Eli Lilly fällt nach Rallye von sechs Monaten – ist das eine Kaufgelegenheit?

Eli Lilly fällt nach Rallye von sechs Monaten – ist das eine Kaufgelegenheit?
Ananthu C U
17. März 2026, 16:44 PM
  • Eli Lilly fällt nach HSBC‑Herabstufung um 4 % aufgrund von Bewertungsbedenken.
  • Prognose für den Markt für Adipositasmedikamente auf $80 Mrd.–$120 Mrd. bis 2032 gesenkt.
  • Analysten warnen vor verschärftem Preisdruck und zunehmendem Wettbewerb.

Die Aktien von Eli Lilly gerieten am Dienstag unter Druck, nachdem HSBC die Aktie herabgestuft hatte und damit neue Fragen dahingehend aufwarf, ob sich der starke Lauf des Pharmakonzerns im Markt für Adipositasmedikamente fortsetzen kann oder ob Investoren die Bewertungen neu bewerten sollten.

Die Aktie fiel nach der Herabstufung um 4,2 %, obwohl sie über das vergangene Jahr hinweg weiterhin zu den besten Large-Cap-Aktien im Gesundheitswesen gehört.

Lilly-Aktien liegen im Verlauf der letzten 12 Monate noch etwa 14 % im Plus und übertreffen damit deutlich den Rivalen Novo Nordisk, dessen Aktie im selben Zeitraum um mehr als 54 % gefallen ist.

Bewertungsbedenken führen zur Herabstufung

HSBC-Analyst Rajesh Kumar stufte Eli Lilly von „Halten“ auf „Reduzieren“ herab und senkte das Kursziel von $1.070 auf $850 mit der Begründung, die Aktie könne den Fundamentaldaten vorausgelaufen sein.

Trotz der Herabstufung wurde das operative Geschäft des Unternehmens vom Analysten nicht grundsätzlich negativ bewertet. Das zentrale Problem scheint vielmehr die Bewertung zu sein.

Die Aktie sei derzeit „auf Perfektion eingepreist“, schrieb Kumar, und deutete damit an, dass ein Großteil des Optimismus in Bezug auf Lillys Wachstumsaussichten bereits im Aktienkurs enthalten sei.

Die Herabstufung spiegelt eine wachsende Debatte unter Investoren wider, ob der Boom bei Adipositasmedikamenten die aktuellen Erwartungen halten kann, insbesondere da der Wettbewerb zunimmt und sich die Preisgestaltung verändert.

Prognosen für den Markt für Adipositasmedikamente unter Beobachtung

Ein wesentlicher Treiber der zurückhaltenden Haltung von HSBC ist die überarbeitete Einschätzung des gesamt adressierbaren Marktes (TAM) für Adipositasmedikamente.

Kumar hält die Konsenserwartung eines Marktes von über $150 Milliarden für zu optimistisch.

Stattdessen prognostiziert er, dass der TAM bis 2032 zwischen $80 Milliarden und $120 Milliarden liegen wird.

Diese Neubewertung erfolgt, da der Preisdruck im Sektor zunimmt, insbesondere durch den Wettbewerb von Novo Nordisk, dem Hersteller von Wegovy.

„Zunehmende Working‑Capital‑Intensität bei Lilly, offensichtlicher Preisdruck und Rabattsysteme bei beiden Unternehmen deuten für uns darauf hin, dass sich die Preisdynamik voraussichtlich verschlechtern wird“, schrieb der Analyst.

Die divergierenden Aussichten von Lilly und Novo Nordisk haben bei Investoren ebenfalls Besorgnis ausgelöst.

„Die Abweichung der Guidance von Lilly gegenüber der von Novo ist nicht nur für uns, sondern für die meisten Investoren verwirrend“, fügte Kumar hinzu.

Er führte einen Teil dieser Lücke auf Lillys Erfolg im Direktverkauf an Selbstzahler zurück, der seiner Ansicht nach stärker preisgetrieben als produktdifferenzierend sei.

Risiken in der Pipeline und Wettbewerbsdruck

Während Lilly sein Portfolio an Adipositasmedikamenten weiter ausbaut, wies HSBC auch auf potenzielle Risiken im Zusammenhang mit kommenden Produkten hin.

Die Markteinführung der einmal täglich einzunehmenden orforglipron‑Tablette später in diesem Jahr dürfte den Zugang zu Gewichtsreduktionsbehandlungen erweitern. Kumar warnte jedoch davor, dass die Erwartungen zu hoch sein könnten.

„Wir denken, dass Compliance und Persistenz dieser Medikamente enttäuschen könnten“, schrieb Kumar.

Aktuelle Marktschätzungen von $1,1 bis $1,3 Milliarden Umsatz im Jahr 2026 durch das Medikament werden als optimistisch angesehen, insbesondere da sie teilweise an Lillys Vorlaunch‑Lagerbestand in Höhe von $1,5 Milliarden gekoppelt sind.

Gleichzeitig wird erwartet, dass Novo Nordisk aggressiv konkurriert und der Preisdruck sich wahrscheinlich verstärkt, da beide Unternehmen Marktanteile gewinnen wollen.

Trotz dieser Bedenken betonte HSBC, dass der Gesundheitssektor insgesamt attraktiv bleibe und als relativ defensiver Bereich inmitten weitreichender makroökonomischer Unsicherheit zu sehen sei.

Für Lilly lautet die zentrale Frage für Investoren jedoch, ob der jüngste Rückgang eine Kaufgelegenheit darstellt oder ein Signal dafür ist, dass die Erwartungen an den Markt für Adipositasmedikamente neu kalibriert werden müssen.

Nach Daten von TipRanks gaben 16 von 19 Analysten eine Kaufempfehlung, 2 eine Halten‑Empfehlung und 1 eine Verkaufsempfehlung ab; HSBC war dabei die einzige Verkaufsnote.

Die konsensuelle Analystenempfehlung für Eli Lilly bleibt trotz der vorsichtigen Warnungen von HSBC positiv.