Kann China zum weltweit führenden Technologiekonzern aufsteigen?

Kann China zum weltweit führenden Technologiekonzern aufsteigen?
Dionysis Partsinevelos
19. Feb. 2025, 09:35 AM
  • China ist trotz der US-amerikanischen Beschränkungen im Halbleiterbereich führend in den Bereichen KI, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien.
  • DeepSeeks KI-Durchbruch zeigt Chinas Innovationsfähigkeit ohne modernste US-Chips.
  • Xi Jinping nimmt wieder Kontakt zu führenden Vertretern der privaten Technologiebranche auf und verstärkt gleichzeitig die staatliche Aufsicht.

China unternimmt ernsthafte Anstrengungen, um weltweit führend in der Technologie zu werden.

Von künstlicher Intelligenz und Elektrofahrzeugen bis hin zu Halbleitern und erneuerbaren Energien beschleunigt das Land seine Bemühungen, den Westen zu überholen.

Das Treffen von Präsident Xi Jinping mit führenden Wirtschaftsvertretern ist ein Signal an den Westen, dass Peking seinen Kurs ändert.

Der einst stark kontrollierte Privatsektor wird nun gefördert.

Hat China eine Chance, zum globalen Technologieführer zu werden?

Baut China das nächste KI-Imperium?

Künstliche Intelligenz steht im Mittelpunkt der chinesischen Strategie.

Der Aufstieg von DeepSeek, einem großen Sprachmodell, das ohne die neuesten amerikanischen Chips entwickelt wurde, hat die Branche wirklich erschüttert.

Es hat sich gezeigt, dass China trotz der US-Sanktionen innovativ sein kann.

Chinesische KI-Unternehmen melden mittlerweile mehr Patente an als jedes andere Land.

Tencent und Alibaba integrieren KI in ihre Plattformen, während Huawei seine Halbleiterlösungen entwickelt.

Die Regierung investiert Milliarden in die KI-Forschung, und staatlich geförderte Unternehmen treiben die Quantencomputerentwicklung in einem Tempo voran, das mit den USA konkurriert.

Die Zahlen bestätigen den Trend. Laut der Weltorganisation für geistiges Eigentum entfielen im Jahr 2023 fast die Hälfte der weltweiten Patentanmeldungen im Bereich KI auf China.

Während die USA nach wie vor führend in der KI-Infrastruktur sind, beweist China, dass es wettbewerbsfähige Alternativen entwickeln kann.

Das Aufkommen von DeepSeek erinnert an den Börsengang von Alibaba im Jahr 2014, der einen Boom an Innovationen im chinesischen Konsumententechnologiebereich auslöste.

Wenn die KI einen ähnlichen Verlauf nimmt, könnte China die nächste Generation digitaler Anwendungen dominieren.

Ein neuer König der Elektrofahrzeuge?

Die Automobilindustrie befindet sich im Wandel, und China ist dabei führend.

Im Jahr 2023 wurde China zum weltweit größten Exporteur von Elektrofahrzeugen und überholte damit Japan.

BYD, Chinas führender Hersteller von Elektrofahrzeugen, verkaufte im vierten Quartal 2023 mehr Autos als Tesla.

Das war vor ein paar Jahren noch undenkbar.

Batterien sind ein entscheidender Grund für diesen Erfolg.

China produziert über 80 % der weltweiten Batterien für Elektrofahrzeuge, wobei Unternehmen wie CATL und BYD an vorderster Front stehen.

Das Land dominiert auch die Lieferkette für Lithium, Kobalt und Nickel, wichtige Materialien für die Batterieproduktion.

Während westliche Automobilhersteller mit Kosten und Infrastruktur zu kämpfen haben, hat China die Produktion hochgefahren und die Preise gesenkt.

Das Ergebnis war eine Flut erschwinglicher Elektrofahrzeuge, die die globalen Märkte, insbesondere in Europa und Südostasien, erreichten.

Der Westen wehrt sich jedoch. Die USA und die EU erwägen Zölle, um die chinesischen Importe von Elektrofahrzeugen zu verlangsamen.

Inzwischen treiben lokale Subventionen in den USA die heimische Batterieproduktion an. Aber China wird sich nicht so leicht bremsen lassen.

Xi Jinpings Strategiewechsel

Im Jahr 2020 gerieten Chinas Tech-Giganten unter Beschuss. Jack Ma, einst das Gesicht der chinesischen Innovation, verschwand nach Kritik an den Regulierungsbehörden aus der Öffentlichkeit.

Der Börsengang von Alibabas Fintech-Tochter Ant Group im Wert von 34 Milliarden Dollar wurde abgesagt.

Peking ging gegen Fahrdienstvermittler, Spielefirmen und Bildungsunternehmen vor und vernichtete damit Milliarden an Börsenwert.

Der Privatsektor verstand die Botschaft: Wachstum war willkommen, Macht jedoch nicht.

Doch Xi Jinpings jüngstes Treffen mit Wirtschaftsführern, darunter Ma und Huaweis Ren Zhengfei, sollte das Vertrauen wiederherstellen. Er versprach weniger regulatorische Strafen und einen faireren Markt für private Unternehmen.

Das ist ein kalkulierter Schritt. Chinas Wirtschaft verlangsamt sich, und die privaten Investitionen sind rückläufig. Indem er Unternehmer beruhigt, hofft Xi, die Stimmung in der Wirtschaft zu stabilisieren.

Die alten Regeln gelten jedoch weiterhin. Die Regierung wünscht sich einen florierenden Privatsektor, aber nur innerhalb staatlich genehmigter Grenzen.

Unternehmer müssen nationalen Zielen dienen, wie etwa der KI-Entwicklung und der Hochtechnologiefertigung. Die Ära der unkontrollierten privaten Technologieimperien ist vorbei.

Befreit sich China endlich von westlicher Technologie?

Jahrelang war China auf den Westen für Halbleiter und Hightech-Komponenten angewiesen.

Die US-Sanktionen zielten darauf ab, Chinas Zugang zu fortschrittlichen Chips zu unterbinden. Viele erwarteten, dass China Schwierigkeiten haben würde.

Doch Huaweis neuestes Smartphone, das mit einem im Inland entwickelten 7-nm-Chip ausgestattet ist, schockierte Branchenexperten.

Dies deutet darauf hin, dass China trotz der Beschränkungen Fortschritte in der Chipfertigung macht.

Obwohl China Chips der mittleren Leistungsklasse herstellen kann, liegt es in der Fertigung von High-End-Halbleitern noch Jahre zurück.

Die USA, Japan und die Niederlande kontrollieren die fortschrittlichsten Anlagen zur Chipherstellung, und Exportbeschränkungen schränken Chinas Zugang ein.

Um dem entgegenzuwirken, hat Peking über 100 Milliarden Dollar in seine heimische Halbleiterindustrie investiert, mit dem klaren Ziel, vollständige technologische Unabhängigkeit vom Westen zu erreichen.

Westliche Unternehmen hingegen verdoppeln ihre Anstrengungen. Die USA investieren massiv in die heimische Chip-Produktion, mit einem 52 Milliarden Dollar schweren CHIPS Act, der die amerikanische Führungsrolle sichern soll. Auch Europa erhöht die Fördermittel für Halbleiter.

Wird China zum weltweit führenden Technologieunternehmen aufsteigen?

China unternimmt ernsthafte Anstrengungen, die globale Technologieführerschaft zu erlangen.

Seine Regierung investiert enorme Ressourcen in KI, Elektrofahrzeuge und Halbleiter.

Seine Unternehmen innovieren trotz westlicher Sanktionen. Und sein Wirtschaftsmodell, der sogenannte „staatlich gestützte Kapitalismus“, ermöglicht es ihm, langfristige Strategien voranzutreiben.

Es wird jedoch keine leichte Aufgabe sein. Der Westen arbeitet aktiv daran, Chinas Aufstieg einzudämmen und den Zugang zu kritischen Technologien zu beschränken.

Inländische Herausforderungen wie ein schwächelnder Immobilienmarkt und zögerliche Investoren könnten den Fortschritt verlangsamen.

Und obwohl China bei der Skalierung der Produktion hervorragende Leistungen erbringt, hinkt es bei bahnbrechenden Innovationen immer noch hinterher.

Das nächste Jahrzehnt wird entscheiden, ob China sich vollständig von der westlichen Technologieabhängigkeit befreien und die Führung übernehmen kann.

Wenn sein Fortschritt in den Bereichen KI, Elektrofahrzeuge und Chips in diesem Tempo anhält, wird es nicht nur aufholen, sondern den neuen globalen Standard setzen.