EU treibt trotz geteilter Unterstützung Zölle auf chinesische Elektroautos voran

EU treibt trotz geteilter Unterstützung Zölle auf chinesische Elektroautos voran
Vatsala Gaur
04. Okt. 2024, 12:58 PM
  • Der Entscheidung ging eine jahrelange Untersuchung zu unfairen Subventionen durch China voraus.
  • Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Region und ein wichtiger Automobilproduzent, stimmte gegen den Vorschlag.
  • Die Verhandlungen mit China laufen weiter. Ziel ist es, eine alternative Lösung zu finden, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Die Europäische Kommission gab am Freitag bekannt, dass sie bei einer Abstimmung unter den EU-Mitgliedern genügend Unterstützung erhalten habe, um Einfuhrzölle von bis zu 45 Prozent auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge zu erheben. Dies sei der bedeutendste Handelsstreit für die Union und provoziere mögliche Vergeltungsmaßnahmen seitens Pekings.

Die für die Handelspolitik des Blocks zuständige Kommission hat als Reaktion auf eine einjährige Antisubventionsuntersuchung endgültige Zölle für die nächsten fünf Jahre vorgeschlagen. Sie hält die chinesischen Subventionen für unfair.

In einer Erklärung der EU-Kommission heißt es:

Die Zölle treten Anfang November in Kraft und werden von den Zollbeamten eingezogen.

Wer hat abgestimmt, wer hat sich enthalten, wer war dagegen?

Bei der Abstimmung am Freitag unterstützten zehn EU-Staaten die Zölle, fünf lehnten sie ab und zwölf enthielten sich.

Um den Vorschlag zu blockieren, wäre der Widerstand einer qualifizierten Mehrheit von 15 EU-Ländern, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, notwendig gewesen.

Zu den Ländern, die dafür stimmten, gehörten Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Irland, Italien, Litauen, Lettland, die Niederlande und Polen.

Die Länder stellen etwa 46 % der Bevölkerung der EU.

Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Region und ein wichtiger Automobilproduzent, stimmte gemeinsam mit Ungarn, Malta, Slowenien und der Slowakei gegen den Vorschlag.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban warnte am Freitag, die EU drohe einen „wirtschaftlichen Kalten Krieg“ mit China, wenn sie Zölle auf chinesische Fahrzeuge erhebe.

Zu den Ländern, die sich der Stimme enthielten, gehörten Belgien, die Tschechische Republik, Griechenland, Spanien, Kroatien, Zypern, Luxemburg, Österreich, Portugal, Rumänien, Schweden und Finnland.

Versuch der Autohersteller, ihre Verluste zu mildern

Die EU-Exekutive hatte zuvor gewarnt, dass den europäischen Autoherstellern ohne entschiedenes Handeln untragbare Verluste drohen könnten, was möglicherweise zu einem erheblichen Verlust von Arbeitsplätzen auf dem gesamten Kontinent führen könnte.

Die Branche hat bereits mit hohen Energiepreisen, schwacher Verbrauchernachfrage und scharfer globaler Konkurrenz zu kämpfen.

Wenn in der EU keine Maßnahmen zur Beseitigung des durch chinesische Subventionen verursachten Wettbewerbsungleichgewichts ergriffen werden, könnten rund 2,5 Millionen direkte und 10,3 Millionen indirekte Arbeitsplätze gefährdet sein.

Die zusätzlichen Zölle kommen zu dem bereits bestehenden Satz von 10 Prozent hinzu. Das bedeutet, dass einige chinesische Autohersteller mit Zöllen von über 45 Prozent rechnen müssen, wenn sie versuchen, ihre Fahrzeuge auf den EU-Markt zu bringen.

Dies liegt daran, dass auf Elektroautohersteller in China, die bei der Untersuchung der Kommission nicht kooperierten, ein Zoll von 35,3 Prozent erhoben wird.

Die konkreten Zölle variieren je nach Hersteller. Besonders hervorzuheben sind unter anderem Tesla (7,8 %), BYD (17 %) und Geely (18,8 %).

Chinas Reaktion und laufende Verhandlungen

Man erwartet, dass die Resolution eine heftige Reaktion aus Peking hervorrufen wird.

Chinesische Beamte haben die Untersuchung der Kommission bereits als „offensichtlichen protektionistischen Akt“ verurteilt und mit Vergeltungsmaßnahmen gegen EU-Sektoren wie die Milch-, Brandy- und Schweinefleischproduktion gedroht.

Diese Situation hat in den EU-Hauptstädten Besorgnis über die möglichen Auswirkungen eskalierender Handelsspannungen ausgelöst.

Parallel dazu führen chinesische Politiker intensive Verhandlungen mit ihren EU-Kollegen, um eine politische Lösung zu finden, die die Einführung zusätzlicher Zölle vermeiden soll.

Als mögliche Lösung wird die Festlegung von Mindestpreisen für Elektrofahrzeuge diskutiert. Die Umsetzung dieser Lösung könnte jedoch komplex sein und Schlupflöcher aufweisen.

Trotz der Lösung vom Freitag müssen die Verhandlungen zwischen der EU und China voraussichtlich bis zum 30. Oktober fortgesetzt werden. Dies ist die gesetzliche Frist, die die Untersuchung der Kommission gesetzt hat.

Vor allem Deutschland räumt diesen Gesprächen höchste Priorität ein, weil es befürchtet, dass ein Handelskrieg nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ seiner ohnehin schwächelnden Wirtschaft weiteren Schaden zufügen könnte.

Bundeskanzler Olaf Scholz betonte, wie wichtig es sei, die EU-Wirtschaft vor unfairen Handelspraktiken zu schützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Reaktion darauf den europäischen Interessen nicht schade.