ING sieht Gold bis Jahresende nahe $5,000/oz trotz aktueller Schwäche

ING sieht Gold bis Jahresende nahe $5,000/oz trotz aktueller Schwäche
Sayantan Sarkar
11. Mai 2026, 16:34 PM

Unterstützt von

Invezz
Long‑Position auf COMEX‑Gold (GC)

Long‑Positionen in COMEX‑Juni‑Gold‑Futures (GC) oder ein Gold‑ETF wie GLD. Der Artikel stellt fest, dass der Ausverkauf makrogetrieben ist (höheres Öl, höhere reale Renditen, stärkerer USD), doch ING zielt weiterhin auf $5,000/oz bis Jahresende. Der Katalysatoren‑Stack besteht aus Käufen der Zentralbanken (China +8.1t, Polen +31t) plus positiven ETF‑Zuflüssen ($6.6B Zuflüsse im April) und einem weiterhin netto langen Managed‑Money‑Sektor an der COMEX. Sobald Fed‑Senkungserwartungen zunehmen, sollten sich Flüsse und Preis schnell neu ausrichten.

Kernrisiko: Ein Zusammenbruch der Friedensgespräche und anhaltend hohe Energiepreise, die reale Renditen und den Dollar hoch halten, sodass Gold nicht aufholen kann.

Abbau der Dollar‑Stärke (UUP‑Short)

Verkauf des US‑Dollar‑ETFs (UUP) oder Short‑Positionen via USD‑Index‑Exponierung. ING hebt explizit den Dollar und reale Renditen als die wichtigsten Einschränkungen für Gold hervor. Wenn die Stärke der Beschäftigungsdaten nachlässt oder die Inflation ausreichend abkühlt, sodass Fed‑Lockerungen vorgezogen werden, sollte der Dollar schwächen und damit das Hauptgegenwind für Gold beseitigen sowie Risk‑Assets stützen.

Kernrisiko: US‑Daten bleiben stark und die Fed verharrt auf einem länger hohen Kurs, was den Dollar stützt und einen Gold/FX‑Abbau zunichtemacht.

  • Gold seit Iran‑Krieg um 12 % gesunken, unter Druck durch Renditen und starken Dollar.
  • ING‑Strategin Manthey: Energieschock hält die Fed zurück und belastet das Edelmetall.
  • Zentralbankkäufe und ETF‑Zuflüsse stützen die Aussicht auf ein Ziel von $5,000/oz.

Gold ist seit Beginn des Iran‑Konflikts um rund 12 % gefallen, und widersetzt sich damit seiner traditionellen Rolle als sicherer Hafen

Die ING‑Strategin Ewa Manthey erklärt, der Ausverkauf spiegle makroökonomische Gegenwinde durch höhere Ölpreise, stärkere Renditen und einen stärkeren Dollar wider, prognostiziert aber zugleich, dass die Preise bis Jahresende noch auf $5,000 pro Unze steigen könnten.

Quelle: ING Research

Golds kontraintuitiver Rückgang

Gold gilt typischerweise als Absicherung in Krisenzeiten, doch seit Ausbruch des Iran‑Kriegs ist es deutlich gefallen.

Laut ING Economics hat das Metall seit Ende Februar etwa 12 % verloren, eine Bewegung, die Manthey als „kontraintuitiv, aber erklärbar“ bezeichnet.

„Die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen zeigt sich vor allem in einer Finanzkrise oder bei Wachstumsschocks – wenn reale Renditen fallen und der Dollar schwächer wird“, erklärte Manthey. 

A supply‑driven energy shock does the opposite. Higher oil prices push inflation up, keep central banks on hold and strengthen the dollar, all of which weigh on gold.

Ewa MantheyCommodities strategist at ING

Makroökonomische Gegenwinde

Die Entscheidung der Federal Reserve, die Zinsen im April unverändert zu lassen, hat den Druck verstärkt.

Seit Beginn des Kriegs hat die Inflation wieder an Fahrt aufgenommen, was das Argument für eine baldige Lockerung reduziert. 

Manthey erläuterte: „Reale Renditen und der Dollar bleiben die wichtigsten Begrenzungsfaktoren für Gold. Ein andauernder Energieschock könnte den Zeitplan für Fed‑Senkungen nach hinten verschieben.“

Die US‑Arbeitsmarktdaten vom Freitag zeigten anhaltende Stärke am Arbeitsmarkt, mit einer unveränderten Arbeitslosenquote von 4,3 %.

Das gab der Fed wenig Anlass, bei Zinssenkungen zu eilen, und stärkte die Narrative eines länger hohen Zinsniveaus, das das Edelmetall belastet.

Friedensgespräche und geopolitisches Risiko

Gold legte letzte Woche kurzzeitig zu, gab die Gewinne aber wieder ab, nachdem US‑Präsident Donald Trump Irans jüngsten Friedensvorschlag als „völlig inakzeptabel“ zurückwies. 

Manthey sagte: „Der Rückschlag macht den Zeitplan für einen Waffenstillstand unsicher und erhöht die Inflationsrisiken – das stärkt das Szenario höherer Zinsen für längere Zeit, das Gold während des gesamten Konflikts belastet hat.“

Sie fügte hinzu, dass eine dauerhafte Lösung der entscheidende Katalysator für eine anhaltende Erholung bleiben werde.

Bis dahin dürfte Gold zwischen geopolitischer Unsicherheit und geldpolitischen Gegenwinden gefangen bleiben.

Nachfrage der Zentralbanken

Trotz kurzfristiger Schwäche liefern Zentralbanken weiterhin strukturelle Unterstützung.

Die chinesische Zentralbank hat im April 8,1 Tonnen hinzugekauft und ihre Ankaufserie damit auf 15 aufeinanderfolgende Monate ausgedehnt. 

Polen erhöhte die Reserven im Q1 um 31 Tonnen, während die Türkei der größte Verkäufer war und Bestände um 60 Tonnen reduzierte, um die Devisenliquidität zu stützen.

Manthey betonte: „Die Diversifizierung der Reserven bleibt mittelfristig unterstützend für Gold, auch wenn einige Zentralbanken verkaufen, um die Liquidität zu sichern.“

ETF‑Flüsse drehen ins Positive

Auch die Positionierung der Anleger verändert sich.

Globale Gold‑ETFs verzeichneten im April Zuflüsse in Höhe von $6.6 billion, was die Abflüsse im März umkehrte.

Europa führte die Bewegung an, was die Sorgen über eine mögliche Schließung der Straße von Hormus widerspiegelt. 

Beiträge aus Asien und den USA lagen im Monat laut Daten des World Gold Council bei etwa einem Drittel der europäischen Zuflüsse.

Manthey sagte: „ETF‑Flüsse folgen den Fed‑Erwartungen eng – Fed‑Lockerungen sollten in der zweiten Jahreshälfte ein Katalysator für erneute Zuflüsse sein.“

Die anhaltend netto langen Positionen von Managed Money an der COMEX deuten auf eine positive Anlegerstimmung hin, obwohl die Positionierung noch nicht als übermäßig oder „crowded“ gilt.

Quelle: ING Research

Ausblick: konstruktiv trotz Risiken

ING bleibt in Bezug auf Gold konstruktiv und prognostiziert, dass die Preise bis Jahresende auf $5,000 pro Unze steigen könnten. 

Manthey warnte jedoch, dass Risiken bestehen: „Das größte Abwärtrisiko ist ein Scheitern der Friedensgespräche, das die Energiepreise hoch hält und die Fed bis Jahresende am Rande verharren lässt.“

Gold’s safe‑haven role is not in question. But recent months have shown that short‑term price action can still be dominated by macro forces – particularly real yields, the dollar and expectations for Fed policy. Once those headwinds begin to ease, gold’s underlying support should reassert itself.

Ewa MantheyCommodities strategist at ING

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels notierte der aktivste Juni‑Goldkontrakt an der COMEX bei $4,729 pro Unze und damit weitgehend unverändert zum vorherigen Schluss.