Anstieg der EU-Stahlzölle bedroht britische Exporte und Automobillieferketten

Anstieg der EU-Stahlzölle bedroht britische Exporte und Automobillieferketten
Diya Poddar
08. Okt. 2025, 11:06 AM
  • Die Zölle auf überschüssige Importe sollen von 25 % auf 50 % steigen.
  • Britische Exporte sind gefährdet, 80 % gehen in die EU-Märkte.
  • "Schmelzen und gießen"-Ursprungsregel zur Verschärfung der Einfuhrverfolgung.

Die Entscheidung der Europäischen Union, die zollfreien Stahlquoten zu kürzen und die Zölle auf Überimporte auf 50 % zu verdoppeln, hat bei britischen Stahlherstellern und europäischen Herstellern gleichermaßen Alarm ausgelöst.

Der Schritt, der den heimischen Stahlsektor der EU vor dem weltweiten Überangebot schützen soll, könnte die europäischen Industriehandelsbeziehungen neu gestalten und das Vereinigte Königreich einer der größten Exportherausforderungen seit dem Brexit aussetzen.

Der neue Brüsseler Vorschlag zielt darauf ab, das derzeitige "Schutz"-System, das 2026 ausläuft, durch ein strengeres, dauerhaftes System zu ersetzen.

Sie würde die zollfreien Kontingente um 47 % gegenüber dem Stand von 2024 senken und die Zölle auf Importe über diese Grenzen hinaus von 25 % auf 50 % anheben.

Die Europäische Kommission erklärte, der Plan entspreche den langjährigen Forderungen der Mitgliedstaaten und Gewerkschaften, die Stahlhersteller und Arbeitsplätze in der EU zu verteidigen und gleichzeitig mit den Dekarbonisierungszielen der Union in Einklang zu stehen.

Britischer Stahl durch Verschärfung der Einfuhrbestimmungen in Brüssel gefährdet

Die britische Stahlindustrie ist besonders betroffen, da rund 80 % ihrer Exporte in die EU-Märkte gehen.

Die neuen Zölle drohen den Zugang zu Großbritanniens wichtigstem Handelsziel abzuschneiden, das bereits durch Energiekosten, Werksschließungen und verlorene Wettbewerbsfähigkeit belastet ist.

Der Schritt ist ein weiterer Schlag für einen Sektor, der sich nur schwer von den US-Zöllen in Höhe von 25 % auf Stahlexporte und dem jüngsten Abbau von Arbeitsplätzen in den großen Werken in Port Talbot und Scunthorpe erholen konnte.

Branchenverbände warnen davor, dass strengere EU-Importbeschränkungen überschüssigen Stahl – insbesondere aus Asien – nach Großbritannien umleiten könnten, was die Inlandspreise nach unten treiben und den Produzenten schaden könnte.

Premierminister Keir Starmer bestätigte, dass Gespräche mit Brüssel und Washington im Gange seien, um weitere Marktstörungen zu verhindern.

Industrieminister Chris McDonald sagte, die Regierung prüfe auch "stärkere Handelsmaßnahmen", um britische Produzenten vor unfairen Preispraktiken zu schützen.

Im Gegensatz zu Norwegen, Island und Liechtenstein, die im Rahmen des Europäischen Wirtschaftsraums von den EU-Quoten befreit sind, muss das Vereinigte Königreich nun seine eigenen Bedingungen aushandeln.

Die Kommission hat auch mögliche Ausnahmen für die Ukraine aufgrund ihrer Kriegsbedingungen angedeutet, obwohl Großbritannien bisher keine ähnliche Flexibilität angeboten wurde.

Brüssel sucht Gleichgewicht inmitten der globalen Stahlspannungen

Der Schritt der EU folgt auf ähnliche Zollmaßnahmen der USA und Kanadas.

Washington hat kürzlich seine Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium auf 50 Prozent erhöht, während Ottawa einen Zuschlag von 25 Prozent auf Stahl eingeführt hat, der ursprünglich in China produziert wurde.

Beide Länder führten unlauteren Wettbewerb durch subventionierte Importe und Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit an.

Die Europäische Kommission erklärte, sie werde sich weiterhin mit globalen Partnern abstimmen, um die "Überkapazitäten im Stahlsektor" zu beseitigen, die sie als weltweite Herausforderung bezeichnete.

Die neue Regelung muss vor der Umsetzung von den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament genehmigt werden.

Es wird erwartet, dass sich mehrere Regierungen, insbesondere solche mit starken Automobilsektoren wie Deutschland, für Anpassungen oder Übergangshilfen einsetzen werden.

In der Zwischenzeit führt das Vereinigte Königreich weiterhin Gespräche mit der EU über mögliche Quotenzuteilungen, um eine ernsthafte Unterbrechung des Exporthandels im Wert von 4 Milliarden Pfund zu vermeiden.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Brüssels Vorstoß zur Sicherung seiner Stahlindustrie mit seinem Bekenntnis zum Freihandel koexistieren kann – oder ob er eine neue Runde industrieller Spannungen zwischen Europa und seinen engsten Handelspartnern auslösen könnte.