Kann Iran einen Schock am US-Anleihemarkt auslösen? Wall Street ist angespannt

Kann Iran einen Schock am US-Anleihemarkt auslösen? Wall Street ist angespannt
Devesh Kumar
23. März 2026, 07:49 AM
  • 10-year Treasury yield jumps from 4.05% to 4.39% in March.
  • Oil surge fuels inflation fears, reversing typical safe-haven flows.
  • Breakeven inflation rises to 2.4% as markets reprice risks

Die globalen Aktienmärkte taumeln bereits wegen der Eskalation des Krieges im Nahen Osten, und Irans jüngste Warnungen haben diese Spannungen verschärft.

Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, sagte, „finanzielle Einrichtungen, die das US-Militärbudget finanzieren“, sollten als legitime Ziele behandelt werden.

Die Warnung nennt nicht explizit Inhaber von Treasury-Anleihen, ist aber weit genug gefasst, um Investoren zu verunsichern.

Die Entwicklungen lassen den US-Anleihemarkt, der lange als weltweiter Zufluchtsort in Krisen galt, plötzlich weniger komfortabel erscheinen.

In den vergangenen Wochen ist ein klarer Trendbruch zu beobachten: US-Staatsanleihen werden mit zunehmender Kriegsintensität abverkauft.

Treasury-Renditen: sicherer Hafen in Frage gestellt

Das deutlichste Zeichen für diese Verschiebung ist die Bewegung der 10-jährigen Treasury-Rendite.

Die Referenzrendite lag am 2. März bei etwa 4.05%, stieg bis zum 11. März auf 4.21% und erreichte am 20. März 4.39%.

Das ist ein ungewöhnlich scharfer Anstieg für einen Vermögenswert, der normalerweise von Flucht-in-sichere-Häfen-Nachfrage bei geopolitischen Schocks profitiert.

Die Hauptursache für den Trend sind die steigenden Ölpreise.

Die Ölpreise schnellten angesichts der sich zuspitzenden Spannungen im Nahen Osten stark nach oben, und bis Ende März wurde der Krieg nicht mehr als ein regional begrenztes Ereignis, sondern als direkte Bedrohung für die globale Inflation behandelt.

Auch die Inflationserwartungen spiegeln diesen Druck wider.

Die 10-jährige Treasury-Breakeven-Rate, ein eng beobachteter Marktindikator für die erwartete zukünftige Inflation, stieg Mitte März auf rund 2.37% bis 2.40% von 2.25% Ende Februar.

Sassan Ghahramani von SGH Macro Advisors sagte Reuters, Iran könne möglicherweise „Taktiken der verbrannten Erde“ einsetzen, die darauf abzielen, die Weltwirtschaft zu schädigen und ein Ende des Krieges zu erzwingen.

„Taktiken der verbrannten Erde“ bedeuten das gezielte Zerstören kritischer Infrastrukturen, Ressourcen oder Versorgungssysteme, sodass die Weltwirtschaft nicht normal funktionieren kann.

Eine Schuldenfalle im Krieg

Diese Frage trifft zu einem besonders fragilen Zeitpunkt für die US-Staatsfinanzen.

Die Staatsverschuldung belief sich im Januar auf über $38.5 trillion, und CBO-bezogene Projektionen, die im Januar zitiert wurden, setzen die Nettozinsaufwendungen für das Haushaltsjahr 2026 auf etwa $1.039 trillion an.

Diese Summe übersteigt komfortabel die Ausgaben für nationale Sicherheit, und hier beginnen sich die Kriegsgeschichte und die Schuldenstory gegenseitig zu verstärken.

Höhere Ölpreise erhöhen die Inflationserwartungen, was die Treasury-Renditen nach oben treibt, und höhere Renditen machen es für Washington teurer, sowohl die bestehende Verschuldung als auch etwaige neue militärische Verpflichtungen zu finanzieren.

Das erste Quartal des Haushaltsjahres 2026 lieferte bereits eine Vorschau.

Die Nettozinszahlungen beliefen sich von Oktober bis Dezember auf $270.3 billion, etwas mehr als die $266.9 billion, die die Bundesregierung für Verteidigung ausgab.

Der nächste Test für die Wall Street

Die Wall Street ist unruhig, weil dies nicht dem üblichen Krisenskript entspricht.

Die Aktien wurden bereits durch den Krieg erschüttert, Öl bleibt erhöht, und die Treasury-Renditen haben sich in eine Richtung bewegt, die darauf hindeutet, dass Investoren mehr Entschädigung verlangen.

Ian Bremmer, Präsident der Eurasia Group, sagte in einem Interview bei Bloomberg Television, dass der Iran-Krieg noch nicht in den Märkten „eingepreist“ sei.

Die Warnung trifft insbesondere die Anleihen hart, wo der nächste Schock nicht aus einer verpassten Kuponzahlung resultieren könnte, sondern aus der einfachen Erkenntnis, dass die Geopolitik nun die Finanzierungskosten Amerikas treffen kann.