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Khameneis Tod treibt Öl nach oben; Brent peilt $100 pro Barrel an

Khameneis Tod treibt Öl nach oben; Brent peilt $100 pro Barrel an
Devesh Kumar
01. März 2026, 03:35 AM

Bevor die Märkte am Montag wieder öffnen, passen sich Ölhändler bereits an die Preisauswirkungen eines möglichen Angebotschocks an.

Iranische Staatsmedien bestätigten den Tod des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, nachdem US-Präsident Donald Trump gesagt hatte, er sei bei US‑israelischen Angriffen getötet worden.

Am Wochenende sprangen die Kurse auf der Retail-Plattform der IG Group an, wobei WTI um etwa $75,33 pro Barrel gehandelt wurde, rund 12% über dem Vortagesschluss, während Brent, das am Freitag bei $72,48 glattgestellt wurde, wieder in den Bereich gelangt ist, in dem „$100 denkbar“ ist, falls sich die Krise weiter verschärft.

Das betrifft weit mehr als nur die Energiestände.

Wenn Rohöl diese Gewinne hält, müssen Verbraucher mit höheren Benzinpreisen rechnen, Unternehmen mit höheren Transport- und Vorleistungskosten, und Zentralbanken haben möglicherweise weniger Spielraum für Zinssenkungen, falls die Inflation wieder anzieht.

Die Straße von Hormuz birgt das eigentliche Risiko, da sie der enge Auslass des Persischen Golfs ist, und eine Störung dort kann sich auf jede Lieferkette auswirken, die mit Treibstoff zu tun hat.

Mehr dazu: Märkte rüsten sich für Volatilität, nachdem die USA ‚Kampfoperationen‘ im Iran gestartet haben

Der Hormuz-Faktor: ein Engpass ohne einfachen Umweg

Die unmittelbare Marktangst betrifft nicht nur einen Führungswechsel in Teheran, sondern die Schifffahrt.

Ein Beamter der EU-Seemission Aspides sagte Reuters, dass Schiffe VHF-Übertragungen der iranischen Revolutionsgarden empfangen hätten, die besagen: „Kein Schiff darf die Straße von Hormuz passieren“, obwohl Iran einen solchen Befehl nicht formell bestätigt hat.​

Die Einsätze sind enorm, da die Straße von Hormuz der weltweit wichtigste Transitkorridor für Öl ist.

Schätzungen zufolge liefen im Jahr 2024 etwa 20 Millionen Barrel pro Tag durch die Wasserstraße, rund 20% des globalen Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte, und eine Blockade von Hormuz wird ausdrücklich als das „Ausreißerereignis“ genannt, das die Kriegsprämien deutlich nach oben treiben kann.

Selbst wenn Tanker lediglich verzögert werden oder die Versicherungskosten stark ansteigen, erhöhen sich die Kosten, Barrel auf den Markt zu bringen, und der Markt neigt dazu, dieses Risiko vorab einzupreisen.

Praktisch bedeutet eine Verengung in Hormuz, dass Raffinerien aggressiver für Lieferungen außerhalb des Golfs bieten und die Transportwege länger und teurer werden.

Jorge León, Leiter der Analyse bei Rystad Energy, stellte das Zeitfenster klar:

„Die Art und Weise, wie Teheran in den nächsten 24 bis 72 Stunden reagiert, insbesondere in Bezug auf Energieinfrastruktur oder regionale Schifffahrt, wird die kurzfristigen Ölmarkttrends erheblich beeinflussen“, sagte León gegenüber Yahoo Finance.​

Was Analysten sagen: $100 ist nicht mehr abwegig

Da die Futures über das Wochenende geschlossen sind, dreht sich die Debatte nun darum, wo Brent wieder eröffnet und wie schnell es zu Kursaufschlägen kommen kann, falls die Schifffahrtsstörung real statt rhetorisch wird.

In einer vielzitierten Einschätzung sagte das Energy-Research-Team von Barclays:

„Angesichts der potenziellen Risiken von Lieferunterbrechungen könnten die Brent-Preise auf das Niveau von $100 ansteigen.“

Andere Prognosen sind beim sofortigen Anstieg vorsichtiger, sehen aber weiterhin ein Aufwärtsrisiko.

Die Bloomberg Intelligence-Analysten Will Hares und Salih Yilmaz projizierten, dass Brent kurzfristig auf rund $80 pro Barrel steigen könnte, wobei $100 denkbar werde, falls sich der Konflikt ausbreitet.​

Barclays sprach zudem von einer bereits eingepreisten Risikoprämie von rund $3–$5 pro Barrel angesichts der erhöhten Spannungen, ein Hinweis darauf, dass das Öl schnell drehen kann, wenn der Markt das Worst‑Case‑Szenario für weniger wahrscheinlich hält.

Das Problem für Investoren ist jedoch, dass die Richtung jetzt von der Geopolitik und nicht von den Lagerbeständen bestimmt wird.​

Auch langfristige Szenarien wirken weniger beruhigend.

Die Analysten argumentierten, dass, sollten iranische Exporte über einen längeren Zeitraum wegfallen, Brent im 4. Quartal 2026 im Durchschnitt $91 pro Barrel erreichen könnte – und das noch ohne Berücksichtigung eines Hormuz‑Engpasses.

Das größere Bild

Eine nachhaltige Bewegung in Richtung $100 für Öl zeigt sich typischerweise zuerst in den Haushaltsbudgets, dann bei den Unternehmensmargen und schließlich in den Inflationszahlen.

Für politische Entscheidungsträger kann diese Reihenfolge Zinssenkungspläne erschweren, gerade weil viele Volkswirtschaften versuchen, eine sanfte Landung zu erreichen.​

Für den Moment gilt die schlichteste Wahrheit: Die Märkte öffnen am Montag wieder, und Öl wird Schlagzeile für Schlagzeile auf die Entwicklungen in der Straße von Hormuz reagieren.

Ob Brent tatsächlich $100 testet, hängt weniger davon ab, wovor Händler heute Angst haben, als vielmehr davon, ob Teheran in den nächsten Tagen eskaliert oder einen Weg zurück von der Kante signalisiert.