Shell, BP und TotalEnergies fallen, Öl stürzt nach US-Iran-Waffenstillstand

Shell, BP und TotalEnergies fallen, Öl stürzt nach US-Iran-Waffenstillstand
Devesh Kumar
08. Apr. 2026, 10:34 AM
  • Europäische Energieaktien fallen deutlich, nachdem ein Waffenstillstand zwischen den USA und Iran die Rohölpreise gesenkt hat.
  • Equinor, Aker BP und Var Energi sinken, als Brent um 13% fällt.
  • Investoren verfolgen die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Dauerhaftigkeit des Waffenstillstands genau.

Europäische Öl- und Gasaktien gaben am Mittwoch deutlich nach, nachdem die Vereinigten Staaten und Iran einem zweiwöchigen Waffenstillstand zugestimmt hatten, was die Ölpreise drückte und Investoren veranlasste, Positionen in einem Sektor aufzulösen, der aufgrund von Befürchtungen anhaltender Angebotsstörungen zuvor stark gestiegen war.

Der Öl- und Gasindex der Region fiel um 4,3% und steuert damit auf seinen größten Tagesverlust seit April 2025 zu.

Der Index liegt dennoch in diesem Jahr bisher fast 30% im Plus, was unterstreicht, wie stark Energieaktien zugelegt hatten, als sich die Spannungen im Nahen Osten verschärften und Händler das Risiko engerer Öl- und Gaslieferungen einpreisten.

Brent fiel um 13% auf $95 je Barrel, während US-Öl um 15% auf $95.81 nachgab nachdem Präsident Donald Trump eine vorübergehende Waffenruhe mit Iran angekündigt hatte.

Dem Waffenstillstand zufolge sollte dieser an die sofortige und sichere Wiedereröffnung der Straße von Hormus gebunden sein, einer wichtigen Verkehrsader für globale Öl- und Gaslieferungen.

Energieaktien führen die Verluste an

Der starke Rückgang bei Rohöl schlug unmittelbar auf die Energieaktien durch, wobei einige der größten Produzenten der Region zu den stärksten Verlierern zählten.

Equinor sank um 13% und war damit der schwächste Wert im Leitindex von Oslo, während Var Energi um 12% und Aker BP um 15% fielen.

Der Ausverkauf weitete sich branchenweit aus.

BP und Shell lagen rund 6 bis 7% im Minus, während Italiens Eni und Frankreichs TotalEnergies jeweils 9% bzw. 8% verloren.

Auch Spaniens Repsol fiel um 8%, womit der europäische Öl- und Gasindex der schwächste Sektor der Region war.

Warum die Rohölpreise einbrachen

Der Rückgang bedeutete eine deutliche Umkehr der Handelsbewegung, die die Märkte wochenlang dominiert hatte.

Die Ölpreise und Energieaktien waren gestiegen, weil Befürchtungen bestanden, dass der Konflikt in der Region, kombiniert mit Unterbrechungen der Gaslieferungen aus Katar und der faktischen Schließung der Straße von Hormus, wichtige Lieferströme abwürgen und die globalen Energiemärkte verknappen könnte.

Der Waffenstillstand änderte diese Kalkulation, zumindest vorerst.

Indem er die Befürchtungen eines unmittelbaren Angebotschocks linderte, nahm er einen Teil des geopolitischen Risikoaufschlags aus den Rohölpreisen und damit auch aus den Aktienkursen der Öl- und Gasproduzenten heraus.

Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus würde den Druck auf die physischen Märkte weiter verringern und könnte einen stärkeren Preisrückgang begünstigen.

„Rohölpreise reagieren sehr sensibel auf geopolitische Entwicklungen, und ein Waffenstillstand könnte kurzfristig als negativ für die Preise gewertet werden“, sagte Howie Lee, Ökonom bei der OCBC Bank in Singapur.

Worauf Anleger achten

Die nächste Entwicklung sowohl bei Öl- als auch bei Energieaktien hängt davon ab, ob der Waffenstillstand Bestand hat und ob sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisiert.

Anleger werden nach Anzeichen suchen, dass Tanker sicher durch die Wasserstraße verkehren können und dass sich die regionalen Lieferketten nach wochenlangen Störungen zu stabilisieren beginnen.

Für Aktienmärkte ist die unmittelbare Schlussfolgerung klar: Niedrigere Rohölpreise sind ein Gegenwind für die Gewinnentwicklung der Produzenten und ein Anlass, nach einem starken Anstieg Gewinne mitzunehmen.

Dennoch, da der Sektor in diesem Jahr fast 30% zulegte, könnte der Ausverkauf am Mittwoch weniger als ein Vertrauensverlust denn als eine Neubewertung des Risikos gesehen werden, da die Gefahr einer lang anhaltenden Versorgungskrise zu schwinden beginnt.