Invezz

Warum fällt Gold nicht, obwohl Renditen auf dem höchsten Stand seit 2007 sind?

Warum fällt Gold nicht, obwohl Renditen auf dem höchsten Stand seit 2007 sind?
Devesh Kumar
18. Aug. 2026, 07:08 AM

Unterstützt von

Invezz
Gold kaufen (XAU/USD oder GLD)

Gold hält sich über ~$4,420, obwohl die 10‑jährige Rendite rund 4.72% und die 30‑jährige bei etwa 5.32% liegt – das deutet auf eine Verlagerung vom Szenario „Zinsen sinken“ hin zu „reale Nachfrage + sicherer Hafen“. Schwächere US‑Daten und etwa 65% Wahrscheinlichkeit für eine Fed‑Pause im September stützen die Erwartung niedrigerer Zinsen, während physisch gedeckte Gold‑ETFs im Juli ~$3B zogen und die Bestände um 23 Tonnen stiegen, was der Rallye reale Fundamente gibt. Spot‑Gold oder GLD kaufen, um einen Vorstoß in Richtung/über $4,500 anzustreben, falls die Fed‑Protokolle nicht restriktiv ausfallen.

Kernrisiko: Die Fed‑Protokolle fallen eindeutig restriktiv aus und die Märkte preisen weitere Zinserhöhungen ein, was einen schnellen Goldabverkauf auslöst.

Goldminenwerte kaufen (GDX)

Wenn Gold steigende Langfrist‑Renditen absorbiert, profitieren Minenwerte typischerweise überproportional, da sie Hebel auf Goldpreisbewegungen bieten und von erneuter physischer/investmentgetriebener Nachfrage profitieren. Mit Gold nahe einem Zwei‑Monats‑Hoch und zurückkehrender Nachfrage als sicherer Hafen wegen der Iran‑Spannungen ist GDX die höher‑beta‑Variante, um dieselbe These auszudrücken.

Kernrisiko: Ein starker Goldrückgang (etwa durch restriktive Fed‑Protokolle oder eine risikofreudige Marktumkehr) trifft Minenwerte härter als das physische Gold.

  • Gold steigt am dritten Tag in Folge, da die Märkte eine Fed‑Pause im September favorisieren.
  • Schwächere US‑Daten und ein schwacher Dollar halten das Edelmetall nun nahe den jüngsten Höchstständen.
  • Spannungen mit Iran stützen Gold, selbst während die Treasury‑Renditen deutlich anziehen.

Gold setzte seinen Anstieg am Dienstag zum dritten Handelstag in Folge fort und blieb über $4,420 je Feinunze, da schwächere US-Daten und ein schwächerer Dollar einen erneuten Anstieg der Treasury-Renditen überwogen.

Spot-Gold gewann 0.2% auf $4,424.28 je Feinunze im frühen Handel, während die Dezember-Futures um 0.2% auf $4,480.90 stiegen.

Die Bewegung hält das Edelmetall nahe dem Zwei‑Monats‑Hoch der Vorwoche und richtet die Aufmerksamkeit auf die Fed‑Protokolle am Mittwoch, auf Hinweise, dass die Entscheidungsträger zunehmend komfortabel damit sind, die Zinsen bis Ende 2026 unverändert zu lassen.

Erwartungen einer Fed‑Pause tragen die Hauptlast

Das makroökonomische Umfeld hat sich schnell zugunsten von Gold verschoben. Die US‑Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft fielen im Juli um 23.000, während der Einzelhandelsumsatz um 0.6% zurückging – der erste Monatsrückgang seit Oktober.

Die Verbraucherpreise im Juli sanken ebenfalls auf 3.4% von 3.5% im Juni, was den Märkten half, etwa eine 65%ige Wahrscheinlichkeit für eine Fed‑Pause im September einzupreisen.

Die Zentralbank beließ ihr Zielband im Juli bei 3.5%–3.75%, obwohl drei Mitglieder zugunsten einer Erhöhung um einen Viertelpunkt dissident waren.

IG‑Marktanalyst Tony Sycamore sieht die Reihe schwächerer US‑Daten der Vorwoche als Verstärkung für die Aussicht auf eine verlängerte Pause, was Gold Raum für weitere Gewinne gibt.

Niedriger erwartete Zinssätze stützen das Edelmetall generell, da sie die Opportunitätskosten für das Halten eines nicht verzinslichen Vermögenswerts reduzieren.

Die Schwäche des Dollars fügt eine weitere Unterstützungsschicht hinzu: Die US‑Währung liegt gegenüber mehreren wichtigen Währungen nahe Mehrmonats‑Tiefs.

Gold hält sich trotz steigender Anleihenrenditen

Bemerkenswert an der Bewegung am Dienstag ist, dass Gold steigt, obwohl Druck vom Anleihenmarkt ausgeübt wird.

Die Rendite der US‑10‑jährigen Treasury stieg auf etwa 4.72%, während die 30‑jährige Rendite 5.32% erreichte – der höchste Stand seit 2007. Normalerweise machen steigende langfristige Renditen nicht verzinsliches Gold weniger attraktiv.

Dass Gold diese Bewegung absorbiert hat, deutet darauf hin, dass die Zinserwartungen nicht die einzige treibende Kraft sind.

Auch die Investmentnachfrage hat sich verbessert: Global physisch gedeckte Gold‑ETFs zogen im Juli $3 billion an, während die Bestände laut World Gold Council um 23 Tonnen auf 4,068 Tonnen zunahmen.

Das gibt dem Markt eine solidere Basis als eine Rallye, die allein durch kurzfristige Fed‑Positionierung getrieben wird.

Iran‑Risiko stärkt Golds Rolle als sicherer Hafen

Die Geopolitik liefert das andere Unterstützungselement. Iran hat gewarnt, dass es nach dem Scheitern von Bemühungen um eine dauerhafte Einigung mit Washington eine offensivere militärische Haltung einnehmen könnte.

Brent‑Öl ist wieder über $91 je Barrel gestiegen, was Inflationssorgen wiederbelebt, aber auch die Nachfrage nach defensiven Anlagen stützt.

Sycamore ist der Ansicht, dass Gold beginnt, einen Teil seiner traditionellen Rolle als sicherer Hafen zurückzugewinnen, selbst bei steigenden Renditen. Die nächste Bewährungsprobe sind die Fed‑Protokolle am Mittwoch, die um 14:00 Uhr ET erwartet werden.

Ein vorsichtiger Ton würde die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Test von $4,500 stärken, während eine restriktive Sprache nach der starken Erholung im August frische Gewinnmitnahmen auslösen könnte.