Invezz

Silber klettert auf rund 70 $ – Bullen jagen neue Ausbruchssignale

Silber klettert auf rund 70 $ – Bullen jagen neue Ausbruchssignale
Devesh Kumar
17. Juni 2026, 07:24 AM

Unterstützt von

Invezz
Silber kaufen (XAGUSD)

Silber bricht nach oben in Richtung ~70 $ aus, getrieben von zwei Katalysatoren: (1) friedensbedingte Entlastung bei Öl dämpft Inflationsängste und die Erwartungen an Realrenditen, und (2) ein anhaltendes physisches Angebotsdefizit (Silver Institute: ca. 67 Millionen Unzen Defizit 2026) sowie steigende physische Investitionsnachfrage. Diese Kombination stützt das Aufwärtsmomentum, solange die Renditen eingedämmt bleiben.

Kernrisiko: Warsh wird restriktiv — die Wortwahl zu Zinsen/Inflation treibt reale Renditen und den Dollar nach oben und zerstört die Attraktivität des renditelosen Silbers.

Silberminen kaufen (AG)

Setzt sich die Rallye beim Silber fort, tendieren Minenunternehmen dazu, die Bewegung durch operative Hebelwirkung auf die Metallpreise zu verstärken. Vor dem Hintergrund des Silberdefizits ist der Markt eher geneigt, höhere Preise lange genug aufrechtzuerhalten, damit Gewinnschätzungen angepasst werden und die Stimmung gegenüber dem Sektor sich verbessert.

Kernrisiko: Der Silberpreis dreht bei einer restriktiven Fed oder einem Dollar‑Spike schnell ins Minus, wodurch die Hebelwirkung der Minen zu raschen Verlusten führt, bevor die Fundamentaldaten nachziehen.

  • Silber steigt nahe 70 $, da Hoffnungen auf ein US‑Iran‑Abkommen Inflationsängste dämpfen.
  • Warshs Fed‑Debüt hält Händler vorsichtig, während Silber seine Rallye ausweitet.
  • Versorgungsdefizit und Investitionsnachfrage stützen die Silber‑Rallye 2026.

Silber stieg am Mittwoch den fünften Handelstag in Folge, da Anleger den sich abzeichnenden US‑Iran-Friedensrahmen als neuen Anlass nutzten, Inflation und Zinsrisiken neu zu bewerten.

Spot‑Silber notierte während der asiatischen Handelsstunden um $70.40 je Unze und setzte damit eine Erholung fort, die auf einen kräftigen Rückgang der Rohölpreise folgte.

Die Bewegung ist nicht einfach ein Zufluchtsstrom. Niedrigere Ölpreise haben die Befürchtungen gedämpft, dass der Konflikt im Nahen Osten die Energiekosten hoch halten wird, während Händler abwarten, ob Kevin Warshs erste Sitzung der Federal Reserve als Vorsitzender einen weniger aggressiven geldpolitischen Kurs bestätigt.

Öl‑Entlastung hebt Stimmung für Metalle

Der unmittelbare Treiber für Silber ist das sich verändernde Energieumfeld.

US‑ und iranische Offizielle haben signalisiert, dass am Freitag in der Schweiz ein Zwischenabkommen unterzeichnet werden könnte, mit einem Rahmen, der darauf abzielt, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und iranischem Öl die Rückkehr auf die internationalen Märkte zu ermöglichen.

Diese Aussicht hat Rohöl in Richtung mehrmonatiger Tiefststände gedrückt und die Zinserhöhungsstory abgeschwächt, die renditelose Anlagen belastet hatte.

„Der Rückgang der Ölpreise hat einen Teil des Aufwärtsdrucks auf die Zinsen gemildert und die Erwartungen an Zinserhöhungen abgekühlt“, sagte Ilya Spivak, Leiter Global Macro bei Tastylive, gegenüber Reuters.

Silber hat von derselben Logik wie Gold profitiert: Wenn die erwarteten Realrenditen sinken, verringern sich die Opportunitätskosten für das Halten von Edelmetallen.

Trading Economics wies Anfang der Woche darauf hin, dass Silber nach der Friedensankündigung, die Befürchtungen einer energiegetriebenen Inflation linderte, in Richtung $71 gesprungen sei.

Ton der Fed bleibt entscheidend

Die Rallye bleibt anfällig für die Botschaft der Fed.

Es wird weithin erwartet, dass die US-Notenbank ihren Leitzins bei 3,50 %–3,75 % belässt, sodass Anleger auf die Stellungnahme, die Projektionen und Warshs Pressekonferenz achten.

Die Märkte haben einige ihrer restriktiveren Wetten seit den Friedensschlagzeilen zurückgenommen, aber das Risiko einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr wurde nicht aufgegeben.

Deshalb ist die Wortwahl zur Inflation besonders wichtig.

Eine straffere Botschaft von Warsh könnte den Dollar stabilisieren und weitere Gewinne bei Silber begrenzen, während ein geduldigerer Ton die Käufer in Kontrolle halten könnte.

Versorgungsdefizit verschafft Silber ein zweites Standbein

Silber verfügt zudem über eine stärkere fundamentale Ausgangslage als viele andere Edelmetalle.

Das Silver Institute erwartet, dass der Markt 2026 zum sechsten Mal in Folge in einem Defizit verbleibt, auch wenn hohe Preise zu Substitutionen in Schmuck, Silberwaren und einigen industriellen Anwendungen anregen.

Sein Ausblick vom Februar prognostizierte für dieses Jahr ein Defizit von 67 Millionen Unzen, wobei die physische Investitionsnachfrage um 20 % auf ein Drei‑Jahres‑Hoch von 227 Millionen Unzen steigen dürfte.

Die industrielle Nachfrage dürfte hingegen um 2 % auf 650 Millionen Unzen zurückgehen, da Solarhersteller sparsamer wirtschaften und Metall dort substituieren, wo es möglich ist.

Diese Aufspaltung erklärt, warum Silber bei gedämpften Fed‑Erwartungen steigen kann, gleichzeitig aber volatiler handelt als Gold.

Es ist sowohl ein monetäres Anlagegut als auch ein industrieller Rohstoff, und diese Woche setzt die monetäre Seite das Tempo.