UniCredit-Chef signalisiert möglichen Verkauf der Commerzbank-Beteiligung außerhalb der EU, wenn Aktionäre dies verlangen

UniCredit-Chef signalisiert möglichen Verkauf der Commerzbank-Beteiligung außerhalb der EU, wenn Aktionäre dies verlangen
Noris Soto
13. Sept. 2025, 15:52 PM
  • UniCredit-Chef Andrea Orcel sagte, die Bank könne ihren 26-prozentigen Anteil an der Commerzbank verkaufen, wenn die Aktionäre zustimmen.
  • Die Commerzbank und die Bundesregierung lehnen einen Zusammenschluss ab, der die europäische Bankenbindung der UniCredit einschränkt.
  • Orcel betonte, dass die Marktregeln und die Interessen der Aktionäre jede Entscheidung leiten würden.

UniCredit-Chef Andrea Orcel signalisierte, dass der italienische Kreditgeber erwägen könnte, seine große Beteiligung an der deutschen Commerzbank an einen Käufer außerhalb der EU zu veräußern, wenn der Preis stimmt und die Aktionäre an Bord sind.

Die Stellungnahmen unterstreichen sowohl die Ambitionen als auch die Grenzen des Bestrebens der UniCredit, ihre europäische Rolle neu zu gestalten, und wurden am Samstag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.

UniCredit hat im vergangenen Jahr einen Anteil von 26 Prozent an der Commerzbank aufgebaut und ist damit der größte private Investor des deutschen Kreditgebers.

Seine Beteiligung stand im Mittelpunkt von Spekulationen über eine mögliche Konsolidierung des europäischen Bankensektors, die UniCredit offen fordert.

Die Commerzbank hat das Konzept verworfen, ebenso wie die deutsche Regierung, die 12 Prozent des Kreditgebers hält.

Aktionärsinteressen haben Vorrang

Orcel sagte, dass politische Interessenspunkte UniCredit nicht die Entscheidungen diktieren würden, wie es ein Aktionär tun sollte.

Er wies darauf hin, dass UniCredit einen profitablen Ausstieg anstreben würde, wenn die Anleger nicht mehr von der Logik der Commerzbank-Aktie überzeugt seien.

"Was würde passieren, wenn eine Nicht-EU-Bank das höchste Gebot für unsere Aktien abgeben würde? Orcel wurde mit den Worten zitiert: "Dann müsste ich dieses Angebot aus Verpflichtung gegenüber meinen Aktionären annehmen."

Die Erklärung unterstreicht den pragmatischen Ansatz des CEO, der seine strategische Vision eines stärkeren europäischen Bankensektors mit der treuhänderischen Pflicht in Einklang bringt, Renditen für die Anleger zu erzielen.

Orcel räumte zwar ein, dass ein solcher Verkauf möglicherweise nicht in seinem persönlichen Interesse sei, betonte aber, dass "am Ende die Regeln des Marktes Vorrang haben werden".

Die Ausführungen verdeutlichen den Konflikt zwischen den Zielen der europäischen Bankenkonsolidierung und der Geschäftsrealität der Kapitalmärkte.

Commerzbank wehrt sich gegen Vorstoß der UniCredit

Die Äußerungen stehen auch im Zusammenhang mit der Ablehnung der Vorschüsse der UniCredit durch die Commerzbank.

Trotz steigender Beteiligungen der italienischen Bank hat die Commerzbank Integrationsversuche beharrlich bekämpft und dabei strategische Unabhängigkeit und nationales Interesse angeführt.

Der anhaltende Widerstand Berlins gegen eine Übernahme behindert die Pläne der UniCredit und deutet auf ein politisches Hindernis für eine grenzüberschreitende Konsolidierung innerhalb der EU hin.

In diesem Ansatz spiegelt sich eine breitere Zurückhaltung wider, die Übernahme bedeutender inländischer Banken durch Ausländer zuzulassen.

Die Commerzbank gilt als lebenswichtig für die deutsche Wirtschaft, und die Regierung hat oft erklärt, dass sie den Einfluss auf die Zukunft des Kreditgebers behalten will.

Strategische Vision trifft auf Marktrealitäten

Orcel hat UniCredit als potenziellen Katalysator für die Konsolidierung des europäischen Bankensektors positioniert und deutet darauf hin, dass größere, grenzüberschreitende Organisationen im globalen Wettbewerb bestehen müssen.

Sein Vorstoß für eine Partnerschaft mit der Commerzbank fügt sich in dieses größere Ziel ein.

Mit dem Eingeständnis, dass er ein Angebot aus einem Nicht-EU-Land für die Beteiligung annehmen könnte, hat der CEO jedoch die Grenzen seiner Position aufgezeigt.

Die doppelte Botschaft, einen europäischen Champion zu bevorzugen, aber die Aussicht auf einen weltweiten Käufer anzuerkennen, ist ein Beispiel für das empfindliche Gleichgewicht, das Orcel wahren muss.

Seine Äußerungen deuten darauf hin, dass er zwar eine Fusion von UniCredit und Commerzbank begrüße, aber nicht bereit ist, ein Veto gegen einen profitablen Ausstieg einzulegen, wenn sich die Stimmung der Aktionäre ändert.

Auswirkungen auf das europäische Bankwesen

Das Schicksal der Commerzbank-Holding der UniCredit könnte ein Lackmustest für das Potenzial einer grenzüberschreitenden Bankenkonsolidierung in der EU sein.

Die Europäische Kommission hat sich stets für eine stärkere Integration des Bankwesens eingesetzt. Die nationalen Regierungen bevorzugen jedoch in der Regel die Beibehaltung der internen Kontrolle.

Mit dem Verkauf an ein Nicht-EU-Unternehmen würde dies sowohl das Beste als auch das Schlimmste der fragmentierten europäischen Finanzlandschaft zeigen - eine mögliche Manifestation für die UniCredit-Aktien.

Die Episode erinnert die Anleger daran, dass Renditen die Politik übertrumpfen.

Für die politischen Entscheidungsträger stellt sich die Frage, ob Europa genug tut, um seine eigenen Banken-Champions in einem von Skalen dominierten Weltmarkt zu schaffen.

Blick in die Zukunft

Der Anteil von 26 % an der UniCredit bleibt vorerst intakt, und Orcel kämpft weiterhin für einen stärkeren europäischen Bankensektor auf der Grundlage der Konsolidierung.

Ob dieses Ziel erreicht wird, wird vielleicht die Geduld der Aktionäre und die politische Entschlossenheit in Berlin abhängen.

Orcels Eingeständnis, dass er einen Vorschlag außerhalb der EU begrüßen würde, wenn er den Shareholder Value maximiert, zeigt, dass der Ansatz der UniCredit anpassungsfähig ist, auch wenn er die Gefahr birgt, die von ihm befürwortete europäische Ausrichtung zu untergraben.