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FTSE 100 nahe Rekordhochs – aber Öl bei $90 könnte Lage schnell ändern

FTSE 100 nahe Rekordhochs – aber Öl bei $90 könnte Lage schnell ändern
Devesh Kumar
12. Aug. 2026, 10:43 AM

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Kaufen: Energiewerte im FTSE 100 (BP, Shell)

Brent nahe $90 ist ein direkter Rückenwind für Londons energieintensiven Index. Kaufen Sie BP und Shell wegen des Gewinnhebel-Effekts, solange der Ölpreis erhöht bleibt, während der Markt Inflationssorgen hat. Diese Titel halten sich zudem tendenziell besser als Transport- und Einzelhandelswerte bei Ölpreissprüngen.

Kernrisiko: Öl dreht schnell ins Minus (Brent fällt wieder in Richtung $80) durch eine rasche Lösung in der Straße von Hormus oder einen Nachfrageschock, wodurch der an den Rohölpreis geknüpfte Ergebnisaufschwung zunichtegemacht würde.

Verkaufen: britische Konsum-/Transportwerte (Tesco, Stagecoach)

Sekundäre Effekte eines $90-Öls führen zu Margendruck: höhere Treibstoff-/Transportkosten wirken sich auf Lebensmittelhändler und Verkehrswirtschaft aus. Verkaufen Sie Tesco und Stagecoach vor heißeren Inflationsdaten, die ebenfalls die Zinsen höher halten und Bewertungen drücken können.

Kernrisiko: Öl bleibt hoch, aber die Unternehmen geben die Kosten erfolgreich weiter (starke Preissetzungsmacht und Entlastung bei Löhnen), wodurch Margenschäden verhindert werden.

  • FTSE 100 gibt nach, da Brent sich $90 nähert, vor dem entscheidenden US-Inflationsbericht.
  • FTSE 250 bleibt vorsichtig, da Risiken im Nahen Osten die Anlegerstimmung im Vereinigten Königreich trüben.
  • Stoxx 600 bleibt nahe Rekorden, während Energiegewinne schwächere Autoaktien ausgleichen.

Der FTSE 100 gab am Mittwoch leicht nach, da ein weiterer Anstieg der Ölpreise und erneute Spannungen im Nahen Osten Anleger vor dem richtungsweisenden US-Inflationsbericht vorsichtig hielten.

Der Leitindex Londons notierte in frühen Geschäften um 10.830 und setzte damit die schwache Entwicklung der Woche fort, nachdem er am Dienstag um 0,17 % gefallen war.

Der Schritt ließ den FTSE 100 unter seinem Rekordwert vom Juli nahe 10.991 zurück, während der breitere europäische Markt weiterhin in der Nähe seiner Allzeithochs verharrte.

Der deutsche DAX legte leicht zu, Frankreichs CAC 40 gab nach, während der STOXX Europe 600 mit rund 661 kaum verändert war.

Öl schafft für den FTSE 100 ein zweischneidiges Problem

Brent stieg auf knapp $90 pro Barrel nach neuen Angriffen auf Handelsschiffe und schwindenden Hoffnungen, dass die USA und Iran schnell eine Wiederöffnung der Straße von Hormus vereinbaren würden.

Teheran hat bekräftigt, dass die Wasserstraße eingeschränkt bleibt, solange Washington seinen Bedingungen nicht zustimmt.

Das ergibt ein gemischtes Umfeld für den FTSE 100.

Die starke Gewichtung des Index auf Energie- und Rohstoffunternehmen kann bei steigenden Ölpreisen Schutz bieten, doch teures Rohöl schürt auch wieder Inflationssorgen und bedroht die Margen in Transport-, Einzelhandels- und Konsumgüterunternehmen.

Die Spannungen zeigten sich in ganz Europa. Energiewerte stiegen um etwa 0,7 %, und waren damit der stärkste Sektor im STOXX 600, während Automobil- und Zulieferaktien rund 0,8 % nachgaben.

Der geopolitische Hintergrund hat sich zudem über Hormus hinaus erweitert.

Ein Huthi-Angriff auf ein Frachtschiff im Roten Meer tötete Besatzungsmitglieder, gleichzeitig startete Nordkorea eine weitere ballistische Rakete und Taiwan kritisierte geplante chinesische Marineübungen vor seiner Ostküste.

Diese Entwicklungen stärkten die Vorsicht der Anleger, lösten jedoch keinen flächendeckenden Aktienverkauf aus.

Europa hält seine Rekorde besser als London

Das Zögern des FTSE 100 steht im Gegensatz zu einem breiteren europäischen Markt, der nahe seinen jüngsten Rekorden gehalten hat.

Der STOXX 600 war in den frühen Handelsstunden mit rund 661 weitgehend unverändert, während der Euro STOXX 50 nahe 6.550 pendelte. Der deutsche DAX gewann etwa 0,1 %, während Frankreichs CAC 40 um rund 0,3 % nachgab.

Unternehmensgewinne verhinderten einen stärkeren Rücksetzer.

Der deutsche Kriegsschiffbauer TKMS sprang nach der zweiten Anhebung seiner Prognose binnen sechs Monaten an, während K+S nach einer weiteren Anhebung der Jahresprognose zulegte.

TUI bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung, nachdem das operative Quartalsergebnis enttäuschte, da schwächere Buchungen und höhere Treibstoffkosten die Performance belasteten.

In London gab es zudem einige unternehmensspezifische Stützen. Balfour Beatty erklärte, dass die Jahresergebnisse leicht über den bisherigen Erwartungen ausfallen sollten, gestützt durch eine starke Infrastruktur-Nachfrage und ein Auftragsbuch von etwa £22.9 billion.

Der Kontrast macht auch den FTSE 250 wichtig. Seine stärkere Ausrichtung auf die heimische britische Wirtschaft bedeutet, dass die Wachstumszahlen vom Donnerstag für Mid-Caps wichtiger sein könnten als für den international ausgerichteten FTSE 100.

US-Verbraucherpreise und britisches BIP werden die nächsten Prüfsteine

Der US-Verbraucherpreisbericht vom Mittwoch ist der unmittelbare makroökonomische Auslöser.

Ökonomen erwarten, dass die Gesamtinflation im Juli gegenüber Juni um 0,1 % steigt und sich auf rund 3,4 % im Jahresvergleich von 3,5 % verlangsamt.

Die Kerninflation dürfte dagegen fester bleiben, was die Entscheidung der Federal Reserve im September weiterhin schwer abzuwägen macht. Das Bureau of Labor Statistics wird die Zahlen um 8.30 Uhr ET veröffentlichen.

Der jüngste Ölpreissprung wird sich nicht vollständig in den Julizahlen niederschlagen, doch ein heißeres als erwartetes Ergebnis könnte die Renditen von US-Staatsanleihen ansteigen lassen und die Aktienbewertungen weltweit unter Druck setzen.

London erhält dann am Donnerstag seinen eigenen makroökonomischen Test, wenn das Office for National Statistics das britische BIP für das zweite Quartal veröffentlicht.