Google hat in Deutschland eine Strafe von über einer halben Milliarde Euro wegen Shopping-Search-Missbrauchs verhängt

Google hat in Deutschland eine Strafe von über einer halben Milliarde Euro wegen Shopping-Search-Missbrauchs verhängt
Diya Poddar
14. Nov. 2025, 13:19 PM
  • Idealo wurden 374 Millionen Euro Schadenersatz und 91 Millionen Euro Zinsen zugesprochen.
  • Die Producto GmbH erhielt 89,7 Mio. € Schadenersatz und 17,7 Mio. € Zinsen.
  • Diese Behauptungen folgten auf die gescheiterte Berufung von Google gegen das EU-Kartellurteil von 2017.

Google ist von einem deutschen Gericht zur Zahlung von 573 Millionen Euro verurteilt worden.

Die Entscheidung beruht auf der früheren Feststellung der Europäischen Kommission, dass das Unternehmen seinen eigenen Einkaufsvergleichsdienst in den Suchergebnissen in unfairer Weise bevorzugt hat.

Mit diesem Urteil ist Deutschland das erste Land, das Schadenersatz direkt auf der Grundlage dieses EU-Falles zugesprochen hat, was einen Wandel in der Art und Weise signalisiert, wie die Mitgliedstaaten supranationale Kartellentscheidungen auf nationaler Ebene anwenden.

Zwei deutsche Firmen gewinnen Klagen im Zusammenhang mit EU-Urteil von 2017

Das Landgericht Berlin verkündete am späten Donnerstag zwei separate Urteile gegen Google, die später am Freitagmorgen veröffentlicht wurden. Idealo, ein Preisvergleichsunternehmen der Axel Springer SE, hatte 3,3 Milliarden Euro Schadenersatz gefordert.

Das Gericht sprach eine Entschädigung in Höhe von 374 Millionen Euro und weitere 91 Millionen Euro an Zinsen zu. In einem parallelen Fall hatte die Producto GmbH 290 Millionen Euro eingefordert. Es wurden 89,7 Mio. € zuzüglich 17,7 Mio. € Zinsen zugesprochen.

Diese Zivilklagen folgen direkt auf eine Entscheidung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2017. Damals verhängte die EU-Regulierungsbehörde eine Geldstrafe von 2,4 Milliarden Euro gegen Google wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht.

Sie stellte fest, dass das Unternehmen in seiner Suchmaschine systematisch seinen eigenen Einkaufsdienst bevorzugt habe, zum Nachteil konkurrierender Preisvergleichstools.

Nach gescheiterter EU-Berufung von Google wird das Gerichtsverfahren fortgesetzt

Googles Reaktion auf die Entscheidung der Kommission von 2017 war mit einem langwierigen Berufungsverfahren verbunden. Infolgedessen wurden viele private Klagen in ganz Europa verzögert, während die Kläger auf ein endgültiges Gerichtsergebnis warteten.

Dies geschah im Jahr 2021, als das Gericht der Europäischen Union die Geldbuße bestätigte und bestätigte, dass Google gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen hatte.

Mit dieser Bestätigung mussten die Kläger den ursprünglichen Verstoß nicht mehr vor nationalen Gerichten nachweisen.

Das deutsche Gericht stützte seine Urteile auf diesen bestätigten Verstoß und konzentrierte sich stattdessen auf die Bemessung des von den Klägern erlittenen Schadens.

Dieser rechtliche Mechanismus, der oft als Folgeklage bezeichnet wird, hat nun zu einer der größten kartellrechtlichen Schadenersatzzahlungen in der jüngeren Geschichte des Landes geführt.

Google sieht sich mit größeren rechtlichen Konsequenzen auf den europäischen Märkten konfrontiert

Die Auswirkungen des deutschen Urteils beschränken sich nicht nur auf Berlin. Der Fall zeigt, wie regulatorische Entscheidungen auf EU-Ebene die Grundlage für finanzielle Ansprüche vor nationalen Gerichten bilden können.

Rechtsanalysten gehen davon aus, dass es in anderen Ländern, darunter Frankreich und den Niederlanden, zu ähnlichen Maßnahmen kommen wird. In diesen Fällen sind keine neuen Untersuchungen des Verhaltens von Google mehr erforderlich, sondern nur noch die Bewertung des finanziellen Schadens.

In ganz Europa sieht sich Google mit schätzungsweise 12 Milliarden Euro an Zivilklagen im Zusammenhang mit diesem einzigen Kartellproblem konfrontiert. Die Größenordnung dieser Zahl verdeutlicht das potenzielle Risiko, dem Technologieunternehmen ausgesetzt sind, sobald eine EU-Entscheidung abgeschlossen ist.

Die deutsche Durchsetzung könnte nun als Fahrplan für andere Mitgliedstaaten dienen, die ähnliche Maßnahmen im Rahmen des EU-Kartellrechts in Betracht ziehen.

Das Unternehmen hat zuvor argumentiert, dass sein Einkaufsservice den Verbrauchern zugute kommt, indem er ihnen hilft, Produkte schnell und effizient zu finden.

Gerichte in der gesamten EU haben jedoch festgestellt, dass dies zu Lasten konkurrierender Vergleichsplattformen ging, die trotz vergleichbarer oder niedrigerer Preise in der Suchsichtbarkeit herabgestuft wurden.

Präzedenzfall schafft neuen Druck für Big Tech

Das deutsche Urteil über 573 Millionen Euro ist eine kritische Erinnerung an die spürbaren Folgen der Regulierung des digitalen Marktes.

Die EU-Wettbewerbsbehörde hat den Grundstein dafür gelegt, aber es liegt nun an den nationalen Gerichten, diese Erkenntnisse in finanzielle Rechenschaftspflicht umzuwandeln.

Die Berliner Entscheidung ist ein wichtiger Schritt in diesem Prozess und könnte beeinflussen, wie zukünftige Klagen gegen Big Tech in der gesamten Union angegangen werden.

Für Google schließt das Urteil ein Kapitel, öffnet aber ein anderes. Da in mehreren Ländern immer noch Klagen anhängig sind und die Kontrollen im Rahmen des EU-Gesetzes über digitale Märkte ausgeweitet werden, nimmt der regulatorische Druck auf dominante Plattformen weiter zu.