Warum fällt Gold? Safe‑Haven durch Dollarstärke und Öl‑Anstieg verdrängt
- Unerwarteter $200‑Rückgang bei Gold seit den Luftangriffen am 28. Februar.
- Anstieg des US‑Dollars durch Flucht in sichere Häfen verdrängt die Rolle des Goldes.
- Ölpreisanstieg, Bedrohung der Straße von Hormus und Inflationsdruck auf die Fed‑Politik.
Die Goldpreise gaben nach, nachdem Öl wegen Iran‑Kriegsängsten auf $100 pro Barrel gestiegen war; zudem belasteten Inflationssorgen die Stimmung.
Das gelbe Metall steckt derzeit zwischen den üblichen Safe‑Haven‑Nachfrage‑Dynamiken und der Dollarstärke, die durch den Ölpreisaufschwung verstärkt wird.
Analysten erwarten, dass die Goldpreise auf dem aktuellen Kurs bleiben, bis ein klareres Bild über den Krieg im Nahen Osten entsteht.
Zudem zog die Stärke des Dollars gegenüber einem Korb wichtiger Währungen die Goldpreise am Donnerstag nach unten.
Ein stärkerer Dollar macht in US‑Dollar bepreiste Rohstoffe für ausländische Käufer teurer.
Viele Marktbeobachter zeigen sich seit Beginn des Konflikts über die Entwicklung von Gold ratlos.
Rätsel um die Entwicklung von Gold
Trotz seiner historischen Rolle als verlässlicher Safe‑Haven in geopolitischen Krisen ist Gold seit den ersten Luftschlägen am 28. Februar überraschend um etwa $200 gefallen und damit einer typischen Marktreaktion zuwidergelaufen.
„Die Erklärung liegt in der unmittelbaren Folge der Angriffe, als der US‑Dollar als Hauptprofiteur der Ströme der Flucht in sichere Häfen anstieg und damit die übliche Rolle des Goldes effektiv verdrängte“, sagte Gary Wagner, technischer Marktanalyst bei Kitco, in einem Bericht.
Der Fokus des Marktes hat sich jüngst verschoben. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, wie ein länger andauernder Konflikt, der die Energieversorgung stört, den geldpolitischen Kurs der Federal Reserve verändern könnte.
Diese Verschiebung des Fokus ist wiederum zu einem wichtigen Einflussfaktor für den Goldpreis geworden.
Höhere Inflation belastet Gold
Nach Irans Angriff auf Handelsschiffe am Mittwoch erklärte Teheran, die Weltgemeinschaft müsse sich auf $200 pro Barrel einstellen.
Als Reaktion auf das, was als einer der schwersten Ölschocks seit den 1970er Jahren beschrieben wird, hat die Internationale Energieagentur (IEA) dringend zu einer erheblichen Freigabe strategischer Reserven aufgerufen.
Vor dem Hintergrund des anhaltenden US‑israelischen Konflikts mit Iran bleiben Lieferungen aus dem Golf eingeschränkt, was die Ölpreise im frühen Handel in die Höhe treibt und den Inflationsdruck verstärkt.
Berichten zufolge hat Iran außerdem rund ein Dutzend Minen in der engen Wasserstraße der Meerenge verlegt.
Diese Maßnahme droht die Bemühungen, diese wichtige Passage für weltweite Öl‑ und verflüssigte Erdgastransporte wieder zu öffnen, erheblich zu erschweren.
Produzenten im Nahen Osten haben die Ölförderung ausgesetzt, da die Lagerbestände die Kapazität zu erreichen drohen, wodurch Tanker seit über einer Woche in der Straße von Hormus festsitzen.
Die Auswirkungen des Konflikts reichen über finanzielle Mechanismen hinaus und unterstreichen die sich wandelnden geopolitischen Sorgen um die Sicherheit der Lieferketten.
Die Straße von Hormus ist eine lebenswichtige Engstelle; sie wickelt traditionell den Transit von rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag ab und macht damit über ein Viertel (25 %) des weltweiten Seeölhandels aus.
Insbesondere sind die asiatischen Märkte stark auf diese Route angewiesen und erhalten fast 90 % der Rohöl‑ und Kondensatexporte, die durch sie gehen.
Andererseits zeigten US‑Wirtschaftsdaten am Mittwoch, dass der Verbraucherpreisindex (CPI) im Februar um 0,3 % gestiegen ist, den Prognosen entsprach und eine Beschleunigung gegenüber dem Anstieg von 0,2 % im Januar darstellte.
Auf Jahresbasis stieg der CPI bis Februar um 2,4 %, was ebenfalls den Erwartungen entsprach.
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die verzögerte Veröffentlichung des Personal Consumption Expenditures (PCE)‑Index für Januar, die Investoren am Freitag erwarten.
Die Inflation wird voraussichtlich deutlich beeinflusst.
Jede Andeutung sinkender Energiekosten in den Februardaten dürfte laut Wagner schnell wieder aufgehoben werden; für März und April werden Berichte mit einer deutlichen Umkehr erwartet, da Lieferunterbrechungen den Markt beeinflussen.
„Diese Aussicht hat den Zinsweg der Fed erheblich unklarer gemacht, und es ist diese Unsicherheit – mehr als die geopolitischen Schlagzeilen selbst – die offenbar am stärksten auf Gold drückt.“
Kurzfristige Aussichten
Gold‑Futures verzeichneten einen Rückgang und fielen am Mittwoch zunächst um $14.80.
Dieser Abwärtstrend setzte sich in den Übernacht‑Handel am Donnerstag fort, wobei der Kontrakt um weitere $12.00 fiel und in Überseemärkten bei $5,166.00 gehandelt wurde.
„Das Muster deutet auf anhaltenden Verkaufsdruck hin, solange der Dollar fest bleibt und der Markt darüber debattiert, wie weit ein Energieschock im Nahen Osten die Fed von ihrem Kurs abbringen könnte“, fügte Wagner hinzu.
Marktteilnehmer, darunter Händler und Analysten, konzentrieren sich auf zwei Schlüsselfaktoren: Signale einer Deeskalation aus diplomatischen Gesprächen und die Stabilisierung der Ölpreisvolatilität, die derzeit ein Hauptfaktor für die Einschätzung des Inflationsrisikos in Bezug auf die Fed‑Zinserwartungen ist.
„Bis eine dieser Fragen geklärt ist, dürfte Gold weiterhin zwischen seiner traditionellen geopolitischen Prämie und dem Gegenwind durch die Dollarstärke gefangen sein, der seinen Handel seit Ende Februar geprägt hat“, fügte Wagner hinzu.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels notierte der COMEX‑Goldkontrakt bei $5,160.26 pro Unze, ein Minus von 0,4 %, während Silber bei $85.480 pro Unze lag, ein Minus von 0,1 %.
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