Analyse: Warum Flugkerosin jetzt die größte Krise auf dem Ölmarkt ist
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Kaufen Sie US‑Jet‑/Flugkerosin‑Crack‑Spreads oder über einen Proxy wie den ICE‑Distillat/Jet‑bezogenen Crack‑Spread (z. B. Long‑Position auf Jet vs. Rohöl). Die Störung in der Straße von Hormus ist eine jetspezifische Knappheit: Europa steht ab Juni–August vor Defiziten, die ARA‑Bestände liegen auf einem Sechsjahrestief, und US‑Exporte dürften nur etwa ~50 % des Ausfalls aus dem Golfraum ersetzen — daher bleibt der Markt angespannt und die Spreads hoch.
Kernrisiko: US‑Exporte nach Europa schaffen es nicht, Schritt zu halten (oder werden anderswohin umgeleitet), wodurch der physische Flugkerosin‑Engpass rasch abgemildert würde und die Spreads einbrechen könnten.
Verkaufen Sie europäische Raffinerien mit hohem Flugkerosin‑Yield und begrenzter Flexibilität (z. B. sind BP/Shell weniger reinraffinerieorientiert; richten Sie sich auf Raffinerien wie TotalEnergies oder europäische Pendants im Stil von Phillips 66 — verwenden Sie einen Korb von EU‑Raffinerien mit geringerer Fähigkeit, Produkte umzuschichten). Flugkerosin‑Knappheit wirkt sich nur positiv auf Margen aus, wenn die Raffinerien zuverlässig Rohstoffe und Logistik sichern können; da viele Raffinerien bereits voll ausgelastet sind und Ersatzrohöl gestört ist, können Engpässe in Margenvolatilität und Ergebnisrisiken umschlagen.
Kernrisiko: Die Raffinerieauslastung und Produktlogistik erholen sich schneller als erwartet (oder EU‑Maßnahmen/Umverteilung greifen), wodurch Versorgung und Margen wieder stabilisiert würden.
- Die Blockade unterbricht 75 % der europäischen Flugkerosinlieferungen aus dem Nahen Osten.
- IATA warnt, dass Flugstreichungen Ende Mai in ganz Europa beginnen könnten.
- Die Flugkerosinpreise haben sich verdoppelt; die Bestände fielen Mitte April auf ein Sechsjahrestief.
Der Krieg im Iran und die daraus resultierende Schließung der Straße von Hormus haben auf dem Ölmarkt einen akuten Mangel verursacht. Das öffentliche Augenmerk richtete sich allerdings überwiegend auf Rohöl. Tatsächlich ist die Knappheit beim Flugkerosin noch gravierender.
Der Rekordpreis für Flugkerosin — nahezu 1.800 US-Dollar pro Tonne Anfang April — spiegelt diesen Trend wider: Die Preise haben sich seit Kriegsbeginn auf ihrem Höchststand mehr als verdoppelt.
Die Warnungen haben sich zuletzt verschärft. Am 9. April schrieb der Airports Council International (ACI) an die Europäische Kommission und warnte, dass eine andauernde Schließung der Straße von Hormus innerhalb von drei Wochen zu einem systemischen Mangel an Flugkerosin führen und der Europäischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen könnte.
Preisanstieg und drohende Knappheitswarnungen
Selbst nachdem die Straße von Hormus wieder passierbar ist, schätzt die International Air Transport Association (IATA), dass es mehrere Monate dauern wird, bis die Flugkerosin‑Versorgung wieder auf das notwendige Niveau zurückkehrt.
Letzte Woche warnte der IATA‑Chef, dass Treibstoffengpässe ab Ende Mai zu Flugstreichungen in ganz Europa führen könnten.
Die Internationale Energieagentur (IEA) äußerte sich ähnlich und warnte, dass einige europäische Staaten in den kommenden sechs Wochen ein Defizit bei Flugkerosin erleben könnten.
Europa steht laut einer Warnung des Energiekommissars der Europäischen Union selbst im optimistischsten Szenario vor einem schwierigen Sommer aufgrund von Flugkerosinengpässen.
Die Europäische Union erarbeite laut Dan Jorgensen Maßnahmen, um die erwarteten Auswirkungen auf die Versorgung mit Flugkerosin abzumildern. „Falls nötig, können wir unsere verfügbaren Flugkerosin‑Ressourcen umverteilen und teilen“, sagte er und deutete damit mögliche gemeinsame Maßnahmen an.
Die Blockade ist besonders gravierend, weil der Nahe Osten etwa 75 % des europäischen Flugkerosins liefert.
Der europäische Markt für Flugkerosin ist derzeit extrem angespannt, wie in einem speziellen Abschnitt des monatlichen IEA‑Berichts hervorgehoben wurde.
Letztes Jahr verbrauchten die europäischen OECD‑Länder 1,6 Millionen Barrel Flugkerosin pro Tag. Europäische Raffinerien lieferten 1,1 Millionen Barrel pro Tag, sodass ein Nettoimportbedarf von 500.000 Barrel pro Tag verbleibt.
Entscheidend ist, dass 75 % dieser Importe (375.000 Barrel pro Tag) historisch aus der Golfregion stammten. Diese zentrale Versorgung ist nun durch die Blockade der Schifffahrt durch die Straße von Hormus abgeschnitten.
Die Suche nach Ersatzquellen dürfte schwierig sein. Wichtige Alternativlieferanten wie Südkorea, Indien und China dürften ebenfalls nur begrenzt Flugkerosin für den Export zur Verfügung haben.
Diese Knappheit ist eine direkte Folge der gestörten Rohölzufuhr aus dem Nahen Osten, die zu einer Reduzierung der Raffinerieauslastung geführt hat.
US‑Reaktion und niedrige Bestände
Die USA sind ein wichtiger Produzent von Flugkerosin und haben sich kürzlich zu einem bedeutenden Nettoexporteur entwickelt; die Exporte sind deutlich angestiegen.
Daten der US Energy Information Administration zeigten, dass die Exporte Anfang April mit 442.000 Barrel pro Tag einen Rekordwert erreichten; der jüngste Vierwochen‑Durchschnitt von 366.000 Barrel pro Tag liegt damit 200.000 Barrel über dem Fünfjahresdurchschnitt. Wohin diese Exporte gehen, insbesondere ob sie nach Europa fließen, ist unklar.
Laut IEA werden die USA voraussichtlich so viel zusätzliches Flugkerosin nach Europa liefern, dass etwas mehr als 50 % des Defizits infolge reduzierter Lieferungen aus der Golfregion gedeckt werden können.
Daten von Kpler und LSEG deuten darauf hin, dass die US‑Exporte von Flugkerosin nach Europa im April auf geschätzte 149.000 bis 200.000 Barrel pro Tag kommen könnten. Sollte sich das bewahrheiten, wäre dies laut Commerzbank das höchste Niveau in etwa zehn Jahren.
Die Versorgung mit Flugkerosin in OECD‑Europa ist, wie die IEA hervorhebt, durch eine erhebliche Importabhängigkeit gekennzeichnet. Unter den großen Ländern ist nur Spanien Nettoexporteur, und die Türkei ist nahezu autark.
Im Gegensatz dazu können Deutschland, Frankreich und Italien nur etwa die Hälfte ihres Bedarfs an Flugkerosin domestisch produzieren. Das Vereinigte Königreich, Europas größter Verbraucher von Flugkerosin, ist zu 65 % auf Importe angewiesen.
Hinzu kommt, dass die IEA einen starken Rückgang der Lagerbestände feststellte: Die Bestände in der Region Amsterdam‑Rotterdam‑Antwerpen (ARA) fielen Mitte April unter 600.000 Tonnen und erreichten damit ein Sechsjahrestief.
Die ARA‑Bestände an Flugkerosin, die einen großen Teil Nordwest‑Europas beliefern, lagen Mitte Dezember noch nahezu doppelt so hoch wie üblich.
„Mit dem Wegfall der Flugkerosin‑Lieferungen aus dem Nahen Osten und ohne adäquaten Ersatz sind die Bestände gefährdet, weiter zu sinken, insbesondere da die Nachfrage nach Flugkerosin in den kommenden Monaten — wie zu dieser Jahreszeit üblich — steigen wird“, sagte Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank AG.
IEA‑Szenarien und EU‑Maßnahmen
Die IEA hat vier Szenarien entwickelt, die den Verlauf der europäischen Flugkerosinbestände prognostizieren; alle hängen vom Ersatzanteil der Lieferungen aus dem Nahen Osten ab.
Wenn alle Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzt werden, oder sogar 90 % davon, dürften die Bestände die Nachfrage ausreichend decken. Unter diesen Bedingungen lägen die Bestände am Jahresende jedoch unter der üblichen Spanne (und im 90‑%‑Szenario deutlich darunter).
Bei geringeren Ersatzraten wird die Lage prekärer:
- 75‑%‑Ersatz: Die Bestände wären in den sommerlichen Spitzenmonaten nicht ausreichend, mit einem Knappheitsrisiko im August.
- 50‑%‑Ersatz oder weniger: Es wird erwartet, dass die Flugkerosin‑Knappheit bereits im Juni beginnt.
Die EU wird am Mittwoch einen Entwurf vorlegen, um die Flugkerosin‑Knappheit zu bekämpfen und Flugbeschränkungen zu verhindern. Vorgesehene Maßnahmen umfassen eine EU‑weite Erfassung der Raffineriekapazitäten für Ölprodukte im nächsten Monat, die Sicherstellung der vollen Auslastung und Wartung der bestehenden Kapazitäten sowie weitere Schritte zur Verbesserung der Flugkerosinversorgung.
Beamte sagen, die Vorschläge würden noch erarbeitet. Die Wirkung könnte jedoch begrenzt sein, da die IEA darauf hinweist, dass viele europäische Raffinerien bereits voll ausgelastet sind.
Diskutierte Optionen umfassen auch eine „optimierte“ Verteilung von Flugkerosin unter den EU‑Mitgliedstaaten.
In all this, it must not be overlooked that the closure or retrofitting of refineries for biofuels has resulted in an estimated loss of 1–1.5 million barrels of daily crude oil processing capacity in Europe since 2015.
„Dieser Verlust ist jetzt deutlich spürbar“, fügte Fritsch hinzu.
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