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Anheben oder abwarten? Fed‑Sitzung nächste Woche prüft Kevin Warshs Glaubwürdigkeit

Anheben oder abwarten? Fed‑Sitzung nächste Woche prüft Kevin Warshs Glaubwürdigkeit
Vatsala Gaur
12. Sept. 2026, 13:15 PM

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US‑Zwei‑Jahres‑Treasury‑Futures

Long gehen in US‑2‑Jahres‑Treasury‑Futures (oder 2‑jährige Papiere kaufen) vor der Fed‑Sitzung. Die Re‑Beschleunigung von CPI/Kerninflation und die Stärke im Supercore‑Maß machen eine Erhöhung sehr wahrscheinlich. Die eigentliche Story ist aber die Marktdebatte „wie viele Erhöhungen“: Nach der ersten Bewegung drängt Warshs Glaubwürdigkeit die Fed dazu, einen strafferen Pfad zu signalisieren, als Anleger erwarten, was schnell zu einer Neubewertung in Richtung langsameres Wachstum zwingt. Das beflügelt typischerweise das kurze Ende nach dem ersten Schock.

Kernrisiko: Die Fed sendet eine restriktive, anhaltende Botschaft „mehr Erhöhungen“, die die 2‑Jahres‑Renditen länger oben hält.

US‑Dollar vs. Euro (EUR/USD)

Short auf EUR/USD. Eine Erhöhung nächste Woche (85–90% Wahrscheinlichkeit) plus hartnäckige Kern‑/Dienstleistungsinflation hält US‑Zinsen relativ höher als in Europa und zieht Kapital in USD‑Assets. Sekundär‑Effekt: Signale von Warsh zur Glaubwürdigkeit und ein Markt, der einen länger höheren Zinspfad einpreist, weiten die Zinsdifferenziale und stärken den USD, selbst wenn US‑Aktien nicht einbrechen.

Kernrisiko: Die Inflation kühlt schnell ab oder die Fed wird unerwartet nachgiebig, wodurch der Zinsabstand USA–Europa schrumpft.

  • Händler sehen eine Wahrscheinlichkeit von über 85% für eine Fed‑Zinserhöhung um einen Viertelpunkt.
  • Ökonomen sagen, ein Ausbleiben einer Erhöhung würde die Glaubwürdigkeit des Fed‑Vorsitzenden untergraben.
  • Eine Zinserhöhung würde Warsh im Vorfeld der Wahlen in Konflikt mit Trump bringen.

Die Anleger gehen in die Fed‑Sitzung der nächsten Woche mit den stärksten Erwartungen an eine Zinserhöhung seit Monaten, nachdem die Inflationsdaten für August gezeigt haben, dass der Preisdruck hartnäckig hoch bleibt.

Der am Freitag veröffentlichte Verbraucherpreisindex (CPI) zeigte, dass die Gesamtinflation im August gegenüber Juli um 0,4% und im Jahresvergleich um 3,4% gestiegen ist.

Beide Werte lagen im Rahmen der Erwartungen.

Der stärker beachtete Kern‑CPI, der volatile Nahrungsmittel‑ und Energiepreise herausrechnet, stieg im Monatsverlauf um 0,3% und damit schneller als die von Ökonomen erwarteten 0,2%.

Die Kerninflation lag 2,4% über dem Vorjahr, damit leicht gesunken gegenüber 2,5% im Juli und im Einklang mit den Prognosen.

Die monatliche Beschleunigung der zugrunde liegenden Inflation hat jedoch die Argumentation jener Entscheidungsträger gestärkt, die dafür plädieren, die Zinsen anzuheben, statt auf eine weitere Abkühlung der Inflation zu warten.

Die aktuellen Inflationsdaten folgten auf einen robusten Beschäftigungsbericht für August, der die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik bereits angehoben hatte.

Die am Donnerstag veröffentlichen PPI‑Daten erhöhten ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung.

Händler in den Fed‑Funds‑Futures sehen laut dem FedWatch‑Indikator der CME Group nun eine Wahrscheinlichkeit von etwa 85% bis 90% für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt bei der Sitzung nächste Woche.

Die Zentralbank hält ihren Leitzins seit Januar in einer Spanne von 3,5% bis 3,75%.

Kern‑Dienstleistungen verschärfen Inflationssorgen

Einer der besorgniserregenderen Aspekte des Berichts für die Fed war die Stärke der Dienstleistungsinflation.

Das sogenannte „Supercore“-Maß, das Energie- und Wohndienstleistungen ausschließt, stieg im August um 0,5% und lag 3% über dem Vorjahr.

Obwohl die Fed dieses Maß nicht formal anvisiert, beobachten einige Entscheidungsträger und Investoren es genau, da es die zugrunde liegenden Preisdrücke erfassen soll, die weniger direkt von volatilen Güter‑ oder Energiepreisen beeinflusst werden.

Der Anstieg im August lieferte daher einen weiteren Grund für die Märkte, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung neu zu bewerten.

Jon Butcher, leitender US‑Ökonom bei Aberdeen, sagte, der Anstieg der monatlichen Kerninflation könnte das Haupthindernis für eine September‑Maßnahme beseitigen.

„Eine Zinserhöhung der Federal Reserve in der nächsten Woche erscheint jetzt sehr wahrscheinlich. Die heutigen CPI‑Daten zeigten, dass die Kernpreise im August wieder an Fahrt aufnahmen und im Monatsvergleich um 0,3% stiegen – mehr als vom Konsens erwartet. Das hat das Haupthindernis für eine Erhöhung des Fed‑Funds‑Satzes nächste Woche aus dem Weg geräumt, nämlich dass die Preisdaten eine disinflationäre Entwicklung gezeigt hatten“, sagte er.

Die Inflationsdaten kommen zudem zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt für die Entscheidungsträger, da die Energiepreise eine weitere Unsicherheitsquelle darstellen.

„Wir haben in den vergangenen Wochen ein gespaltenes FOMC gesehen: Einige Mitglieder fordern jetzt Erhöhungen, während andere vorschlugen, bei unveränderten Zinsen zu bleiben, sofern sich die Aufwärtsrisiken der Inflation nicht manifestieren. Nach heutigem Stand deuten die Inflationsdaten darauf hin, dass diese Aufwärtsrisiken sich zeigen. Und da der Ölpreis über 100 US‑Dollar je Barrel liegt und der Konflikt im Nahen Osten kurzfristig kein Ende findet, bleiben die Inflationsrisiken deutlich nach oben gerichtet“, fügte Butcher hinzu.

Märkte rüsten sich für Zinserhöhung

Die Finanzmärkte schienen die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik ohne einen größeren Ausverkauf bei Aktien zu verdauen.

US‑Aktien zogen nach der CPI‑Veröffentlichung an, während die Renditen der Staatsanleihen überwiegend stabil blieben.

Die Rendite zweijähriger US‑Treasuries, die besonders empfindlich auf Fed‑Erwartungen reagiert, berührte jedoch ihr höchstes Niveau seit Juli 2024.

Während der Anstieg positiv als Reaktion auf sinkende Ölpreise gewertet wurde, deutet er dennoch darauf hin, dass Anleger zunehmend eine Zinserhöhung einpreisen, ohne sie als unmittelbare Bedrohung für die Gesamtwirtschaft zu sehen.

Wichtiger könnte nun die Frage sein, wie weit die Fed nach einer ersten Erhöhung gehen will.

„Die Debatte hat sich schnell von der Frage, ob die Fed anhebt, auf die wichtigere Frage verlagert, wie viele Erhöhungen dieser Zyklus letztlich erfordern wird“, sagte Seema Shah, Chief Global Strategist bei Principal Asset Management.

„Wir erwarten nicht, dass die Fed nach einer Erhöhung wieder aufhört. Es geht nicht mehr nur um Feinabstimmung der Wirtschaft. Nach einem halben Jahrzehnt über dem Ziel dürften die Entscheidungsträger zu dem Schluss kommen, dass mehr als eine Erhöhung erforderlich sein wird, um die Preisstabilität wiederherzustellen.“

Das würde eine deutliche Änderung der Markt‑Narrative bedeuten.

Anleger hatten zuvor verstärkt damit gerechnet, dass die Fed die Zinsen unverändert lassen könnte, falls die Inflation weiter abkühlt.

Die Zahlen für August stellen diese Annahme in Frage.

Warshs Glaubwürdigkeit steht auf dem Prüfstand

Die politische Entscheidung entwickelt sich zugleich zu einem wichtigen Test für den neuen Fed‑Vorsitzenden Kevin Warsh, dessen Vorgehen in der Inflationsfrage bereits intensiver Kritik ausgesetzt ist.

Warsh hat sich öffentlich nicht zu einer konkreten Zinsentscheidung für die Sitzung am 15. und 16. September verpflichtet.

Er hat jedoch wiederholt angedeutet, dass die Fed die Zinsen anheben müsste, sollte die Inflation nicht ausreichend nachgeben.

Bei der jährlichen Fed‑Konferenz in Jackson Hole letzten Monat versuchte Warsh, sein Bekenntnis zur Rückführung der Inflation auf das 2‑%‑Ziel der Zentralbank zu unterstreichen.

„Das ist mein Maßstab: Wir müssen zuversichtlich sein, dass die zugrunde liegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zusteuert“, sagte er. „Andernfalls haben wir noch Arbeit zu tun.“

Die Aussage war absichtlich weit gefasst und ließ Warsh Raum, auf neue Daten zu reagieren.

Der jüngste CPI‑Bericht macht diese Flexibilität jedoch schwerer aufrechtzuerhalten.

Warshs Herausforderung wird nicht nur die Entscheidung über eine Zinserhöhung sein.

Er muss außerdem innerhalb der Entscheidungsträger Konsens schaffen und den Anlegern eine klare Begründung für die Entscheidung liefern.

Auf der Fed‑Sitzung im Juli beließ die Zentralbank die Zinsen unverändert, doch Warshs Erklärung schaffte es nicht, vollständig darzulegen, wie er sein Versprechen erfüllen will, die Inflation wieder auf Ziel zu bringen.

Das trug zur Unsicherheit über den künftigen Kurs der Geldpolitik bei.

Eine Erhöhung in der nächsten Woche könnte daher helfen, eine klarere geldpolitische Richtung zu etablieren.

Andererseits könnte ein Ausbleiben von Maßnahmen die Anleger daran zweifeln lassen, wie ernst es der neue Vorsitzende mit dem Kampf gegen die anhaltend hohe Inflation meint.

„Nach den PPI‑ und CPI‑Daten für August und einem PCE, der für die Fed nicht disinflationsfreundlich ausfallen dürfte, wäre es ein Schlag gegen die eigene Glaubwürdigkeit, bei der nächsten Sitzung nicht zu erhöhen, angesichts der klaren Preis‑Dynamik nach den Äußerungen von Fed‑Chef Kevin Warsh in Jackson Hole und anderer Rhetorik von sowohl Falken als auch Tauben innerhalb der Zentralbank in der Folgezeit“, sagte Joseph Brusuelas, Chefökonom bei RSM US.

Fed bleibt in der Inflationssicht gespalten

Es gibt bereits eine Gruppe von Entscheidungsträgern, die argumentieren, dass die Zinsen nicht restriktiv genug sind, um die Inflation zurück auf 2% zu bringen.

Ihr Argument lautet, dass höhere Zinsen nicht nur die Nachfrage dämpfen, sondern auch verhindern würden, dass die Inflationserwartungen sich entankern.

Die Gegenmeinung war, dass sich die Inflation in der zweiten Jahreshälfte naturgemäß abschwächen würde und die Fed deshalb geduldig bleiben könne.

John C. Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of New York und Vize‑Vorsitzender des geldpolitischen Ausschusses, hat argumentiert, dass die Geldpolitik derzeit an einem „guten Punkt“ sei.

Williams hat zugleich signalisiert, dass er höhere Zinsen unterstützen würde, falls die reinkommenden Daten keinen weiteren Fortschritt bei der Inflation zeigen.

Christopher Waller, ein weiteres Fed‑Gouverneursmitglied, sagte ähnlich, er neige dazu, die Zinsen nächste Woche unverändert zu lassen, falls die Inflation weiter abkühlt.

Die Zahlen für August haben diese Position jedoch verkompliziert.

Trump‑Spannungen erhöhen den Einsatz

Eine Zinserhöhung hätte auch politische Implikationen.

Die Entscheidung fällt nur wenige Monate vor der Wahl und könnte die Spannungen zwischen der Fed und Präsident Donald Trump verschärfen, der wiederholt niedrigere Kreditkosten gefordert hat.

Letzte Woche drohte Trump mit einem Stopp eines großen Teils des US‑Handels, sollte die Fed die Zinsen nicht senken.

Eine Zinserhöhung würde genau in die entgegengesetzte Richtung wirken.

Für die privaten Haushalte ist das Timing besonders schwierig.

Verbraucher sehen sich bereits mit hohen Preisen, erhöhten Kreditkosten und der Möglichkeit einer weiteren Welle energiebedingter Inflation konfrontiert, da der Iran‑Konflikt die Ölpreise nach oben treibt.

„Anhaltend hohe Preise haben besonders stark auf Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen gewirkt, von denen viele kämpfen, sich Grundbedürfnisse leisten zu können“, sagte Mark Hamrick, Wirtschaftsanalyst und Gründer von The Hamrick Brief, in einem früheren CNBC‑Bericht.

Die Fed steht daher vor einem schwierigen Balanceakt: Zinserhöhungen könnten Haushalte und Kreditnehmer zusätzlich belasten, während ein Verharren bei den Zinsen erlauben könnte, dass die Inflation länger über dem Ziel bleibt.

Finanzministerium und Fed mit unterschiedlichen Zielen

Die politische Debatte wird zusätzlich durch Bestrebungen der Trump‑Administration kompliziert, die Kreditkosten über den Treasury‑Markt zu senken.

Treasury‑Secretary Scott Bessent hat in den vergangenen Wochen versucht, den Druck auf langfristige Treasury‑Renditen nach unten auszuüben, unter anderem durch Rückkäufe von Staatsanleihen.

Die Strategie hatte nur begrenzten Erfolg; die Rendite der zehnjährigen Treasury liegt knapp unter 5%.

Das erzeugt einen offensichtlichen Spannungsbogen zwischen dem Wunsch des Finanzministeriums nach niedrigeren langfristigen Finanzierungskosten und der möglichen Bewegung der Fed hin zu höheren kurzfristigen Zinsen.

Bessent wies Vorschläge einer Konfrontation mit Warsh zurück.

„Man will Scott Bessent gegen Kevin Warsh aufstellen — das war Unsinn“, sagte Bessent in einem Interview mit Steve Bannon diese Woche.

„Kevin und ich kennen uns seit 20 Jahren. Zu glauben, ich wüsste nicht, wie der Vorsitzende der Fed denkt, ist absurd.“

Dennoch ist der Kontrast in den politischen Zielen schwer zu übersehen.

Das Finanzministerium will die Finanzierungskosten begrenzen, während die wichtigste Aufgabe der Fed darin besteht, die Preisstabilität wiederherzustellen.