China nimmt französischen Cognac mit Zöllen ins Visier, nachdem die EU Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge erhoben hat

China nimmt französischen Cognac mit Zöllen ins Visier, nachdem die EU Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge erhoben hat
Diya Poddar
08. Okt. 2024, 16:57 PM
  • Importeure in China müssen auf EU-Brandy nun Sicherheitsleistungen zwischen 34,8 und 39,0 Prozent hinterlegen.
  • Der Umsatz mit französischem Brandy in China, der 1,7 Milliarden US-Dollar wert ist, könnte um 20 Prozent steigen.
  • China erwägt außerdem, Zölle im Wert von 1,2 Milliarden Dollar auf deutsche Exporte großmotoriger Fahrzeuge zu erheben.

China hat vorübergehend Antidumpingzölle auf Brandy-Importe aus der Europäischen Union (EU) eingeführt. Im Zentrum des Streits stehen französische Kultmarken wie Hennessy und Rémy Martin.

Der Schritt erfolgt als Vergeltungsmaßnahme für die jüngsten Zölle der Europäischen Union auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge und markiert eine deutliche Eskalation der Handelsspannungen zwischen den beiden Wirtschaftsgiganten.

Die französischen Behörden haben die Maßnahme verurteilt, während sich Vertreter der EU und Chinas in laufende Verhandlungen zur Lösung des wachsenden Konflikts verwickeln lassen.

Brandy-Zölle sind eine Vergeltungsmaßnahme gegen die EU-Zölle auf Elektroautos

Ab dem 11. Oktober müssen Importeure von Weinbrand aus der EU Sicherheitsleistungen in Höhe von 34,8 bis 39,0 Prozent des Einfuhrwertes leisten.

Diese Maßnahme zielt direkt auf französische Cognac-Marken ab, die einen erheblichen Anteil der Spirituosenexporte der EU nach China ausmachen.

Allein im Jahr 2023 beliefen sich die französischen Brandy-Exporte nach China auf 1,7 Milliarden US-Dollar, wobei Branchenführer wie Hennessy und Remy Martin die Hauptlast der neuen Zölle trugen.

Die chinesische Regierung begründete diesen Schritt damit, dass europäischer Brandy zu unfair niedrigen Preisen verkauft werde und dadurch den einheimischen Produzenten geschadet werde.

Allerdings wird diese Maßnahme weithin als Vergeltungsmaßnahme für die jüngste Entscheidung der EU angesehen, Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge zu erheben, was die chinesische Automobilindustrie überproportional trifft.

Vor allem französische Politiker haben sich lautstark für die EU-Zölle auf Elektroautos ausgesprochen, was die französische Spirituosenindustrie zu einem bevorzugten Ziel chinesischer Gegenmaßnahmen macht.

Der Absatz von französischem Brandy könnte um 20 % zurückgehen

Den Analysten von Jefferies zufolge dürften die neuen Zölle den Preis für französischen Cognac in China um bis zu 20 Prozent in die Höhe treiben.

Diese Preiserhöhungen könnten zu einem Rückgang der Verkaufsmengen für französischen Brandy um bis zu 20 % führen und dem chinesischen Markt für Luxusspirituosen einen erheblichen Schlag versetzen.

Rémy Cointreau, die Marke mit der stärksten Präsenz auf dem chinesischen Markt, könnte einen Rückgang der Gesamtverkäufe um 6 Prozent verzeichnen, während für Pernod Ricard ein moderaterer Rückgang der weltweiten Verkäufe von 1,6 Prozent erwartet wird.

Für die Verbraucher in China bedeuten diese Zölle höhere Preise für Premium-Spirituosen, und Branchenanalysten erwarten eine Abkühlung der Nachfrage nach Edelbrandy.

Der Luxusmarkt, ein wichtiger Wachstumsbereich für die französischen Spirituosenhersteller, ist durch die Einführung von Zöllen nun mit Unsicherheiten konfrontiert.

Das französische Handelsministerium reagierte scharf und bezeichnete die Antidumpingmaßnahmen Chinas als „unverständlich“ und als Verstoß gegen die Prinzipien des globalen Freihandels.

Als Reaktion darauf bereitet die französische Regierung in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission vor, die chinesischen Zölle vor der Welthandelsorganisation (WTO) anzufechten.

China blieb jedoch hart und behauptete, seine Untersuchung europäischer Brandy-Importe habe erhebliche Preisverzerrungen aufgedeckt, die die Antidumpingzölle rechtfertigten.

Das chinesische Handelsministerium hat zugesagt, bis Anfang 2025 eine endgültige Entscheidung zu treffen. Sollte jedoch keine Einigung erzielt werden, besteht die Möglichkeit eines langwierigen Handelsstreits.

Marktreaktion: Französische Luxusaktien fallen

Die Aktien großer französischer Spirituosenhersteller sind nach der Ankündigung der Zölle drastisch gefallen.

Die Aktien von Remy Cointreau fielen um 8,7 %, Pernod Ricard verlor 4,2 % und LVMH, die Muttergesellschaft von Hennessy, verzeichnete einen Rückgang ihrer Aktien um 4,9 %.

Der chinesische Markt stellt für französische Cognac-Marken einen wichtigen Exportmarkt dar und die Unsicherheit im Zusammenhang mit diesen Zöllen dürfte die Aktienkurse kurzfristig stark belasten.

Den französischen Herstellern, die massiv in den Ausbau ihrer Präsenz in China investiert haben, drohen nun Umsatzrückgänge und geringeres Wachstum.

Dieser wirtschaftliche Schlag kommt zu einer Zeit, in der viele Luxusmarken bereits mit der Instabilität der globalen Märkte zu kämpfen haben.

Deutsche Autoindustrie in Gefahr

Chinas Antidumpingzölle auf EU-Brandy könnten nur der Anfang sein.

In einem damit zusammenhängenden Zusammenhang erwägt China die Einführung zusätzlicher Zölle auf die Einfuhr großmotoriger Fahrzeuge, was vor allem deutsche Automobilhersteller treffen würde.

Im vergangenen Jahr beliefen sich die deutschen Exporte von Motoren über 2,5 Liter Hubraum nach China auf 1,2 Milliarden Dollar. Sollten neue Zölle eingeführt werden, könnte dies die bereits angespannten Handelsbeziehungen zwischen der EU und China noch weiter verschärfen.

Da beide Seiten an ihrer jeweiligen Handelspolitik festhalten, besteht großes Potenzial für eine weitere Eskalation.

Während Deutschland noch nicht direkt auf diese möglichen Autozölle reagiert hat, bereitet sich die europäische Automobilindustrie auf erhebliche Auswirkungen vor, sollte China diese zusätzliche Maßnahme ergreifen.