungen gefordert.

Dazu zählen bekannte Namen aus dem Transport- und Logistiksektor, wie CH Robinson, ein globaler Anbieter von multimodalen Transportdiensten und Logistiklösungen.

Zu den anderen Unternehmen zählen Norfolk Southern, eine Güterbahn der Klasse I, die im Osten der Vereinigten Staaten tätig ist, und Forward Air Corporation, ein Güter- und Logistikunternehmen, das sich auf beschleunigte LTL-Transporte spezialisiert hat.

Die Beteiligung von Ancora an diesen Unternehmen umfasst in der Regel die Förderung strategischer Veränderungen, betrieblicher Verbesserungen oder Änderungen der Unternehmensführung, häufig mit dem Ziel, den Aktionärswert zu steigern.