Zölle treffen die globalen Märkte: Wer sind die größten Verlierer?
- Die Aktien von Nike, Adidas und On Holding stürzen ab, da die in Vietnam ansässige Produktion plötzlich mit einer Einfuhrsteuer von 46 % belegt wird.
- Apple verliert 6,1 %, nachdem die USA einen 54%igen Zoll auf in China montierte Produkte, darunter iPhones und Macs, verhängt haben.
- Vietnams BIP-Anfälligkeit für US-Zölle droht nun mit einem wirtschaftlichen Einbruch von 5,5 %, wobei die Währung abstürzt.
Erneut sind Zölle der Grund für große Marktbewegungen und Unterbrechungen der Lieferketten.
Am 2. April kündigte Präsident Trump umfassende Einfuhrzölle mit effektiven Sätzen von 10 % bis 49 % an, die fast alle wichtigen Handelspartner der USA betrafen.
Da die Entscheidung in Umfang und Ausmaß weitgehend unerwartet kam, hat sie bereits einen globalen Ausverkauf von Aktien, starke Verluste bei Konsumgüter- und Technologieaktien und wachsende Befürchtungen einer langfristigen wirtschaftlichen Verwerfung ausgelöst.
Aber über welche Märkte und Aktien sollten sich Anleger am meisten Sorgen machen?
Ein brandneuer Politikschock
Die Exekutivanordnung führt einen Grundzoll von 10 % auf alle Importe ein, wobei die länderspezifischen Sätze deutlich höher liegen.
Waren aus Vietnam werden nun mit einem Aufschlag von 46 % belegt.
Kambodscha ist zu 49 %, Indonesien zu 32 % und Bangladesch zu 37 % betroffen.
China, das bereits mit vorherigen Zöllen belegt war, sieht sich nun mit einer zusätzlichen Steuer von 34 % konfrontiert, wodurch sich die gesamte Zollbelastung auf 54 % erhöht.
Japanische Importe werden mit einem Satz von 24 % belegt, während die Europäische Union 20 % zahlen muss.
Diese Maßnahmen haben den durchschnittlichen US-Importzollsatz auf etwa 22 % erhöht, gegenüber nur 2,5 % im Jahr 2024.
Das ist der höchste Stand seit 1910, so Fitch Ratings.
Trump stellte die Entscheidung als Gegenmaßnahme dar und behauptete, sie spiegele wider, wie andere Länder US-Exporte behandeln.
Investoren, Analysten und Wirtschaftsführer sagen jedoch, die Politik schaffe neue Unsicherheit und wirtschaftliche Risiken ohne klaren Rahmen oder Zeitplan.
Die Finanzmärkte reagierten sofort.
Die US-Futures brachen stark ein, wobei die S&P 500-Futures um mehr als 3 % fielen.
Der Nasdaq ist seit seinem Höchststand im Dezember um fast 13 % gefallen.
Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen fiel auf 4,08 %, den niedrigsten Stand seit sechs Monaten, da Anleger in sichere Anlagen flüchteten.
Die globalen Aktienmärkte folgten.
Der japanische Nikkei fiel um mehr als 3 %, während die europäischen Märkte um etwa 2 % nachgaben.
An den Devisenmärkten fiel der Dollar-Index um 1,1 %, da die Händler schwächere Wachstumserwartungen einpreisten.
Schuhaktien wurden stark getroffen.
Schuh- und Bekleidungsmarken, von denen viele in den letzten fünf Jahren die Produktion von China nach Vietnam und Südostasien verlagert hatten, gehörten zu den am stärksten Betroffenen.
Zum Kontext: Die USA importierten 2024 Waren im Wert von 136,6 Milliarden US-Dollar aus Vietnam, ein Anstieg von 19 % gegenüber 2023.
Der plötzliche 46%ige Zoll auf diese Importe hat die Kostenstrukturen und Gewinnprognosen durcheinandergebracht.
Die Nike-Aktie verlor mehr als 8 %, was die starke Abhängigkeit des Unternehmens von Vietnam verdeutlicht, wo 50 % seiner Schuhe und 30 % seiner Bekleidung hergestellt werden.
Die Marke hat bereits ihre Umsatzprognose für das laufende Quartal gesenkt und dabei die erwarteten Kostensteigerungen durch Zölle auf China und Mexiko berücksichtigt.
Diese neuen Vietnam-Zölle erhöhen den Druck zusätzlich.
Die Adidas-Aktie fiel in Frankfurt um 11 % und erreichte damit ein fast 12-Monats-Tief.
Die deutsche Marke produziert 39 % ihrer Schuhe in Vietnam und ist stark von Fabriken in Indonesien (32 %) und Kambodscha (23 %) abhängig – alles Länder, die jetzt mit Zöllen von über 30 % belegt sind.
Die Puma-Aktie fiel um 8,5 % und erreichte damit den niedrigsten Stand seit November 2016.
Das Unternehmen hat keine formelle Prognose abgegeben, ist aber wie Adidas strukturell von vietnamesischen und indonesischen Fabriken für seine Kernproduktlinien abhängig.
Die Schweizer Sneaker-Marke On Holding verlor im US-Vormarkthandel 15 %.
Das Unternehmen produziert 90 % seiner Schuhe in Vietnam und weitere 10 % in Indonesien, wobei fast zwei Drittel seines Umsatzes aus Amerika, hauptsächlich den USA, stammen.
Laut regulatorischen Unterlagen gehört es damit zu den am stärksten vom neuen Zollregime betroffenen Marken.
Deckers, die Muttergesellschaft von Hoka und Ugg, hat 68 Produktionspartner in Vietnam, seinem zweitgrößten Produktionsstandort nach China.
Die Aktien fielen um über 4 %, was die Besorgnis über die Margenverschlechterung widerspiegelt.
Shenzhou International, einer der größten Textilhersteller Asiens und ein wichtiger Zulieferer von Nike, verlor in Hongkong 18 %.
Das ist der größte Rückgang seit über drei Jahren.
UBS und Jefferies schätzen, dass Marken die globalen Einzelhandelspreise um 5 % bis 12 % anheben müssten, um die aktuelle Rentabilität zu erhalten.
Doch angesichts der inflationsmüden Verbraucher werden viele gezwungen sein, die Kostensteigerungen zu tragen, was die Gewinne schmälern wird.
Welche Technologieaktien werden am meisten zu kämpfen haben?
Während der Fokus hauptsächlich auf Konsumgütern lag, stehen auch Technologieunternehmen unter Druck.
Die neuen Zölle belegen chinesische Importe mit einem kombinierten Zollsatz von 54 %, und das umfasst fast alle im Land montierten Geräte.
Die Apple-Aktie fiel um 6,1 %, der stärkste Tagesverlust seit September 2020.
Die meisten Hardwareprodukte von Apple, darunter iPhones, iPads und Macs, werden in China montiert.
Diese Waren sind nun vollumfänglich von der neuen Politik betroffen.
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It remains vulnerable to component-level tariffs, especially if Taiwan and Mexico are next in line for tariff scrutiny.
Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft verloren jeweils zwischen 2,5 % und 5 %.
Die Bedrohung ist indirekt, d. h. höhere Kosten für Unterhaltungselektronik und Netzwerkhardware.
Dennoch spiegelt es die weit verbreiteten Befürchtungen vor Vergeltungsmaßnahmen in Form digitaler Steuern aus der EU und Asien wider.
Einzelhändler und Lieferketten erleiden erhebliche Einbußen.
Neben Marken waren auch große Einzelhändler mit globalen Beschaffungsaktivitäten betroffen.
Wayfair verlor 12 %, was seine starke Abhängigkeit von in Vietnam hergestellten Möbeln widerspiegelt, die nun mit einem Zoll von 46 % belegt sind.
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Diese Unternehmen sind auf Textil- und Bekleidungsfabriken in Vietnam, Bangladesch und Kambodscha angewiesen.
Genau die am stärksten betroffenen Länder.
Vietnam alone exported $44 billion in textiles in 2024, with the US as its top buyer.
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Kambodscha und Bangladesch sind ähnlichen Risiken ausgesetzt.
Attempts to shift manufacturing elsewhere are constrained by logistics, workforce specialization, and sunk costs.
Asiatische Volkswirtschaften werden am stärksten zu kämpfen haben.
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Ein 46-prozentiger Zoll gefährdet schätzungsweise 5,5 % des vietnamesischen BIP.
Thailand droht ein Einbruch von 3 %, hauptsächlich durch den Rückgang der Autoexporte.
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Die Währungen haben begonnen, diese Risiken widerzuspiegeln. Der vietnamesische Dong fiel auf ein Rekordtief von 25.803/USD.
Auch der thailändische Baht, der taiwanesische Dollar und die indonesische Rupiah gerieten unter Druck.
INR, PHP und SGD werden aufgrund geringerer Risiken und stabilerer Außenhandelsbilanzen voraussichtlich besser abschneiden.
Die Erwartungen an die Geldpolitik ändern sich schnell. Zinssenkungen werden nun in Korea, Indien, den Philippinen, Indonesien, Singapur und Australien erwartet.
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Das Fazit
Das Tarifregime entwickelt sich nun zu einem langfristigen Paradigmenwechsel, insbesondere wenn keine Ausnahmen oder Neuverhandlungen erzielt werden.
Trump hat den Schritt als Strategie dargestellt, um ausländische Märkte „aufzubrechen“ und die Reindustrialisierung in den USA zu erzwingen.
Für Unternehmen ist die Herausforderung jedoch unmittelbar und gravierend.
Die Diversifizierung der Lieferketten, einst eine Absicherung gegen China-Risiken, hat nun keine Optionen mehr.
Vietnam und Indonesien, die wichtigsten Ausweichmöglichkeiten, sind unter der derzeitigen Tarifstruktur nicht mehr tragfähig.
Ein Umzug ist keine schnelle Lösung.
Die Herstellung von Hochleistungsschuhen und fortschrittlicher Elektronik erfordert hochspezialisierte Arbeitskräfte und Infrastrukturen, die nicht über Nacht aufgebaut werden können.
Zölle sind mittlerweile ein anhaltendes wirtschaftliches Risiko und nicht mehr nur ein Schlagzeilenthema.
Die Kosten der globalen Fragmentierung sind nicht mehr nur theoretisch, sie schlagen bereits in den Bilanzen von Unternehmen weltweit zu Buche.
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