Analyse: OPEC+-Produktionserhöhung erhöht Abwärtsrisiken für Öl
- Die OPEC+ erhöhte die Ölproduktion im Oktober um 137.000 bpd und begann, die Kürzungen rückgängig zu machen; mit 1,65 Millionen bpd.
- Commerzbank warnt vor einem deutlichen Ölüberangebot, das durch die OPEC+-Produktion noch verschärft wird.
- Die Commerzbank senkte die Brent-Prognose auf 65 $/Barrel und begründete dies mit erhöhten Risiken und dem Fokus der OPEC+ auf Marktanteile.
Die jüngste Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder und ihrer Verbündeten, die Produktion im Oktober weiter zu steigern, dürfte die Abwärtsrisiken für die globalen Ölpreise erhöhen, so die Commerzbank AG.
In einem Schritt, der einen strategischen Wandel hin zur Rückgewinnung von Marktanteilen signalisiert, kündigte die OPEC+-Allianz am Sonntag eine weitere Erhöhung der Ölproduktion um 137.000 Barrel pro Tag (bpd) für Oktober an.
Mit dieser Entscheidung beginnt die zweite Phase der Rücknahme der freiwilligen Produktionskürzungen, die ursprünglich bis Ende 2026 andauern sollten.
Die kumulativen Auswirkungen dieser Anpassungen könnten in den kommenden Monaten weitere 1,65 Millionen bpd auf den Weltmarkt bringen, eine Zahl, die nach Ansicht von Experten wahrscheinlich nicht die endgültige Anpassung sein wird.
Das nächste virtuelle Treffen, das für den 5. Oktober geplant ist, wird voraussichtlich weitere Produktionssteigerungen bringen.
Sich verändernde Marktdynamik und Erklärungen
Die offizielle Begründung der OPEC+ für die Produktionserhöhung spiegelte frühere Aussagen wider und führte einen "stabilen Wirtschaftsausblick, gesunde Fundamentaldaten und niedrige Ölvorräte" an.
Diese Einschätzung mag zwar für die aktuellen Ölvorräte in den OECD-Ländern, insbesondere in den USA und Europa, zutreffen, bietet aber einen Rückblick.
"Das ist ein Blick in den Rückspiegel", sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank AG.
Er fügt hinzu, dass die Ölreserven der OECD nur ein unvollständiges Bild darstellen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtete in ihrem Monatsbericht vom August, dass sich die weltweiten Ölvorräte seit fünf Monaten in Folge in einem Aufwärtstrend befinden und im Juni mit 7.836 Millionen Barrel ein 46-Monats-Hoch erreicht haben.
Diese Menge reicht aus, um den täglichen Verbrauch von 21,5 Millionen Barrel für ein ganzes Jahr zu decken, was in etwa dem täglichen Ölverbrauch der USA entspricht.
Der derzeitige Ölmarkt hat bereits mit einem erheblichen Überangebot zu kämpfen, das im vierten Quartal 2025 und in der ersten Hälfte des Jahres 2026 auf mehr als 2 Millionen bpd geschätzt wird.
Die anhaltende Ausweitung der OPEC+-Produktion wird dieses Ungleichgewicht noch verschärfen und zu einer weiteren Anhäufung von Lagerbeständen führen.
"Das ohnehin schon erhebliche Überangebot auf dem Ölmarkt könnte sich durch den weiteren Ausbau der OPEC+-Produktion noch vergrößern", erklärt Fritsch und betont das Potenzial für einen weiteren Aufbau der Lagerbestände.
Rätselhafte Preisreaktionen und zugrundeliegende Faktoren
Die unmittelbare Marktreaktion auf die Ankündigung der OPEC+ war etwas kontraintuitiv, da die Ölpreise am Montag um über 2% stiegen.
Dieser Anstieg sei jedoch vor allem auf frühere Gerüchte über die Produktionserhöhung zurückzuführen, die bereits seit dem vergangenen Mittwoch zu einem deutlichen Rückgang der Ölpreise geführt hätten, sagte Fritsch.
Für etwas Rückenwind sorgten auch die chinesischen Rohölimportdaten, die am Montagabend veröffentlicht wurden und im August einen spürbaren Anstieg zeigten. Dennoch glich die Kursrallye die Verluste vom Freitag, die durch schwache US-Arbeitsmarktdaten ausgelöst wurden, lediglich aus.
Erhöhte Abwärtsrisiken und eine strategische Neuausrichtung
Die OPEC+-Entscheidung verstärkt laut Fritsch eindeutig die Abwärtsrisiken für die Ölpreise.
Bereits zuvor waren Bedenken über ein drohendes Überangebot geäußert worden, und dieser jüngste Schritt der OPEC+ bestätigt einen grundlegenden Strategiewechsel des erweiterten Produktionskartells.
Dabei geht es nicht mehr nur um die Stabilisierung des Ölmarktes und die Aufrechterhaltung des hohen Ölpreises, sondern um die Rückeroberung von Marktanteilen.
Fritsch fügte hinzu:
Bleibt die entscheidende Frage: Wo liegt die "Schmerzgrenze" für die OPEC+, und ab wann werden die Ölpreise so tief fallen, dass die Gruppe interveniert und das Angebot erneut drosselt?
Bemerkenswert ist, dass die OPEC+ diese Option in ihrer Pressemitteilung ausdrücklich offen gehalten hat.
"Riad und seine Verbündeten haben einen entscheidenden Schwenk signalisiert: Die Verteidigung des Marktanteils überwiegt jetzt die Verteidigung der Preise", sagte der Chefökonom von Rystad Energy, Claudio Galimberti, in einem per E-Mail versandten Kommentar.
Geopolitische Spannungen und Ausgleich von Versorgungsrisiken
Dass die Ölpreise bisher nicht deutlicher gesunken sind, ist vor allem auf die zuletzt gestiegenen geopolitischen Versorgungsrisiken zurückzuführen.
Die anhaltenden ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur stellen eine glaubwürdige Gefahr von Unterbrechungen der russischen Ölversorgung dar.
Darüber hinaus könnten die USA die Sanktionen gegen Russland und seine Ölkäufer verschärfen, wenn der Konflikt in der Ukraine andauert und die russischen Drohnenangriffe auf zivile Ziele anhalten.
US-Präsident Donald Trump hat jüngst explizite Drohungen ausgesprochen, um den Kreml unter Druck zu setzen.
US-Finanzminister Bessent hat auch die Möglichkeit angesprochen, dass die USA und die EU Sekundärzölle gegen Käufer von russischem Öl erheben könnten, ähnlich wie bei den bestehenden Maßnahmen gegen Indien.
In jüngster Zeit haben die USA den Druck auf den Iran erhöht, indem sie ein Netzwerk von Reedereien und Schiffen auf ihre Sanktionsliste wegen angeblichen iranischen Ölschmuggels gesetzt haben.
Auch Venezuela ist wieder ins Rampenlicht der US-Regierung gerückt, da das Maduro-Regime mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht wird. Vor diesem Hintergrund bleibt die Zukunft der jüngsten Genehmigung der US-Regierung für die Rohölförderung und den Export aus Venezuela ungewiss.
Angepasste Ölpreisprognosen
Angesichts der gestiegenen Abwärtsrisiken hat die Commerzbank AG ihre Prognose für den Rohölpreis der Sorte Brent für das kommende Jahr auf 65 US-Dollar pro Barrel nach unten korrigiert und damit die bisherige Prognose von 70 US-Dollar nach unten korrigiert.
Fritsch fügte hinzu:
Die Prognose für Ende 2025 bleibt jedoch bei 65 $ pro Barrel, wobei die genannten Versorgungsrisiken berücksichtigt werden.
Erhebliche Abweichungen von dieser Prognose sind in beide Richtungen möglich, abhängig von den sich entwickelnden Marktnachrichten.
Der WTI-Ölpreis wird voraussichtlich bei 62 $ pro Barrel gehandelt, was einem Abschlag von 3 $ gegenüber Brent entspricht.
Die vorherige Prognose für 2026 lag bei 67 $.
Es wird erwartet, dass der Dieselpreis bis Ende 2025 unverändert bei 660 US-Dollar pro Tonne bleiben wird.
Die Preisprognose für Ende 2026 für Diesel wurde aufgrund der niedrigeren Brent-Prognose auf 630 $ (von 660 $) gesenkt, da ein niedrigerer Crack-Spread nicht mehr durch einen höheren Ölpreis ausgeglichen wird.
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