Bank of England senkt Zinssatz auf 4,5 % und signalisiert geldpolitische Lockerung angesichts der wirtschaftlichen Abschwächung in Großbritannien
- Die Bank of England senkte die Zinssätze um 25 Basispunkte auf 4,5 %.
- Die Inflation sank im Dezember auf 2,5 % und nährte die Erwartungen einer geldpolitischen Lockerung.
- Einige Analysten glauben, dass die Bank bei weiteren Zinssenkungen einen maßvollen Ansatz verfolgen wird.
Die Bank of England hat am Donnerstag ihren ersten Zinssatzsenkung seit 2025 vorgenommen und angesichts anhaltender Bedenken über das schwache Wachstum der britischen Wirtschaft die geldpolitische Lockerung wieder aufgenommen.
Der weit erwartete Schritt sah die Zentralbank vor, ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,5 % zu senken. Dies war der dritte Zinssenkungsschritt im aktuellen Zyklus nach den Senkungen im August und November letzten Jahres.
Das geldpolitische Komitee stimmte mit 7 zu 2 Stimmen für die Senkung, wobei zwei Mitglieder eine aggressivere Reduzierung um 50 Basispunkte befürworteten.
Die Entscheidung fällt, während die Inflation in Großbritannien weiter sinkt und im Dezember auf 2,5 % fiel und sich damit dem Ziel der Zentralbank von 2 % näherte.
In einer Erklärung erklärte die Bank:
In den letzten zwei Jahren hat es bei der Entinflation erhebliche Fortschritte gegeben, da die früheren externen Schocks nachgelassen haben und die restriktive Haltung der Geldpolitik die Zweitrundeneffekte eingedämmt und die langfristigen Inflationserwartungen stabilisiert hat.
Entscheidung der Bank of England aufgrund schwacher Wachstums- und sinkender Inflationsraten
Die Entscheidung der Bank folgt auf eine Reihe enttäuschender Wirtschaftsberichte.
Die britische Wirtschaft stagnierte im dritten Quartal 2024. Die monatlichen BIP-Daten zeigten eine bescheidene Expansion von 0,1 % im November nach einer Kontraktion von 0,1 % im Oktober.
Auch der Einzelhandelsumsatz hat sich schwach entwickelt und die Erwartungen an eine Zinssenkung weiter verstärkt.
Gleichzeitig hat sich die Inflation schneller abgekühlt als erwartet.
Auch die Kerninflation, die volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausschließt, hat nachgelassen, was darauf hindeutet, dass die Preisdruck nachlässt.
Dies hat den politischen Entscheidungsträgern Spielraum gegeben, die Zinsen zur Unterstützung des Wachstums nach unten anzupassen.
Andrew Wishart, leitender britischer Ökonom bei Berenberg, schlug vor, dass die wirtschaftliche Stagnation und die steigende Arbeitslosigkeit die Bank of England zwingen könnten, die Geldpolitik schneller zu lockern.
Er wies darauf hin, dass die jüngsten Lohnzahlungsdaten weitere Arbeitsplatzverluste zeigten und damit das Argument für niedrigere Zinsen stärkten.
„Bislang hat die Bank of England bei abwechselnden Sitzungen Zinssenkungen vorgenommen, aber eine stagnierende Wirtschaft und sinkende Beschäftigungszahlen sprechen für dringendere Maßnahmen“, sagte Wishart.
Inländische Risiken und globale Unsicherheit in Einklang bringen
Obwohl die Bank die Zinssenkungen wieder aufgenommen hat, müssen ihre politischen Entscheidungsträger auch die Risiken abwägen, die aus den globalen Handelsspannungen resultieren.
Die jüngsten Zollabsichtserklärungen des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber wichtigen Handelspartnern, darunter mögliche Zölle auf Großbritannien und die Europäische Union, haben neue wirtschaftliche Unsicherheit geschaffen.
Kallum Pickering, Chefökonom bei Peel Hunt, sagte, die Zentralbank stehe vor der Herausforderung, schwaches Inlandswachstum mit den potenziellen Inflationsauswirkungen von Zöllen in Einklang zu bringen.
Er erwartet, dass die Bank bei der Ankündigung künftiger Zinssenkungen eine vorsichtige Haltung einnehmen wird.
„Die entscheidende Frage für die politischen Entscheidungsträger ist, ob sie signalisieren, dass bereits im März ein weiterer Zinssatzabbau erfolgen könnte, oder ob sie an dem im letzten Jahr eingeschlagenen Kurs festhalten – mit Zinssatzsenkungen im Abstand von einem pro Quartal“, sagte er gegenüber CNBC.
Während Peel Hunt davon ausgeht, dass die Bank bis Mai mit einer weiteren Zinssenkung warten wird, wies Pickering darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger ein Signal für eine schnellere Vorgehensweise senden könnten, wenn sich die Wirtschaftsdaten weiter verschlechtern.
Was kommt als Nächstes für die Zinssätze?
Die nächsten Schritte der Bank werden von den Finanzmärkten und der Regierung genau beobachtet, insbesondere da Finanzministerin Rachel Reeves wegen ihrer Finanzpolitik unter zunehmendem Druck steht.
Reeves hat ihre Wirtschaftspläne verteidigt und argumentiert, dass Steuererhöhungen für Unternehmen zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen notwendig seien.
Branchenführer haben jedoch gewarnt, dass höhere Steuern die Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen dämpfen könnten.
Einige Analysten glauben, dass die Bank angesichts der Haushaltspolitik der britischen Regierung und der anhaltenden Risiken in der Weltwirtschaft einen maßvollen Ansatz bei weiteren Zinssenkungen verfolgen wird.
Ashley Webb, Ökonom von Capital Economics im Vereinigten Königreich, sagte, dass die Bank zwar voraussichtlich ihre Politik weiter lockern werde, aber möglicherweise nicht so aggressiv vorgehen werde, wie es sich manche Investoren erhoffen.
Er sagte:
Er prognostizierte, dass die Inflation später in diesem Jahr kurzzeitig auf 3 % steigen könnte, bevor sie 2026 wieder unter 2 % fallen würde, was es der Bank ermöglichen würde, die Zinsen bis Anfang 2026 auf etwa 3,5 % zu senken.
Da sich Großbritannien mit einem schleppenden Wirtschaftswachstum und externen Risiken herumschlägt, werden das Tempo und das Ausmaß künftiger Zinssenkungen davon abhängen, wie sich die Inflations- und Beschäftigungstrends in den kommenden Monaten entwickeln.
Die Zentralbank hat zwar einen ersten Schritt zur Lockerung der Finanzbedingungen unternommen, doch die Zukunft bleibt ungewiss.
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