Rohöl verzeichnet einen starken wöchentlichen Rückgang; enge US-Marktgrenzen weitere Rückgänge

Rohöl verzeichnet einen starken wöchentlichen Rückgang; enge US-Marktgrenzen weitere Rückgänge
Sayantan Sarkar
30. Juni 2025, 10:33 AM
  • EU erlaubt flexiblere Ziele für die Gasspeicherung, um die Preisvolatilität einzudämmen.
  • Flexible Ziele sollen verhindern, dass die Mitgliedstaaten überteuertes Gas kaufen, um die Speicherfristen einzuhalten.
  • Ein weiterer Rückgang der Ölpreise war in dieser Woche aufgrund der zunehmenden Anspannung auf dem US-Markt nicht möglich.

Die Risikoprämie für Rohöl schwächte sich in dieser Woche deutlich ab, und die Preise dürften am Freitag ihren stärksten Wochenrückgang seit März 2023 verzeichnen.

Ein weiterer Rückgang der Ölpreise wurde jedoch aufgrund eines angespannten US-Marktes gestoppt, so Experten.

In dieser Woche fielen die Rohölpreise der Sorte Brent von fast 80 $ pro Barrel auf unter 70 $ pro Barrel, während Rohöl der Sorte West Texas Intermediate am Freitag um 65 $ pro Barrel schwankte.

Nachdem Israel am 13. Juni iranische Atomanlagen angegriffen hatte, folgte ein 12-tägiger Krieg.

In diesem Zeitraum stiegen die Rohölpreise der Sorte Brent zunächst auf über 80 $ pro Barrel.

In der Folge fielen die Preise jedoch auf 67 US-Dollar pro Barrel, nachdem US-Präsident Donald Trump einen Waffenstillstand zwischen dem Iran und Israel erklärt hatte.

"Der WTI für den Frontmonat hat eine gewisse Unterstützung um 64,50 bis 65,00 US-Dollar gefunden, und der tägliche MACD (Moving Average Convergence and Divergence) zeigt Anzeichen eines Rückzugs von stark überkauften Niveaus", sagte David Morrison, Senior Market Analyst bei Trade Nation.

EIA-Daten stützen die Preise

Ein weiterer Rückgang der Ölpreise war in dieser Woche aufgrund der zunehmenden Anspannung auf dem US-Rohölmarkt nicht möglich.

Die US-Rohölvorräte übertrafen die Erwartungen deutlich und sanken in der Berichtswoche bis zum 20. Juni um 5,8 Millionen Barrel, wie aus den Daten der Energy Information Administration hervorgeht.

Dieser deutliche Rückgang deutet auf einen angespannten US-Markt hin, da die kommerziellen Rohölvorräte nun fast 11 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt für diesen Zeitraum liegen.

Die Verarbeitung in der Raffinerie erreichte den Daten zufolge ein ungewöhnlich hohes Niveau von fast 17 Millionen Barrel pro Tag.

Nichtsdestotrotz gingen die Benzinvorräte gegenüber der Vorwoche unerwartet um 2 Millionen Barrel zurück und widersetzten sich damit den Erwartungen eines leichten Anstiegs.

Hauptgrund dafür war ein deutlicher Anstieg der US-Benzinnachfrage auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag.

"Es muss jedoch gesagt werden, dass diese Zeitreihen sehr volatil sind. Grundsätzlich sind die Benzinaktien (mit einem Minus von 3% gegenüber dem üblichen Niveau) nicht so knapp wie die Rohölaktien in den USA", sagte Barbara Lambrecht, Rohstoffanalystin bei der Commerzbank AG.

Weitere Entspannung auf dem europäischen Gasmarkt

Der EU-Rat hat sich gemeinsam mit dem Parlament vorläufig darauf geeinigt, den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität bei der Erfüllung ihrer Ziele für die Befüllung von Gasspeichern einzuräumen.

Die Mitgliedstaaten können nun bis zu 10 Prozentpunkte vom bisherigen Ziel einer Füllquote von 90 % abweichen, bevor die Austrittsphase beginnt.

Sollten sich die Marktbedingungen als ungünstig erweisen, ist eine zusätzliche Abweichung von fünf Prozentpunkten zulässig.

Darüber hinaus hat die EU die Frist für die Erreichung des Ziels um zwei Monate verlängert, und zwar bis etwa zum 1. November.

"Die Maßnahmen sollen die Preisvolatilität dämpfen", sagte Lambrecht.

Nach einem deutlichen Rückgang der Speicherstände nach dem Winter und dem anschließenden Anstieg der Gaspreise schien das Erreichen des 90-Prozent-Ziels zu Jahresbeginn zweifelhaft.

Um zu verhindern, dass die Mitgliedstaaten überteuertes Gas auf dem Spotmarkt kaufen, um die Speicherfristen einzuhalten, wurden die Ziele flexibilisiert.

Nachfrageseite

Eine weitere Entlastung der europäischen Gaspreise gibt es von der Nachfrageseite.

Für Juni rechnet Kpler mit einem deutlichen Rückgang der chinesischen LNG-Importe im Vergleich zum Vorjahr.

"Der Grund dafür dürften starke Pipeline-Zuflüsse wie aus Russland sein", so Lambrecht.